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Fotojob bei sechs Meter hohen Wellen

Gabriele Hillmoth

Münster - Fotoaufnahmen bei sechs Meter hohen Wellen? Unter solchen Wetterbedingungen hat selbst ein Profifotograf wie Markus Finsterwald aus München bisher noch nicht gearbeitet. Neben den Wellen spielten bei seinem Job aber auch Eis, Schnee, Temperaturen um minus 20 Grad und viel Wind die Hauptrollen. Die Fotos, die Osvaldo Escobar jetzt vorliegen, lassen diese Wetterkapriolen um Kap Hoorn nur erahnen. Inzwischen sind der Münsteraner Escobar und sein Team wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Der erste Teil der Expedition für einen Bildband über Feuerland und Kap Hoorn ist erfolgreich abgeschlossen.

Jetzt folgt der zweite Teil, der dem 33-jährigen Expeditionsleiter und Initiator der Idee, Osvaldo Escobar, noch Kopfzerbrechen bereitet. Denn er muss aus rund 5000 Fotos auswählen. Auf 200 Bilder haben sich die Expeditionsteilnehmer bei ihrem ersten Treffen nach der fünfwöchigen Reise in Münster schon geeinigt. „Wir brauchen aber nur 80 Fotos“, beschreibt Osvaldo Escobar die Qual der Wahl.

Kap Hoorn ist und bleibt für den gebürtigen Chilenen, der seit drei Jahren mit Ehefrau Jutta Walter und Söhnchen Theo in Münster lebt, ein magischer Anziehungspunkt. Mit seiner Begeisterung hat der 33-Jährige, der selbst als Skipper auf einer Segeljacht das Kap inzwischen 47 Mal umrundet hat, schon viele Menschen angesteckt. Doch Osvaldo Escobar möchte mehr, er beschäftigt sich schon lange Zeit mit einem Bildband, der die Menschen in seiner Heimat und den Zauber der unberührten Natur zeigen wird.

Diese Idee soll bis zum Herbst 2010 umgesetzt werden. Dass die Reise jetzt kein Zuckerschlecken war, das wusste das Team vor dem Start. Das Wetter war das größte Risiko. Aber die Zeit drängte, denn nur bis Ende Dezember bestand die große Chance, Kap Hoorn und Feuerland menschenleer und ohne Kreuzfahrtschiffe zu sehen.

Mit an Bord der Expedition waren neben Osvaldo Escobar und Stefan Hövelmann aus Münster der Fotograf Markus Finsterwald aus München sowie der segelbegeisterte Künstler Ingo Kühl von Sylt. Kühl, der in der Südsee gelebt hat, lernte Escobar vor fünf Jahren bei einem Törn um Kap Hoorn kennen. Jetzt brachte er neben seiner Segelerfahrung auch seine künstlerische Sicht auf Land und Leute mit ein.

Osvaldo Escobar schwärmt von der „interessanten Mischung“ seiner Expeditionsrunde. Das Team segelte in der Magellanstraße zwischen Chile und Argentinien, fuhr mit einem Auto die Küste entlang, wanderte durch die Berge, besuchte Gletscher und die südlichste Stadt Argentiniens. Ushuaia ist Start und Landepunkt für viele Kreuzfahrten. „Innerhalb einer Saison sind rund 50 Hotels und Pensionen in der Stadt neu gebaut worden, staunte selbst Osvaldo Escobar über den Boom.

In Ushuaia traf das Team aus Deutschland auf Escobars Freund Micki Porco Fischer, einen Argentinier deutscher und italienischer Abstammung. Dem 39-jährigen Skipper gehört die Jacht „Yate Tari II“, mit der der Törn ums Kap starten sollte.

Aber das Wetter machte zunächst den Besuchern aus Deutschland wie erwartet einen Strich durch die Segel-Rechnung. Einen Tag lang saßen sie in Puerto Williams fest. Die chilenische Marine verhinderte das Auslaufen, denn um Kap Hoorn wurden Windgeschwindigkeiten von 103 Knoten gemessen, im Hafen von Puerto Williams noch 65 Knoten.

Der 33-jährige Expeditionsleiter Escobar holte Plan B aus der Tasche: Wanderungen auf der Insel Navarino. „Das war ein Tag für Markus Finsterwald und für seine Panoramafotos.“

Osvaldo Escobar konnte der stürmischen Pause durchaus eine positive Seite abgewinnen. „Nur kein Risiko eingehen“, das war dem 33-Jährigen bei aller Reiselust ohnehin ein wichtiges Anliegen.

Sobald sich der Sturm gelegt hatte, packte die Crew ein. Wasser, Diesel, Proviant, Pass-Nummern, Zahl der Reiseteilnehmer - Osvaldo Escobar weist auf die strengen Regeln der chilenischen Marine hin. Zwei Mal pro Tag muss sich ein Skipper pünktlich bei der Marine melden und über den jeweiligen Standort des Schiffes informieren. „Für den Fall der Fälle, wenn Hilfe notwendig ist“, erklärt Escobar.

Insgesamt sieben Tage zeichnete der Chilene in seinem Tagebuch für die Reise um Kap Hoorn auf. Zwei Stunden verbrachte die Crew auf Kap Hoorn, wo ein Soldat mit seiner Familie ein Jahr lang alleine lebt. Lebensmittel kommen bei den Insulanern nur per Hubschrauber an, ansonsten sehen der Soldat und seine Familie ab und zu nur Touristen.

Die Crew aus Deutschland hat ihren Törn geschafft. Sie besuchte Fjorde und Gletscher, sammelte Fotos und viele Eindrücke und sprach mit zahlreichen Einheimischen.

Osvaldo Escobar sitzt jetzt an seinem Schreibtisch in der warmen Wohnung in Münster. Zwischendurch hat er noch schnell ein Schiff von Malaga nach Madeira überführt - bei plus 30 Grad. Nebenbei organisiert er noch für einen Kletterer aus Deutschland eine Tour auf den 2250 Meter hohen Monte Sarmiento von Feuerland - und schreibt an seinem Buch.

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