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Protestzug durch Münster

Für Palästina – und gegen Israel

Münster

Der blutige Konflikt um den Gazastreifen, er wühlt auf. Auch im tausende Kilometer entfernten Münster: Mit lauten Parolen wie „Kindermörder Israel, Frauenmörder Israel“ bewegte sich am Samstag eine Demonstrationszug durch eine menschenleere Innenstadt bis zum Prinzipalmarkt.

Martin Kalitschke

300 Menschen demonstrierten am Samstagnachmittag in der Innenstadt für die Freiheit Palästinas und gegen die jüngsten Militäraktionen Israels im Gaza-Streifen. Foto: Matthias Ahlke

19 Verwandte habe er am 12. Juli bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Haus im Gaza-Streifen verloren, sagt Msleh Batesh. „Darunter sechs Kinder und vier Frauen.“ Einen Tag danach habe er die Gruppe „Freunde Palästinas im Münsterland“ gegründet, der nach seinen Angaben 13 Mitstreiter angehören. Am Samstag rief sie zu einer Demonstration in der Innenstadt auf, bis zu 1000 Menschen wurden erwartet, schließlich zogen bei brütender Hitze 300 vom Servatiiplatz über den fast menschenleeren Prinzipalmarkt zum Ludgerikreisel.

„Kindermörder Israel“ und ähnliche Parolen skandieren die Demonstranten. „Frieden fängt in Deutschland an“, schallt es aus dem Megafon. Die deutsche Regierung solle Israel nicht länger bedingungslos mit Waffen und Geld versorgen, so die Forderung.

Als „Massenmörder“ bezeichnet der Einpeitscher den israelischen Regierungschef Netanjahu. Die „israelische Aggression“ in Gaza müsse sofort gestoppt werden, dort herrschten Verzweiflung, Trauer, Schmerz, Angst und Hoffnungslosigkeit. „Unsere Kinder wollen leben, USA und Israel sind dagegen“, ruft der Einpeitscher. Und: „Intifada bis zum Sieg“, also bewaffneter Kampf gegen Israel.

Ein großes Polizeiaufgebot begleitet die Demonstration. Zwei Mal kommt kurz Unruhe auf, Passanten rufen den Demonstranten etwas zu. Sofort stürmen Palästinenser auf sie zu, werden laut. Doch die Gemüter beruhigen sich wieder. Anders als in einigen anderen deutschen Städten verläuft der Protestzug insgesamt ruhig.

Von den mehr als 1500 Raketen, die nach israelischen Angaben in den vergangenen Wochen aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert wurden und die den Einsatz des Landes gegen Gaza ausgelöst hatten, ist bei der Demonstration nicht die Rede. „Die gibt es nicht“, sagt ein Teilnehmer, während ein kleiner Junge neben ihm Flugblätter verteilt, die das „unbeschreibliche Leid“ in Gaza anprangern. „Kindermörder Israel“ skandiert auch der Junge immer wieder.

Zwischendurch gibt es zwei längere Ansprachen. Eine Frau berichtet, dass ein Münsteraner in den letzten Tagen in Gaza Bruder, Vater und Schwägerin verloren habe, ein anderer Münsteraner die Verlobte. Während ihrer Rede gehen im Nahen Osten die kriegerischen Auseinandersetzungen mit aller Härte weiter.

Jüdische Gemeinde steht hinter Israel

Zur Situation im Nahen Osten hat am Wochenende auch die Jüdische Gemeinde Münster Stellung bezogen. „Es gibt viel Kritik an Israel. Manche Medien schrecken nicht davor zurück, Israels Ministerpräsident in scheußliche Karikaturen als Giftmischer darzustellen. Wir finden dies wie auch die undifferenzierte Kritik an Israel völlig inakzeptabel“, heißt es in einer Pressemitteilung. Israel wehre sich gegen den Raketenbeschuss durch Terrororganisationen und stehe wieder einmal einseitig am Pranger.

„Warum empört sich hier niemand gegen den tagtäglichen Raketenbeschuss auf israelische Zivilisten?“, fragt die Gemeinde. Sie betont, dass sie Israel solidarisch zur Seite stehe. Dabei vertraue sie auch auf die Solidarität der Freunde in Münster.

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