1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. G7-Treffen in Münster: Außenministerium ließ Kreuz aus Friedenssaal entfernen

  6. >

G7-Treffen

Nach öffentlicher Debatte: Kreuz ist zurück im Friedenssaal

Münster

Vor dem Treffen der G7-Außenminister im Friedenssaal in Münster wurde ein historisches Kreuz entfernt. Noch während das Treffen lief, sorgte das für eine öffentliche Debatte, in der sich auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock äußerte.

Im Friedenssaal im Münster hängt normalerweise ein Kreuz. Für das Treffen der G7-Außenminister wurde es entfernt. Foto: dpa

Bei den Vorbereitungen des G7-Treffens im Rathaus von Münster wurde das historische Kreuz aus dem Friedenssaal vorübergehend entfernt. In dem symbolträchtigen Raum haben zwei Tage lang die Außenministerinnen und Außenminister der G7-Staaten getagt. Das Ratskreuz zählt normalerweise zum festen Inventar des Friedenssaales.

Das Auswärtige Amt bestätigte am vergangenen Freitag (4. November), dass das Kreuz entfernt wurde: „Das ist auf Absprache zwischen unserem Protokoll und der Stadt Münster geschehen.“ Die Stadt Münster hatte unserer Redaktion gegenüber bereits einen Tag zuvor bestätigt, dass das Kreuz abgenommen wurde. Das Außenamt habe seine Bitte nach Angaben der Stadt damit begründet, dass Menschen mit unterschiedlichem religiösen Hintergrund an dem Treffen teilnehmen würden. Eine solche Bitte sei bislang noch nie an die Stadt gerichtet worden, hieß es aus Kreisen der Verwaltung.

Lewe: „Ich bedauere die Entscheidung“

Noch während des G7-Treffens wurde öffentliche Kritik an dem Vorgehen laut. Oberbürgermeister Markus Lewe sagte dazu in einer Mitteilung: „Das Kreuz ist auf Bitten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes für die Zeit des Außenministertreffens entfernt worden.“ Und weiter sagte das münsterische Stadtoberhaupt: „Ich meine aber, diese Entscheidung hätte so nicht getroffen werden dürfen, und ich bedaure sie. Mein Eindruck ist, dass auch die Außenministerin davon überrascht wurde.“ Das Kreuz gehöre seit Jahrhunderten zum Friedenssaal und damit zur Geschichte und Kultur des Konferenzortes. Zudem bezeichnete Lewe das christliche Kreuz als  „Zeichen der Versöhnung“.

Außenministerin Annalena Baerbock

Bei der Pressekonferenz zum Abschluss des G7-Treffens am Freitagabend betonte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock auf eine Frage unserer Redaktion, sie sei nicht an der Entscheidung beteiligt gewesen, das Kreuz im Friedenssaal abzuhängen. Vom Abhängen des Kreuzes im Friedenssaal habe „ich erst erfahren, als ich heute Morgen mit dem Oberbürgermeister in diesem Raum stand“, sagte Annalena Baerbock zu der Diskussion, die die politischen Themen zumindest temporär überstrahlte. Sie bedauere das sehr. „Das Kreuz ist Teil der Geschichte dieses Ortes, deshalb hätte es da auch hingehört“, so die Ministerin.

Die Entscheidung, das Kreuz aus dem Saal zu entfernen, sei weder eine bewusste, noch eine politische, sondern „eine organisatorische“ gewesen.

Kreuz ist zurück im Friedenssaal

Mittlerweile hat sich die Debatte um das Holzkreuz gelegt. Noch während der große Konferenztisch im Friedenssaal am Samstag abgebaut wurde, wurde das Kreuz an seinen angestammten Platz zurückgebracht.

Der Friedenssaal im münsterischen Rathaus: In der Mitte ist das Holzkreuz zu erkennen. Foto: Stadt Münster

Die Stadt hatte nach eigenen Angaben bei der Besichtigung des Friedenssaales durch das Protokoll des Auswärtigen Amtes deutlich gemacht, dass das Kreuz zum Friedenssaal gehöre. Sollte es entfernt werden, dann wäre dies erklärungsbedürftig. Das Protokoll des Auswärtigen Amtes habe gleichwohl klargemacht, dass das Kreuz nicht an dieser Stelle bleiben könne.

Wie das Auswärtige Amt mitteilte, haben im Friedenssaal „eine Reihe von Veränderungen, beispielsweise des Mobiliars stattgefunden“. Nach Angaben des Sprechers ist das bei solchen Treffen üblich: „Da muss natürlich ein anderer Tisch rein, da muss eine andere Beleuchtung rein, da wurden andere Teppiche reingelegt im Rahmen der Vorbereitung für dieses Treffen, das ja in einem sehr speziellen Format dort stattfindet. In diesem Zusammenhang ist tatsächlich auch dieses Kreuz dort entfernt worden.“

Bistum: „Maßnahme nicht nachvollziehbar“

Auch das Bistum Münster hat sich in der Debatte um das Kreuz geäußert: „Aus unserer Sicht ist diese Bitte und Maßnahme nicht nachvollziehbar. Sie bringt leider ein verkürztes Verständnis von Toleranz zum Ausdruck.“ Das Kreuz stehe für Toleranz, Friedfertigkeit und Mitmenschlichkeit sowie die Überwindung von Gewalt und Tod – und damit „genau für die Zielsetzungen, die die Außenminister mit ihrem Zusammenkommen in Münster anstreben“, so das Bistum in der Mitteilung.

Das Kreuz stammt aus dem Jahr 1540 und ist damit in etwa so alt wie die hölzerne Schrankwand, vor der es steht. Vor diesem Ratskreuz wurden – und werden bis heute – alle neuen Ratsmitglieder vereidigt, es sei denn, dass diese ausdrücklich auf den Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ verzichten.

Startseite