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Expertin Antje Vetterlein

Warum das G7-Außenministertreffen kein überflüssiges Event ist

Münster

Das Treffen der G7-Außenminister im November in Münster ist ein weltpolitisches Großereignis. Expertin Antje Vetterlein erläutert vorab, wieso sie die G7-Treffen für wichtig hält und welche Bedeutung der Termin in Münster hat. 

Annalena Baerbock (5.v.l.) hatte zum ersten Treffen der EU-Außenminister in diesem Jahr nach Weißenhaus nahe der Ostsee geladen. Das zweite Treffen soll in Münster stattfinden. Foto: IMAGO/Janine Schmitz/photothek.de
  • Die Außenminister der „Gruppe der sieben“ (G7) treffen sich im November in Münster.
  • Angesichts der krisengeprägten Weltlage hat das Treffen eine hohe Bedeutung.
  • Gastgeberin des Treffens ist die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne).

„Mit großer Macht kommt große Verantwortung.“ Mal wird Hollywood-Ikone Spiderman dieses ­Zitat zugeschrieben, mal dem ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon. Es ist aktueller denn je und beschreibt den Druck, unter dem die G7-Außenminister stehen, wenn sie sich am 3. und 4. November in Münster treffen.

Machen G7-Treffen in der heutigen Zeit überhaupt Sinn?  

Für Antje Vetterlein, Professorin für Global Governance an der Westfälischen Wilhelms-Universität Müns­ter, haben informelle Vereinigungen wie die G7 eine große Berechtigung – und sind keine überflüssigen Mega-Events: „Länder, die mehr Kapazitäten haben als andere, müssen mehr Verantwortung für die globalen Herausforderungen in der Welt übernehmen“, übersetzt sie das Zitat in die ­krisengeprägte Weltlage. Die G7 hat die Chance, wenn sie sich dieser Verantwortung stellt, die globale Agenda zu gestalten.

Die Gruppe ist, anders als formale internationale Organisationen wie UN, WTO, Weltbank oder NATO, „nur“ ein informelles Netzwerk, das zudem inzwischen von der G20, die neben der G7 weitere Industrie- und Schwellenländer repräsentiert, in seiner Bedeutung überlagert wird. „Doch trotz berechtigter Kritik bezüglich mangelnder Transparenz, Legitimität oder Effektivität wäre die G7 in der ­Lage, ein Vorbild zu sein, wie politische Kooperation jenseits von reinen Machtinteressen aussehen kann, die notwendig ist, um transnationale Probleme zu bewältigen.“

Wie funktioniert die G7?

„Gestartet 1973 als informelles Treffen der Finanzminister und Zentralbankchefs von 5 Staaten in der Bibliothek des Weißen Hauses, beschäftigt sie sich heute mit einer Bandbreite von Themen, die weit über Währungs- und Finanzpolitik hinausgehen“, so Vetterlein. Die Treffen zwischen den führenden Politikern sind nur die sichtbare Seite. „Sherpas – Chefunterhändler einer Regierung – reisen um die Welt, um die informellen Netzwerke hinter den Kulissen auszubauen und die Treffen vorab vorzubereiten.“

Wie die gleichnamigen Träger und Bergführer im Himalaya tragen sie große Verantwortung – auch wenn andere im Mittelpunkt der Mission stehen. Derzeit ist Jörg Kukies Sherpa von Olaf Scholz. ­ Ministerialbeamte bereiten zudem auf der Arbeits­ebene die Einigung vor. Sie formen den Entscheidungsprozess, doch die am Ende stehenden Treffen der Amtsinhaber sind trotzdem mehr als das Abnicken längst bekannter Deklarationen. „Die Treffen sind ­sozialer Kitt im Gebäude der internationalen Gemeinschaft“, so Antje Vetterlein.

Was plant Annalena Baerbock für das G7-Treffen in Münster?

Das ­G7-Außenministertreffen in Müns­ter trägt den Stempel der grünen Außenministerin Annalena Baerbock, weil Deutschland gerade die G7-Präsidentschaft inne­hat: Während bislang nur die Gipfel regelrecht inszeniert wurden, möchte die Grünen-Politikerin im Sinne einer werteorientierten Außenpolitik auch die bisher eher blassen Außen­ministertreffen umgestalten. Nach einem ersten Treffen der G7-Außenminister an der Ostsee soll es nun Münster mit dem symbolträchtigen Friedenssaal sein. Warum?: „Der West­fälische Frieden von 1648 begründete den Präzedenzfall des Friedens durch di­plomatische Verhandlungen und ein politisches Ordnungssystem in Europa, das auf dem Konzept koexistierender souveräner Staaten basiert“, so Vetterlein.

Weitere Informationen rund um das politische Großereignis finden Sie außerdem auf unserer Special-Seite zum Treffen der G7-Außenminister in Münster 2022.

Wird das G7-Außen­ministertreffen zum Krisentreffen?

Die extreme Krisenlage der Weltpolitik prägt das Treffen. Auch wenn sich die deutsche G7-Präsidentschaft umfassende Ziele gesetzt hat – alles wird überlagert vom russischen Angriff auf die Ukraine und von damit einher­gehenden Themen wie ­Sicherheit und Energie. Die Taktzahl internationaler Treffen erhöht sich, je stärker die Eskalation Russlands voranschreitet.

Dass Vertreter neuer, teils pro­blematischer Regierungen der G7, Großbritannien und Italien, für Sand im Getriebe sorgen, glaubt Vetterlein nicht. „Sie wissen, was auf dem Spiel steht, werden die Rolle einnehmen, die man von ihnen kennt: die des verlässlichen Partners.“ Viel spricht dafür, dass hinter verschlossenen Türen Platz ist, darüber zu debattieren, wie Szenarien eines Kriegsendes in der Ukraine aus­sehen könnten. Nach außen wird es vor allem um eins gehen: ein Signal der Geschlossenheit und der Stärke aus Münster in die Welt.

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