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G7-Treffen

Über den ungewöhnlichen Ablauf eines Hintergrundgesprächs

Münster

Am Abend vor dem G7-Treffen lädt das Auswärtige Amt zu einem sogenannten Hintergrundgespräch ein. Solche Gespräche sind für Journalisten Alltag, sonst aber eher ungewöhnlich. Geheimnisvolle Stichwörter machen die Runde. Wir waren dabei.

Das Hintergrundgespräch am Vorabend zum G7-Treffen fand per Videokonferenz statt. (Symbolfoto) Foto: colourbox.de

Wenn jemand, der in der Regel bestenfalls eine Einladung für die nächste Sitzung des Westfalenparlaments in seinem Postfach findet, an einem virtuellen Hintergrundgespräch mit der Politischen Direktorin des Auswärtigen Amts teilnehmen darf, dann lässt er alles stehen und liegen, um einer sichtbar geschlauchten Referentin zu lauschen, die erst vor wenigen Minuten aus dem Flieger aus Kasachstan gestiegen ist und offenbar die Aufgabe zugeschustert bekommen hat, uns Journalisten das Gefühl zu geben, noch einmal persönlich über die Tagesordnung informiert werden zu müssen – auch wenn wir die schon vor zwei Tagen schriftlich bekommen haben.

Das Gespräch findet „unter 3“ statt. Das bedeutet, dass nichts über den Inhalt veröffentlicht werden darf – also auch nicht in diesem Text. Es dient vor allem dazu, Journalistinnen und Journalisten die Gelegenheit zu geben sich zu informieren, ohne dass ihre Gesprächspartner und -partnerinnen Sorgen haben müssen, am nächsten Tag etwas in der Zeitung oder im Internet zu lesen, das zu diplomatischen Verwicklungen führen könnte, oder das am nächsten Tag erst ihre Chefin sagen wird.

Holpriger Start

Der Vorteil solcher Gespräche ist, dass wir die Chance bekommen, Einblicke zu bekommen, die wir sonst nicht hätten. Das hilft zum Beispiel, einen Bericht oder einen Kommentar zu schreiben, weil wir ein paar mehr Informationen haben, die uns helfen, eine eigene Meinung zu bilden oder einen Anpack für die Themen zu finden, die wir in den nächsten Stunden veröffentlichen wollen.

Der Start ist holprig. Eine Journalistin teilt – wahrscheinlich aus Versehen - den Bildschirm und verhindert so den Blick auf die Hauptperson. Auch mehrere Bitten, die Teilung zu beenden, verschwinden in den Tiefen des Internets. Ein anderer Kollege schaltet -- warum auch immer - sein Mikro an, sodass eine Rückkopplung die Referentin sichtbar nervt.

Auch beim Auswärtigen Amt läuft nicht alles rund

Der Westfalen-Reporter wundert sich also über seine Kolleginnen und Kollegen, während die Politische Direktorin des Auswärtigen Amts über die „Beileids“ berichtet. Im ersten Moment fragt man sich, über wen denn da gerade getrauert wird, bis die Redakteurin (die, die den Bildschirm versehentlich geteilt hat) erklärt, dass es um „Bilats“, also bilaterale Gespräche geht, über die da vorn auf dem Monitor berichtet wird.

So verrinnen die 45 geplanten Minuten für das „Briefing“. Ein Kollege im roten Badminton-Trainingsanzug fragt nach der zukünftigen Rolle Japans, der andere, der drei Anläufe braucht, bis er sein Mikro ans Laufen bekommt, nutzt die letzte Chance, nach der Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz nach China zu fragen und eine Kollegin sitzt auf einem Hotelbett (Fun-Fact: Das Atlantic-Hotel schmückt seine Zimmer offenbar mit diversen Fahrradsymbolen oder gleich ganzen Fahrrädern, die über dem Kopfende des Bettes hängen) und fragt nach dem Aufwand, der nötig ist, um die Ukraine wieder aufzubauen.

Das Ergebnis: Beruhigend, dass auch in Pressekonferenzen des Auswärtigen Amts nicht alles rund läuft. Da sind Menschen am Werk. Ein Glück.

Alle grundlegenden Informationen zum G7-Treffen in Münster finden Sie auf unserer Special-Seite. Und unter folgendem Link steht das gesamte WN-Angebot vier Wochen kostenfrei zur Verfügung: wn.de/digitalbasis

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