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Hundehalter werden Bürgerwissenschaftler

Gassigehen mit der App „WAU“

Münster

Hundebesitzer können ihre Vierbeiner jetzt noch besser verstehen lernen. Eine von münsterischen Wissenschaftlern entwickelte Smartphone-App hilft dabei. Am Samstag konnten sich Herr, Frau und Hund davon auf dem Schlossplatz ein Bild machen.

Von Timo Gemmeke

Waren maßgeblich am Projekt beteiligt: Wolfram Rittmeyer (Software-Entwickler), Dr. Alexandra Mutwill (Koordinatorin), Sophie Rüthers (Studierende FH), Sarah Köster (Studierende FH) und Johanna M. Soaures Caupers Schroers (Studierende FH Münster). Foto: tig

Es ist gängiger Glaube unter Hundebesitzern: Der eigene Vierbeiner ist nicht irgendein Haustier, sondern der beste Freund, ein loyaler Kumpel mit Fell und Pfoten. Einer der mitfühlt und mitleidet – und die Stimmung von Herrchen und Frauchen quasi erschnüffeln kann. Aber andersherum: Wie gut versteht der Mensch den Hund? Genau das untersuchen aktuell Forscher der WWU und der FH Münster. Am Samstag waren Hundehalter mit ihren Vierbeinern auf den Schlossplatz zum Test der App eingeladen. Fritte ist beim Termin etwas durch den Wind. Er bellt, springt an fremden Beinen hoch, schnuppert hier und da, jault im Wettstreit mit dem Schlossgeläut. „Hunde-ADHS“, nennt Herrchen Tobias Schmidt das, was seinen zweijährigen Beagle heute so aufgekratzt herumtreibt. Paulchen hat dagegen die Ruhe weg, er schaut sich alles lieber von der Ferne an. Er ist ja schließlich schon sieben Jahre alt, und da kann Hund es auch mal entspannter angehen lassen.

Die Körpersprache verstehen

„Ich denke schon, dass ich meine Hunde sehr gut verstehe“, sagt Tobias Schmidt. Er habe quasi sein ganzes Leben lang Hunde um sich gehabt, genau wie sein Lebensgefährte Dirk. Schwanzwedeln oder Winseln – an dieser Körpersprache ließe sich schon viel über Gemüt und Stimmung des Tieres aussagen, meinen die Schmidts. Dass aber schon die Wahl des linken oder rechten Hinterbeins beim Verrichten der Notdurft über einen guten Hunde-Tag bestimmen – das war bisher wohl Paulchens und Frittes Geheimnis.

Wie Emotionen und Verhalten von Hunden zusammenhängen, untersucht derzeit das Institut der Neuro- und Verhaltensbiologie an der WWU. Das Projekt „Lateralität, Emotionen und Persönlichkeit beim Hund“ hat den WWU-Citizen-Science Wettbewerb 2019 gewonnen.

Bild von der Gefühlswelt von Hunden

„Wir wollen an objektive Informationen darüber gelangen, was in einem Tier vorgeht“, erklärt Projektkoordinatorin Dr. Alexandra Mutwill. Sie forscht seit 2012 im Bereich der Verhaltensbiologie und zeichnet auch verantwortlich für die neue Studie. Um ein umfangreiches Bild von der Gefühlswelt von Hunden zu bekommen, setzen sie und ihr Team nicht auf bewährte Methoden wie Laborexperimente an einzelnen Tieren – sondern wollen Hund und Halter quasi selbst zu Forschern machen. Gelingen soll dies mit der Smartphone-App „Wau“, die Mutwill mit anderen Professoren der WWU und der FH Münster entwickelt hat. Unterstützt wurden sie von Studierenden der Bereiche Design und Illustration sowie dem Softwarenentwickler Wolfram Rittmeyer vom Unternehmen „OpenMinds“.

Die App „WAU“ ist ab dem 20. Dezember kostenlos im App- und Playstore verfügbar.

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