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„Lager Rennbahn“

Stele soll an Kriegsgefangene erinnern

Münster

Während des Ersten Weltkrieges waren in Münster Zehntausende Kriegsgefangene interniert – unter anderem auf dem Gelände an der damaligen Rennbahn, heute „Alte Reitbahn“ in Berg Fidel. Dort soll demnächst eine Info-Stele an das Schicksal der Männer erinnern.

Das Foto aus dem Stadtarchiv zeigt die Ankunft neuer Kriegsgefangener im Lager II (Rennbahn) während des Ersten Weltkriegs. Foto: Stadt Münster/Stadtarchiv

Eine Stele soll künftig an das ehemalige Kriegsgefangenenlager an der Alten Reitbahn in Berg Fidel erinnern. Die Bezirksvertretung Münster-Hiltrup hat einstimmig einen gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, Grünen, FDP und „Die Linke“ beschlossen.

Die Bezirksvertretung stellt 6000 Euro für die Informationsstele zur Verfügung, die auf die Situation der Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkriegs in Text und Bildern aufmerksam machen und mit einem QR-Code auf das digitale Informationsangebot des Stadtarchivs verweisen soll. Der genaue Standort soll bei einem Ortstermin von Verwaltung und Bezirksvertretern festgelegt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Im Oktober 1914 zogen die ersten Kriegsgefangenen ein

Der Straßenname Alte Reitbahn verweist auf die 1898 angelegte Rennbahn des Westfälischen Reitvereins, die sich in dieser Gegend befand. Die Heeresleitung mietete das Gelände an der „Hiltruper Chaussee“ ab 16. September 1914, um ein neues Kriegsgefangenenlager anzulegen, im Oktober 1914 zogen die ersten 2000 Gefangenen aus dem Lager Haus Spital ins Lager Rennbahn um.

Insgesamt waren von 1914 bis 1918 etwa 90.000 Kriegsgefangene aus Frankreich, England, Russland, Belgien, Italien, Portugal und Serbien in drei Lagern mit den Bezeichnungen Lager I (Haus Spital), Lager II (Rennbahn) und Lager III (Kaserne Grevener Straße) untergebracht. In den neu errichteten Baracken des größten Lagers in Hiltrup war Platz für rund 10.000 Kriegsgefangene.

Mängel bei Versorgung und Hygiene

Mängel gab es bei der Versorgung und bei den hygienischen Verhältnissen. Vor allem russische Gefangene starben an Unterernährung und ansteckenden Krankheiten. Die Toten wurden nicht an der Rennbahn, sondern auf dem Friedhof Haus Spital beerdigt.

Die Kriegsgefangenen mussten in Arbeitskommandos in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, sie wurden zum Beispiel zum Koksschaufeln, für Erdarbeiten und in der Landwirtschaft eingesetzt. 300 Kriegsgefangene aus dem Lager Rennbahn bauten mit an einer 37 Kilometer langen Gasfernleitung zur Kokerei Radbod bei Hamm, die die Energieversorgung der wachsenden Stadt Münster sicherstellen sollte.

Rücktransport begann im November 1918

„Im Stadtarchiv gibt es Dokumente und Fotos zu Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg, Namenslisten oder Informationen zum Schicksal einzelner Insassen fehlen“, sagt die stellvertretende Archivleiterin Anja Gussek. Aus dem Stadtbild sind Zeugnisse aus der Zeit, als in Münster das größte Kriegsgefangenenlager Nordwestdeutschlands war, weitgehend verschwunden.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs begann am 20. November 1918 der Rücktransport der Kriegsgefangenen in ihre Heimatländer. Das Lager Rennbahn war am 4. Januar 1919 vollständig geräumt. Danach wurde es bis 1920 als „Heimkehrer-Lager“ für deutsche Soldaten genutzt. Ein Brand zerstörte das Lager am 7. November 1920.

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