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Mode- und Alltagsdrogen

Gefährlicher Trend bei Aufputschmitteln

Münster

Drei Tage lang durchfeiern, tanzen, Spaß haben bis zum Umfallen, und sogar der Hunger kann künstlich für einen Zeitraum ausgeknipst werden: Was „Ecstasy“ noch in den 90er-Jahren vorrangig den Techno-Fans möglich machte, findet heute seine Fortsetzung in Job und Ausbildung mit anderen Pillen und Substanzen.

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WN-Redakteur Stefan Werding (l.) und Dr. Matthias Schubring von der Alexianer-Suchtklinik in Hörstel nahmen das Thema „Mode- und Alltagsdrogen“ in den Blick. Foto: Alexianer

Mal schnell aufputschen für eine wichtige Abi-Klausur, eine mündliche Prüfung in der Uni oder eine lukrative Präsentation als Investment-Banker: „Für jeden Anlass gibt es heute die richtige Pille, und der Griff danach erfolgt immer häufiger“, weiß Dr. Matthias Schubring. Als Leitender Arzt der Alexianer-Suchtklinik in Hörstel beschäftigt er sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Sucht und Drogenkonsum. Beim jüngsten „Alex Talk“ nahm er nun verstärkt die Mode- und Alltagsdrogen in den Blick. Für den Suchtexperten steht fest: „In der wachsenden Einnahme von Modedrogen spiegelt sich auch unser Zeitgeist wider.“

Immer zu 100 Prozent funktionieren, Job und Freizeit maximal mit Aktivitäten füllen und an allem partizipieren, laute heute vielfach die Devise. Doch das könne der Körper eben nur begrenzt, dann kämen schnell die sogenannten „Uppers“ ins Spiel. Unter diesen Oberbegriff fielen Substanzen, die zur Steigerung der kognitiven und körperlichen Leistung führen. Darunter gehöre immer mehr auch das Experimentieren mit Medikamenten, die ursprünglich etwa für Patienten mit Demenzerkrankungen, Depressionen und AD(H)S entwickelt wurden, zum Beispiel der Klassiker Methylphenidat.

Wie hoch der Druck manchmal sei, zeige auch eine Studie der Mainzer Uniklinik aus 2012: Danach sei sogar jeder fünfte Student bereit, seine Leistung durch Drogen, Medikamente oder andere Mittel zu steigern. Gerade im Dienstleister-Land Deutschland werde halt in vielen Jobs mit einer guten Hirnleistung das Geld verdient, das steigere den Wunsch nach „Optimierung“, so Schubring.

Diazepan, Metoprolol, Cannabis oder Modafinil kämen dann nach dem Hochpuschen wieder zum „Runterfahren“ zum Einsatz. Doch ob nur gelegentlich oder auch dauerhaft eingenommen, warnte der Experte klar vor den Nebenwirkungen: „Der Körper leidet! Leber, Herz und Haut werden geschädigt, und einige Substanzen sind zudem sehr schwer zu entgiften.“

Um junge Menschen aufzuklären, gehe der von ihm mitbegründete Verein „eve&rave Münster“ auch vermehrt auf Schüler und Studenten zu. „Doch jede Aktion zur Prävention will sehr genau auf die Zielgruppe abgestimmt sein, denn die Gradwanderung zwischen Neugier wecken und Aufklärung ist oft schmal“, weiß Schubring.

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