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Demo von Maria 2.0

Gegen Hinterzimmer-Politik

Münster

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten am Samstag der Demonstration von Maria 2.0. Gefordert wurde, Strukturen aufzubrechen, die Kirche in allen Bereichen zu demokratisieren und die bisherige „Hinterzimmer-Politik“ zu beenden.

Von Timo Gemmeke

Rund 200 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich am Samstag bei der Demonstration von Maria 2.0 . Ziel müsse sein, die Kirche in allen Bereichen zu demokratisieren, so die Forderung. Foto: Timo Gemmeke

Die Initiative Maria 2.0 und die kfd Münster haben am Samstag gemeinsam für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche demonstriert. Ihre Kritik richtet sich gegen Machtstrukturen, Ungleichbehandlung und „Hinterzimmer-Politik“.

Die Frau auf dem Transparent schaut mit einer Mischung aus Resignation und Wut über den Prinzipalmarkt. Ihre Mimik ist ernst, über dem Mund klebt ein Pflaster. Schaut man länger hin, findet sich im Blick der Frau aber noch etwas anderes: Entschlossenheit, ein starker Wille, ein nach außen getragenes „So geht das-nicht weiter“. Und das Pflaster auf den Mund scheint sich langsam zu lösen.

Das Transparent, das Maria, die Mutter Jesu, zeigen soll, steht sinnbildlich für die Forderungen der Frauen, die es bemalt haben und jetzt auf dem Prinzipalmarkt in die Luft halten. Auf dem Plakat daneben prangt die wohl kürzeste, für die Demonstrierenden aber wohl wichtigste Predigt der katholischen Kirche in Deutschland: „Gleichberechtigung. Amen.“

Keine Würde für alle

Unter diesem Motto hatten die Bewegung Maria 2.0, der kfd-Diözensanverband Münster und die Bewegung „#OutInChurch“ zur Demonstration eingeladen. Gekommen sind etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, überwiegend sind es Frauen. „Es ist wichtig, dass wir uns und unser Anliegen wieder mehr in der Öffentlichkeit tragen“, erklärt Andrea Temming von der kfd. Die Pandemie habe Demonstrationen und andere öffentlichkeitswirksame Aktionen, wie jetzt etwa mit Unterstützung der münsterischen Trommelband Bandidas, erschwert. An Aktualität hätten die Ziele der Bewegung aber nichts verloren – ganz im Gegenteil.

„In der katholischen Kirche gibt es bis heute keine gleichen Rechte und damit auch keine Würde für alle“, sagt Ulrike Böhmer auf der Bühne unweit der Lambertikirche ins Mikro. Die Kabarettistin, Theologin und Bildungsreferentin setzt sich für die geschlechtliche Gleichstellung im Priesteramt ein und hat zum Thema ein Buch mitverfasst. Auch wenn die vergangenen zwei Jahre Aktionen wie diese erschwerten, sei es wichtiger denn je, „darüber zu reden, wie wir Glauben leben wollen“.

In Anbetracht der Skandale, in die die katholische Kirche verwoben sei und von denen der jahrzehntelange Missbrauch von Kindern und Jugendlichen nur der medienwirksamste, aber längst nicht der einzige sei, offenbare sich der „Niedergang der Kirche von damals“. Es sei gut, dass diese Zeiten vorbei seien, und sich zeige, wie sich „die Kirche und vor allem das Priesteramt verändern müssen“.

Ein kaputtes System

Auf der Bühne steht auch Lukas Färber, Mitglied im Synodalen Weg und Diözesanleiter der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) im Bistum Münster und aktiv bei „#OutInChurch“. Für ihn ist das aktuelle System Kirche nicht reformierbar. „Wir brauchen eine grundlegende Veränderung, eine Revolution. Es ist nicht sinnvoll, Strukturen in einem kaputten System zu erneuern, während das System an sich kaputt bleibt.“ Ziel müsse es sein, Strukturen aufzubrechen, die Kirche in allen Bereichen zu demokratisieren und die bisherige „Hinterzimmer-Politik“ zu beenden.

Dem stimmt auch Bernd Mönkebucher, Priester und Initiator von „#OutInChurch“ zu. „Es sind keine Privilegien oder besondere Ansprüche, für die wir kämpfen, sondern ganz grundlegende Dinge. Ohne Diskriminierung und mit Gleichberechtigung zu leben ist keine hochtrabende Forderung – sondern ganz einfach ein Menschenrecht.“

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