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Neuer Ratsantrag des Ratsbündnisses

Gemeinwohl gehört in die Unternehmensbilanz

Münster

Jeder hat eine Ahnung davon, wie eine Unternehmensbilanz auszusehen hat. Das Ratsbündnis aus Grünen, SPD und Volt stellte am Montag einen Ratsantrag vor, der die Bilanzierung ausweitet – und zwar um den Bereich Gemeinwohl.

Von Klaus Baumeister

Anne Herbermann (Grüne) arbeitete federführend am Gemeinwohl-Antrag.   Foto: Foto: GAL

Die Überschrift des Antrags, der in der Ratssitzung am Mittwoch eingebracht werden soll, klingt äußerst anspruchsvoll: „Startschuss für eine soziale und ökologische Wirtschaft in Münster“. In der Unterzeile wird dann gesagt, worum es geht: „Unternehmen im Stadtkonzern Münster gemeinwohl-bilanzieren“.

Die Unternehmen, um die es geht, sind die Stadtwerke Münster, der städtische Parkhausbetreiber WBI sowie die städtische Wirtschaftsförderung. Sie sollen sich nach dem Willen des Ratsbündnisses aus Grünen, SPD und Volt für das Geschäftsjahr 2022 durch „zertifizierte Berater und Auditoren im Sinne der Gemeinwohlökonomie bilanzieren lassen und so zu einer Bewertung zu gelangen, die eine reine ökonomische HGB-Bilanzierung (Handelsgesetzbuch) um soziale und ökologische Kriterien ergänzt.“ Andere Unternehmen sollen später folgen.

„Die wahren Preise kommen auf den Tisch“

Der Antrag wurde am Montag von den Kommunalpolitikerinnen Anne Herbermann (Grüne), Sandra Beer (SPD) und Carina Beckmann (Volt) vorgestellt. Laut Herbermann stellt der Ratsantrag einen Einstieg in eine Wirtschaft dar, in der die „wahren Preise“ auf den Tisch kämen. Bislang nämlich könnten Unternehmen die Kosten verschleiern, die die Allgemeinheit zu tragen habe. Auch bei der CO2-Bepreisung beginne der Staat damit, die mit der Umweltbelastung verbundenen Kosten mit Preisschildern zu versehe. Sandra Beer erhofft sich „neue Denkanstöße“ durch die Umstellung, Carina Beckmann verspricht sich mehr Transparenz. „Die ethische Ausrichtung von Unternehmen wird sichtbar.“

Sanktionen müssen die drei städtischen Unternehmen für den Fall unzureichender Ergebnisse nicht befürchten. Wohl aber hofft das Bündnis auf Handlungsdruck – und vor allem auf Nachahmereffekte bei den Firmen, mit denen die drei Gesellschaften Geschäftsbeziehungen unterhalten. Langfristig setzt Anne Herbermann darauf, dass bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt Unternehmen zum Zuge kommen, die ebenfalls ihre Gemeinwohlorientierung überprüfen lassen und dokumentieren.

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