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Tierbestände kartieren und Pestizide erfassen

Gewässerökologen untersuchen Zustand der Aa

Münster

Der Zustand der münsterischen Aa ist schon seit Jahren schlecht. Fische sind in dem Gewässer nur noch selten anzutreffen. Jetzt untersuchen Forscher der Uni Münster den Fluss.

wn

Student Michel Harre (l.) und Wissenschaftler Patrick Günner fischen mit einem Elektro-Kescher in der Aa.   Foto: WWU/Peter Leßmann

Groppe, Steinbeißer oder Bachforelle sind nur noch selten anzutreffende Fischarten in der Münsterschen Aa. Der Zustand des 43 Kilometer langen Flusses ist schon seit vielen Jahren schlecht und durch Begradigung, Landentwässerung, Stauhaltungen, Landwirtschaft sowie Abwassereinträge geprägt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) untersuchen im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts den hydrochemischen und biologischen Gewässerzustand der Aa.

Die Experten für Gewässerökologie sind in den letzten Jahren dutzende Male an zahlreiche Standorte in dem 172 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet der Aa gefahren, um Daten zu erheben, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Dabei kartieren sie Fischbestände und Makrozoobenthos – dazu gehören kleine tierische Organismen wie etwa Krebse oder Muscheln.

Fische unter Strom

Um Vielfalt, Altersstruktur und Anzahl der Fische zu bestimmen, führen die Wissenschaftler eine Elektro-Befischung durch, die die untere Naturschutzbehörde jeweils genehmigt. Dabei leitet ein Elektrofanggerät einen Impulsstrom von bis zu sechs Ampere durch das Wasser. Fische, die sich im Stromfeld befinden, schwimmen zur Anode und werden mit einem Kescher eingesammelt, bestimmt und vermessen. „Es handelt sich um eine sehr schonende Art des Fischfangs. Die Fische werden nur wenige Sekunden narkotisiert und schwimmen nach der Untersuchung weiter“, erklärt Projektmitarbeiter Patrick Günner vom Institut für Landschaftsökologie.

„Heute haben wir auf einer Strecke von 400 Metern mehr als 500 Fische gefangen – darunter typische Arten für norddeutsche Tieflandbäche, zu der auch die Aa gehört, wie etwa Rotauge und Hasel. Wir haben aber auch Bitterlinge und Groppen gefunden. Diese Arten sind eher selten für die Aa und stehen unter Naturschutz“, ergänzt Kommilitonin Sam Lucy Behle.

Stickstoff und Phosphor belasten das Wasser

Mit dem Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Jahr 2000 wurde ein rechtlicher Rahmen für die Wasserpolitik geschaffen. Für die Aa als bedeutet das, dass bis zum Jahr 2027 das „gute ökologische Potenzial“ erreicht werden muss. Dieses Ziel ist nach Einschätzung der Wissenschaftler in den kommenden sieben Jahren nur sehr schwer – wenn nicht unmöglich – zu erreichen. Stoffliche Einträge, etwa Stickstoff und Phosphor, belasten regelmäßig die Gewässer im Einzugsgebiet der Aa.

„Bei der Maßnahmenplanung berücksichtigen wir das sogenannte Strahlwirkungs- und Trittstein-Konzept“, sagt Carsten Bohn von der Arbeitsgemeinschaft Wasser- und Bodenverbände Westfalen-Lippe und Praxispartner im Projekt: „naturnahe Teilbereiche und strukturelle Elemente eines Gewässers welche das Überleben von Tier- und Pflanzenarten sichern.“ Wie sich diese Maßnahmen auf Fischpopulationen, Wasserqualität und Hochwasserschutz auswirken, können die Experten jedoch erst in einigen Jahren beantworten.

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