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Industrieflächen in Münster neu gestaltet

Graffiti-Sprayer verschönert graue Mauern – ganz legal

Münster

Der münsterische Designer hat – ganz legal – graue Mauern am Industrieweg verschönert. Der Sprayer bearbeitete im Auftrag der Westfalen AG Mauern und ein Trafohäuschen.

Martin Kalitschke

Der Graffiti-Sprüher und Designer Bennet Grüttner vor seinem Werk: Der 28-Jährige hat unter anderem ein Trafo-Häuschen (rechts) gestaltet. 500 Dosen leerte er dafür. Foto: kal

Graffiti-Sprayer? Hui, da fällt einem gleich das Wörtchen „illegal“ ein. „Na ja“, sagt Bennet Grüttner, „ich war natürlich früher im Untergrund, das gehört doch dazu.“ Und ja, er sei auch mal erwischt und anschließend zur Kasse gebeten worden. „Aber das ist schon ein paar Jahre her.“

Inzwischen ist er 28 und hat vor wenigen Tagen seinen Master am Fachbereich Design der Fachhochschule Münster gemacht. Die neuen Visitenkarten sind bereits gedruckt – samt Künstlername. Denn wenn ein Sprayer die Sprühdose in die Hand nimmt, dann ändert sich sein Name. Bennet wird dann zu Auckz.

„Heute“, versichert er, „arbeite ich nur noch legal. Man wird ja älter.“ Und will beruflich vorankommen. Kürzlich zum Beispiel hat er im Auftrag der Westfalen AG am Industrieweg deren Trafohäuschen und ein paar Mauern verschönert, nachdem er zuvor bereits für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen im Rahmen einer Imagekampagne eine nur wenige Meter entfernte Mauer besprüht hatte. „Es ging natürlich darum, dass sich unser Unternehmen präsentiert“, sagt Westfalen-Sprecher Stefan Jung. „Aber wir wollten auch, dass schmucklose Mauern danach ansprechender aussehen.“

Mit dem Ergebnis kann sich nicht nur das münsterische Unternehmen, sondern auch Bennet Grüttner – der sich zusammen mit Björn Schulz an die Arbeit machte – anfreunden. Sicher, das Thema sei vorgegeben gewesen – aber seine künstlerische Freiheit habe man ihm nicht genommen. „Privat würde ich nicht unbedingt Tankstellen malen“, sagt der 28-Jährige in Anspielung auf eines der Motive. „Aber ich bin zufrieden.“

Neben Szenen, die die Geschäftsbereiche der Westfalen AG zeigen, hat er eine lange Mauer mit heiteren Gasflaschen gestaltet – 100 000 Originalflaschen lagern direkt dahinter. Und gegenüber, auf einer Mauer der Deutschen Bahn, hat er mit deren Genehmigung die chemischen Prozesse, die in den Hallen der Westfalen AG ablaufen, visualisiert.

Ein bis zwei Mal pro Jahr hat er so große Aufträge, sagt Grüttner. Die Westfalen-Flächen sind sicher keine schlechte Werbung für ihn. Nach dem Master will er aber nun erstmal Urlaub machen – und dann als freier Designer arbeiten.

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