Debatte über Parkplatz-Not
Gratis-Busse keine Lösung
Münster
Die Stadtwerke haben sich in die Diskussion über die Parkplatz-Not am Wochenende eingeschaltet. Gratis-Busse seien jedenfalls keine Lösung, betont das Unternehmen.
Das Problem ist schnell beschrieben: Zwischen 11 und 15 Uhr gibt es samstags in Münsters City einen eklatanten Parkplatz-Mangel. Ein neues Parkhaus zur Abdeckung dieser Spitze wäre aber wirtschaftlich nicht tragbar, so jedenfalls die Auskunft des städtischen Parkhausbetreibers WBI, da – über die Woche verteilt – das Angebot ausreicht.
Der Münsteraner Patrick Werner erneuert vor diesem Hintergrund eine Anregung, über die bereits vor zehn Jahren diskutiert wurde: Wenn die Münsteraner samstags mit dem Bus in die Stadt fahren, dann bleiben Stellplätze frei für Besucher aus Coesfeld, Bocholt, Osnabrück oder Gütersloh.
Zehn bis 20 Prozent der Münsteraner, die bislang mit dem Auto vorfahren, müssten auf den Bus umsteigen, „dann wäre vermutlich die stundenweise Überlastung samstags behoben“.
Werners Vorschlag: „Samstags dürfen Münsteraner die Stadtwerke-Busse gratis nutzen“. Hört sich gut an, stößt bei den Stadtwerken aber auf Skepsis.
In der Vergangenheit habe es immer mal wieder entsprechende Vorstöße gewesen, so der Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann, die aber allesamt eine finanzielle Beteiligung des Unternehmens zur Folge gehabt hätten. Bei der Etablierung einer Dauerlösung „ginge so etwas nicht“, stellt er klar.
Zum Hintergrund: Die Stadtwerke haben sich gegenüber der Stadt verpflichtet, das Defizit im Busverkehr bei jährlich zwölf Millionen Euro zu deckeln. Die Verluste müssen durch Gewinne aus dem Energiegeschäft ausgeglichen werden. Ab 2020, so Müller-Tengelmann zur Entwicklung in der Energiebranche, „ist dies nur noch sehr schwer möglich“.
Reinhard Schulte, Chef der Nahverkehrssparte bei den Stadtwerken, geht ins Detail: An normalen Werktagen benutzen rund 115 000 Menschen den Bus, an Samstagen rund 60 00. Von der Kapazität her wäre es seiner Meinung nach durchaus machbar, diesen Wert auf 90 000 zu erhöhen. Solche Zahlen werden an den Adventssamstagen erreicht.
Gleichwohl stellt sich laut Schulte und Müller-Tengelmann eine Grundsatzfrage: Sollen die Stadtwerke Münster auf die Einnahmen von 60 000 zahlenden Kunden verzichten, um weitere 30 000 Kunden zu locken, die nichts zahlen?
Will sagen: Gratis-Angebote halten die Stadtwerke in einer Zeit, in der der Busverkehr verstärkt wirtschaftlich ausgerichtet werden soll, für kontraproduktiv.
Als Alternative schlägt Reinhard Schulte einen Ausbau des „Park-and-Ride“-Verkehrs vor. Viel verspricht er sich von dem aktuell im Bau befindlichen, neuen Parkhaus am Coesfelder Kreuz. Es sei vom Autobahnkreuz Münster-Nord sehr leicht erreichbar und biete überdies eine hervorragende Busanbindung. „Da lässt sich was machen.“
