1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Neuanfang nach Großbrand in Kfz-Werkstatt Kulturblechschmiede

  6. >

Spendenkampagne für Kfz-Werkstatt

Nach Großbrand: Neuanfang statt Kapitulation

Münster

Der Brand in der Kfz-Werkstatt „Kultblechschmiede“ hat Betreiber Michael Lodde an den Rand der Kapitulation gebracht. Doch mittlerweile richtet der Schrauber seinen Blick nach vorne: Er will sein „Lebenswerk“ neu aufbauen. Dabei helfen soll auch eine Spendenkampagne.

Von Simon Beckmann

Die Kfz-Werkstatt "Kultblechschmiede" am Buldernweg wurde bei einem Brand Ende Mai vollkommen zerstört. Foto: Simon Beckmann

Auch fast drei Wochen nach dem Großbrand in der Kfz-Werkstatt „Kultblechschmiede“ am Buldernweg (wir berichteten) ringt Betreiber Michael Lodde immer wieder mit den Tränen, wenn er die Überreste der völlig zerstörten Halle sieht, die bis Ende Mai noch eines war: Sein Lebenstraum. Zu schmerzhaft ist für den 54-Jährigen das Bild von dem, was vom Feuer übrig geblieben ist.

„Für Michael ist das eine ganz heftige Nummer“, sagt seine Lebensgefährtin Jennifer Waltermann und ergänzt: „Er ist Schrauber durch und durch – und das schon seit Kindheitstagen“ Dass sein Lebenswerk binnen weniger Stunden in Flammen aufgegangen sei, habe ihn hart getroffen. Hinzu kämen die vielen seltenen Ersatzteile, das Spezialwerkzeug, Unterlagen, eigene und Fahrzeuge der Kunden sowie andere Technik, die nicht mehr zu retten seien. „Es ist alles weg. Ein kompletter Hard-Reset“, bemerkt Waltermann. „Was nicht durch das Feuer zerstört wurde, hat dann eben durch das Löschwasser und den Schaum den Rest bekommen.“

Albtraum statt Rennspektakel

Was war passiert? Für Waltermann und Lodde sollte der 28. Mai eigentlich ein schöner Tag am Nürburgring werden. Währenddessen war die „Kultblechschmiede“ zwar geschlossen, doch Bekannte des Schraubers durften die Halle nutzen, um ihre eigenen Fahrzeuge zu reparieren. „Das hat Michael immer schon erlaubt“, erklärt seine Lebensgefährtin. Bei Schweißarbeiten an einem Auto hätte sich dann Schaumstoff entzündet. Aus einem Funken entwickelte sich schnell ein Großbrand. Die Polizei sieht nach eigenen Angaben die Schweißarbeiten als Ursache für das Feuer. Die Beamten hätten deswegen eine Anzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen einen „Werkstatt-Mitarbeiter“ gestellt.

Was bleibt, ist nach Loddes ersten Schätzungen ein Sachschaden von mindestens 250 000 Euro. „Die dreistündige Autofahrt vom Nürburgring zurück war eine Qual“, sagt der Schrauber, der in den Tagen nach dem Brand haderte, wie und ob es weitergehen soll.

„Es gab Momente, in denen Michael kapitulieren wollte“, erzählt Waltermann. „Doch letzten Endes hat die Leidenschaft gesiegt.“ Und doch wird der Neuanfang für die vierköpfige Familie kein leichtes Unterfangen. „Wir waren zwar versichert, aber leider nicht hoch genug“, so Lodde. „Ich bin ein Typ, der abends durch die Bude rennt und alle Stecker zieht. Mit so einem Super-Gau habe ich nicht gerechnet.“ Zumal er die laufenden Kosten möglichst gering halten wollte.

Spendenkampagne gestartet

Für den Wiederaufbau hat seine Lebensgefährtin nun eine Spendenkampagne auf der Plattform „gofundme“ ins Leben gerufen. Das Ziel: 30 .000 Euro. „Michael ist durch und durch eine Schrauber-Seele der alten Schule und ein hilfsbereiter Mensch, der diese Klatsche einfach nicht verdient hat“, sagt Waltermann. Sie bittet um Unterstützung für die „Kultblechschmiede 2.0“. „Er will weitermachen. Wo und in welchem Rahmen wissen wir aber noch nicht“, entgegnet sie in Richtung der Kunden.

Was dagegen schon feststeht: Alles, was gebrannt hat, muss abgerissen werden. Ob der Wohntrakt – eine Brandschutzwand hielt den Flammen Stand, Löschwasser und Rauch machten die Wohnung aber trotzdem unbewohnbar – noch saniert werden kann, ist noch nicht geklärt. Die Familie ist zumindest froh, ein gutes Verhältnis zu dem Vermieter zu haben.

Familie ist auf Wohnungssuche

Nichtsdestotrotz wohnen Lodde und Waltermann aktuell im eigenen Wohnmobil. Für die beiden Kinder wurden Übergangslösungen gefunden. Dennoch sei die Familie auf Wohnungssuche. „Das gestaltet sich aber leider als sehr schwierig“, bemerkt die 50-Jährige, die hofft, schnell eine Lösung für die nächsten zwölf Monate zu finden.

Kontakt per E-Mail: jewaltermann@­mail.de

Startseite
ANZEIGE