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Auftakt zur neuen Cactus-Produktion „Soap Tortuga“

Große Gefühle schlagen hohe Wellen

Münster

Die vierte Soap-Produktion von „Cactus Junges Theater“ wäre auf der Pumpenhaus-Bühne ein Riesending geworden. Corona kam dazwischen. Das Ensemble machte aus der Not eine Tugend – und aus „Soap Tortuga“ einen dreiteiligen Theaterfilm.

Von Lukas Speckmann

So geht Kreuzfahrt-Soap: Eliza Adams und Jeanette Lang (Linda Geisbe, l., und Tabea Stockbrügger) lassen sich von Schiffskoch Jason Harrison (Leonard Raffel) mit dem Nötigsten versorgen. Foto: Ralf Emmerich

Die „MS Tortuga“ ist groß. Die „Soap Tortuga“ ist größer. 2000 Passagiere passen auf das imaginäre Adria-Traumschiff – aber das ist nichts im Vergleich zur realen Besatzung, die das Junge Theater Cactus an Bord seines mittlerweile vierten Soap-Projekts schickt. Ein 15-köpfiges Ensemble, ein vierköpfiges Regieteam, drei Autorinnen und noch mal 15 Leute in der Technik, im Büro und hinter den Kulissen – das ist selbst für Cactus-Maßstäbe ein echter Kracher.

Ein Link eröffnet die Premiere

Freitagabend war Premiere. Wenn man es so nennen will. Die Aufführung besteht darin, dass sich das Publikum auf der Pumpenhaus-Seite den Link zum Youtube-Videostream besorgt und sich mit „Fun Cruiser“ die erste von drei „Soap Tortuga“-Folgen am Bildschirm reinzieht. Der Link ist noch bis Sonntagabend zu haben. Nächste Woche gibt es Folge zwei („Foxtrott Foxtrott“), die Woche drauf folgt Folge drei („Fairwelldinner“), dann ist Schluss. Vielleicht kommt gegen Ende des Jahres alles zusammen ins Kino.

Es würde sich lohnen. Denn „Soap Tortuga“ ist nicht nur ambitioniert und witzig, sondern auch handwerklich gut gemacht. Die Filmfassung der Bühnenfassung eines Fernsehformats – das klingt nach doppeltem Rittberger, gelingt aber mit einem formaterfahrenen Ensemble und professioneller Technik. Nicht zuletzt der „Director of Photography“ Sersch Hinkelmann hat als Filmer, Kameramann, Cutter und Leiter der Postproduktion ganze Arbeit geleistet.

Alle haben was miteinander. Irgendwie.

Handlung? Eher nicht. Ein Kreuzfahrtschiff fährt auf hohe See: An Bord sind wenig Crew und Passagiere, ferner die Angst vor Corona sowie das schlechte Umweltgewissen, weil Kreuzfahrten doch böse sind. „Tortuga“ ist Soap, es kommt also auf das Mit- und Gegeneinander der zahlreichen Figuren an, die alle irgendwie was miteinander haben.

Da gibt es die unerwiderte Liebe, die ungewollte Schwangerschaft, den ungelösten Familienkonflikt, künstlerische Rivalität und wirtschaftliche Abhängigkeit. Die Pilotfolge braucht mehr als zwei Stunden für die launige Exposition, serviert aber beim „Captain’s Dinner“ einen dramatisch-musikalischen Höhepunkt – und außerdem zum Schluss einen veritablen Cliffhanger.

„La Mer“ – so schön wie nie!

Niemand muss dem hellwachen Ensemble sagen, wie Soap funktioniert. Nicht der überspannten Kreuzfahrt-Leiterin (Annika Möller), nicht dem soften Smutje (Leonard Raffel), der gediegenen Kapitänin (Paula Brocke) oder der aufgedrehten Influencerin (Klea Mago), die mit ihrem Selfie-Stick der Geschichte den Rahmen gibt. Der Gast-Star ist besonders gut: „Ross Cleveland“ (Nils Eric Müller) singt „La Mer“ fast schöner als Charles Trenet.

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