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Ausstellung an der Mathilde-Anneke-Schule

Großes Thema „Queerness“

Münster

Studierende der Universität forschten in einem Seminar am Fachbereich Geschichte zur queeren Geschichte Münsters“. Die Ausstellung, die daraus entstand, ist jetzt bei Schulen in der Stadt stark nachgefragt. Als erstes zeigt sie die Mathilde-Anneke-Schule.

Die Jugendlichen der Mathilde-Anneke-Schule werben für Toleranz – und führen Klassen durch die Ausstellung „Queer in Münster“, die in einem Uni-Seminar entstand. Foto: Karin Völker

„Du dumme Lesbe!“ Du schwule Sau!“ Solche Beschimpfungen werden auf vielen Schulhöfen ausgesprochen – auch auf dem der Mathilde-Anneke-Gesamtschule. Schulleiterin Birgit Wenninghoff macht keinen Hehl daraus.

Aber an ihrer Schule, die das Label „Schule der Vielfalt“ trägt, sollen alle, die Zeugen solcher Schmähungen werden, die Beleidigungen nicht unkommentiert lassen: „An unserer Schule soll und darf jede und jeder so sein, wie sie oder er will“. Dieser Satz ist am Montagmorgen in der Mathilde-Anneke-Schule häufiger zu hören, als dort die Ausstellung „Queer in Münster“ eröffnet wird. Die Ausstellung, entstanden in einem Geschichtsseminar an der Universität, war schon im LWL-Museum und an anderen Stellen in der Stadt zu sehen.

Großes Interesse von Schulen

Nun ist die Mathilde-Anneke-Schule die erste Schule, die die Aufarbeitung der queeren Geschichte in Münster seit der bundesweit ersten Homosexuellen-Demo im Jahr 1972 zeigt. „Das Interesse in den Schulen ist riesengroß“, sagt Claudia Kemper, Dozentin am Fachbereich Geschichte, die die Ausstellung mit den Studierenden erarbeitet hat.

Die knapp 20 Jugendlichen, die an diesem Morgen bei der Eröffnung dabei sind, bestätigen das. Sie haben sich von den Studierenden ausbilden lassen und lotsen nun die interessierten Klassen entlang der Stellwände, erklären und stoßen Diskussionen an. Zum Beispiel Paula, die sich für Geschichte interessiert und ebenso wie ihre Mitschülerin Lilly will, „dass alle an der Schule sagen können, was sie sind und wie sie sein wollen“. „Keiner soll sich hier blöde Sprüche anhören“, betont Yussuf. Nele hat schon erlebt, wie jemand auf dem Schulhof als „Schwuchtel“ beschimpft wurde. „Ich habe nachgefragt, was damit eigentlich gesagt werden soll“, erklärt die Schülerin. Ergebnis: „Das wusste keiner.“

Die Ausstellung

Laut Sylvia Tegtmeier, im Lehrerkollegium Beauftragte für Demokratie und Diversität, sei Queerness bei Jugendlichen ein sehr präsentes Thema. Auch sie habe es erlebt, dass eine Schülerin darum bat, künftig mit einem Jungennamen angesprochen zu werden. „Die Klasse hat darauf sehr positiv und unterstützend reagiert“, erzählt sie.

Schulleiterin Birgit Wenninghoff

Schulleiterin Birgit Wenninghoff ist es wichtig, dass sich alle mit dem Thema sexuelle Orientierung und Geschlechteridentität auseinandersetzen. „Für gelebte Toleranz sollen sich alle einsetzen“, sagt Wenninghoff, „auch ich als Hetero-Frau will nicht in einer Gesellschaft leben, in der queere Menschen diffamiert werden“, betonte sie. Gleich nach der Ausstellungseröffnung strömen die Neuntklässler in den Raum, die als erste die Besichtigung „gebucht“ haben. Tegtmeier: „Alle Klassen ab der Mittelstufe haben sich dafür freiwillig entschieden.“

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