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Prinzenball

Guildo Horns verschwitzte Schlagerrevue

Münster

Da half am Ende keine Nussecke mehr: Der Meister hatte bereits beim zweiten Schlager „17 Jahr – blondes Haar“ kreisrunde Schweißflecken unter den Armen auf seinem grünen Kurzarmhemd. „Ich weiß ja, was ihr sehen wollt“, rief Guildo Horn den 450 Gästen des eleganten Prinzenballs der Prinzengarde im Mövenpick-Hotel zu – und schon war das Sakko ausgezogen. Um später – nachdem er den Samba-Hit „Du bist so heiß wie ein Vulkan“ gesungen hatte – zu bekennen: „Ganz schön warm bei euch!“

Ralf Repöhler

„Ich find‘ Schlager toll!“: Guildo Horn stürmte die Bühne und gab zur Freude von Prinz Thorsten und Partnerin Johanna Schulz (vorne, l.) sofort Vollgas. Foto: Oliver Werner

Das hatte natürlich mit dem energiegeladenen, einstündigen Auftritt des Schlagerbarden kurz vor Mitternacht zu tun. Das Planungsteam um Hofmarschall Robert Erpenstein hatte sich für den unkonventionellen Stargast auf der Bühne des Europasaals entschieden, auf dem schon Musikgrößen wie Howard Carpendale, der zweimalige Eurovisions-Gewinner Johnny Logan oder die charmante Ireen Sheer standen.

„Piep, piep, piep – Guildo hat euch lieb“: Horn, in graukarierter Wollhose und blauem Goldknopfsakko, gab nicht nur bei seinem größten Hit, mit dem er im Jahr 1998 den siebten Platz beim Eurovision Song Contest in Birmingham belegt hatte, alles. Bei seiner verschwitzten Schlagerrevue („Ich find‘ Schlager toll“ war das Eröffnungslied) interpretierte er auf seine ureigene Art deutsche Evergreens wie „Griechischer Wein“, „Moskau“ und „Tränen lügen nicht“.

An seiner Seite spielten die ebenso energiegeladenen „Orthopädischen Strümpfe“ (Motto „Strumpf ist Trumpf“). Nach anfänglich vornehmer Zurückhaltung stimmten die gut gelaunten Prinzenball-Gäste lauthals mit ein. „Ihr seid das beste Publikum, das wir je hatten“, gab sich der „letzte Romantiker Deutschlands“ charmant. Woran auch seine Textzeile „So horny tonight“ nichts änderte.

Das Dreigestirn in Reihe zwei

Ja, im verrückten Rheinland mag das ja anders sein. In Münster aber kommt das Dreigestirn erst hinter dem Prinzen. Gleich drei Adjutanten – Andreas Koch, Christian Lange und Frank Hoffmann, den Oberbürgermeister Markus Lewe kurzerhand zur Jungfrau machte – halten Thorsten II. den Rücken frei. Daher wird ihm der Sturm aufs Rathaus am Sonntag vor Rosenmontag (23. Februar) gelingen, ist Brendel zuversichtlich. Zumal ihn die Prinzengarde unterstützt. „Als Koten wollte ich immer der Typ mit der großen Mütze sein. Ich lebe gerade meinen Lebenstraum“, sagte Prinz Thorsten.

Die 450 Gäste – die Damen in atemberaubenden Abendkleidern und die Herren in eleganten Smokings – folgten nur allzu gerne dem von Generalprinzmarschall Paul Middendorf vorgebenen Motto der langen Ballnacht:  „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ (Charlie Chaplin). (von Ralf Repöhler)

Bemerkenswert: Mit Handglocken klingelte Horn Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“. Keine Frage, dass sich der „Meister“ am Ende seinen Bademantel auf der Bühne verdient hatte. Der war zwar gestreift und nicht so blütenweiß-elegant wie bei Udo Jürgens seinerzeit, aber das ist ja auch genau der Unterschied.

Prinz Thorsten II. (Brendel) jedenfalls war begeistert von Horn. „Zwischen uns ist vorhin irgendwas entstanden, aber da hast du noch nicht so geschwitzt.“ Er überreichte dem Schlagersänger die so geliebten Nussecken. Denn Liebe geht bekanntlich durch den Magen.

Drei Fragen an Guildo Horn

Mit den „Orthopädischen Strümpfen“  im Gepäck eroberte Guildo Horn (fast) alle Narrenherzen. Vor seinem Auftritt hatte er Zeit für drei Fragen.

Hallo Guildo, willkommen in Münster. Kennst Du eigentlich die Stadt?

Horn: Natürlich, ich war früher oft als Musiker im Jovel, als der Club noch an der alten Brauerei war. Leider hat man kaum Zeit, die Stadt kennenzulernen.

Ist ein Auftritt vor Narren Neuland für Dich?

Horn: Na ja, ich wohne ja in der Nähe von Köln. Man ist deshalb sowieso jeck, und ich habe schon einige Auftritte im rheinischen Karneval hinter mir.

Deine Botschaft heute beim Prinzenball?

Horn: Die Leute wollen sich heute richtig gut amüsieren, und an mir soll es nicht scheitern.

(Das Interview führte Helmut Etzkorn)

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