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Urteil im Nagelstudio-Prozess

Haftstrafen für alle drei Angeklagten

Münster

Im Nagelstudio-Prozess wurden am Mittwoch die ersten Urteile gesprochen: Die drei Angeklagten müssen für unterschiedlich lange Zeiträume in Haft. Sie sollen unter anderem hohe Sozialversicherungsschäden verursacht haben. 

Renée Trippler

Im September hat vor dem Landgericht Münster der Prozess um eine Nagelstudio-Bande begonnen. Am 16. Dezember wurden in dem Verfahren gegen noch drei Angeklagte das Urteil gesprochen. Foto: Pjer Biederstädt

Nach geschlagenen 33 Verhandlungstagen ist in dem sogenannten Nagelstudio-Prozess vor dem münsterischen Landgericht am Mittwoch das Urteil verkündet worden. Der 48-Jährige als „Strippenzieher“ geltende Hauptangeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt, sein 55-jähriger Bruder zu zwei Jahren und neun Monaten. Beide hatten Mitarbeiter in ihren Nagelstudios schwarz beschäftigt. Eine 38-jährige Nichte des Hauptangeklagten wurde wegen Beihilfe zu zwei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Die von den anfänglich sechs noch drei verbliebenen Angeklagten mit vietnamesischer Herkunft hatten über Jahre hinweg mehrere Nagelstudios in Münster und darüber hinaus betrieben. Die Angestellten wurden dabei „nur auf Wunsch und mit einem deutlich geringeren Lohn angemeldet“, wie der Vorsitzende ausführte. Der 48-Jährige hatte nach Auffassung des Gerichts über seinen älteren Bruder erfahren, dass man in der Branche auf unehrliche Weise „gutes Geld verdienen“ konnte und sich daraufhin auch damit selbstständig gemacht.

38-Jährige hat Beihilfe geleistet

Beide haben durch Sozialversicherungsbetrug in 45 beziehungsweise 114 Fällen Schäden in Höhe von jeweils fast 400 000 Euro verursacht. Die Nichte des 48-Jährigen war erheblich daran beteiligt – auch wenn sie selbst nicht als Geschäftsführerin agierte. Sie hatte geholfen, die beiden Studios an der Windthorststraße und am Aegidiimarkt aufzubauen und über das Internet angeworbene vietnamesische Arbeitskräfte anzulernen.

Zugunsten aller Angeklagten berücksichtigte die Kammer die bereits seit über einem Jahr andauernde Untersuchungshaft, die beiden Männer hatten sich zudem umfassend eingelassen. Strafmildernd wirke sich für den 55-Jährigen aus, dass er im Gegensatz zu seinen Verwandten nicht vorbestraft war. Allen dreien attestierte der Vorsitzende mit Blick auf den langen Tatzeitraum aber auch eine erhebliche kriminelle Energie. Die Kammer ordnete nach der Verkündung des Urteils für alle Angeklagten Haftfortdauer an.

Der Vorsitzende Richter signalisierte abschließend, dass bezüglich der abgetrennten Verfahren wegen Steuerhinterziehung eine Einstellung in Betracht käme.

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