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Frauenstraße 24: Bewohnertreffen

Haus mit besonderer Geschichte

Münster

Das Haus in der Frauenstraße 24 ist alles andere, als ein Gebäude mit einer gewöhnlichen Geschichte. Jetzt trafen sich ehemalige Bewohner und ließen diese wieder aufleben.

Von Wolfram Linke

Der damalige Mitbewohner Bernd Uppena (l.), von 1977 bis ´81 Haussprecher, stellte zum Kauf der Frauenstraße 24 vor 40 Jahren eine Ausstellung zusammen. Foto: Wolfram Linke

Manche mussten erst zweimal hinschauen, um sich wiederzuerkennen – aber dann war die Freude umso größer: Zahlreiche Ex-Bewohner, Sympathisanten und Interessierte kamen am Sonntagnachmittag in das legendäre Haus mit der Nummer 24 in der Frauenstraße. Vor 40 Jahren wurde das von Studierenden bewohnte Gebäude – nach einem zehn Jahre währenden Kampf – von der Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen GmbH (LEG NRW) gekauft und anschließend umfangreich renoviert.

Der damalige Mitbewohner Bernd Uppena, von 1977 bis ´81 Haussprecher, stellte zum 40-jährigen eine Ausstellung mit 30 Dokumenten und 120 Bildern zusammen, die er den zahlreichen Gästen im Rahmen einer Vernissage präsentierte. So bebildert ließ er die Vergangenheit Revue passieren – aus heutiger Sicht eine dermaßen kuriose Geschichte, dass es auch ein Fall für Detektiv Wilsberg sein könnte: Bereits 1971 erwarb ein münsterscher Makler von der Stadt eine Abbruchgenehmigung für das Haus, in dem damals 21 Studenten lebten. Wie heute auch war der Wohnraum für Studierende extrem knapp, die Asta-Wartelisten ellenlang. Der Makler trachtete danach, aus billigem Studentenwohnraum ein teures Apartmenthaus zu machen.

In den Rosenmontagszug geschmuggelt

Der Redakteur Hermann-Josef Küpper griff das Thema auf und veröffentlichte es. Was folgte, war größte Empörung allerseits. Und der „Häuserkampf“ nahm Fahrt auf. „Auch die Kirche“, so Uppena, „kämpfte für die Studenten.“ Bischof Tenhumberg schrieb einen Brief an Oberbürgermeister Pierchalla, bat eindringlich um den Erhalt des Hauses, bot sogar 100 000 DM aus der Kirchenkasse zur Renovierung an. Es folgten zahlreiche Aktionen, Demonstrationen, Festnahmen und schließlich der Versuch des Maklers, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit dem Abbruch des dazugehörigen Gartenhauses eine Verlängerung der Abbruchgenehmigung zu erwirken. Die Studenten zogen alle Register – neben Infoständen am Markt und auf dem Flohmarkt „schmuggelten“ sie sich im März 1981 auch als Fußgruppe in den Rosenmontagszug, und verteilten Flugblätter. Schließlich brachten die Betroffenen eine Petition im Landtag NRW ein, und der damalige Minister für Landes- und Stadtentwicklung, Christoph Zöpel, machte einen Deckel drauf und erwirkte den Kauf durch die LEG. Weil die Wohnungsnot heute immer noch so groß ist wie damals, gehen die Altvorderen wieder auf die Straße: Am 8. Oktober ist um 15 Uhr auf dem Prinzipalmarkt eine Aktion gegen Mietenwucher geplant.

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