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TV-Kritik zu „Der Bachelor"

Herr Wankelmut fährt Gefühlsachterbahn

Münster

Der Bachelor bricht Michèle aus Münster das Herz – schon wieder! Mimi ist die Auserwählte. Bis der ewig Unentschlossene zu dieser Entscheidung kommt, wird gelitten – vor allem von den Zuschauern. Eine TV-Kritik.

Pjer Biederstädt

Eine Überdosis Weichspüler reizt Michèles Tränendrüsen. Foto: TVNOW

„Der hat keine Träne mehr verdient“, schluchzt Michèle und wischt sich eine Träne weg. Endlich zeigt die Münsteranerin echte Emotionen. Hatte sich der Bachelor doch gewünscht. Allerdings sollte „Eisblock“-Michèle eigentlich vor Liebe dahinschmelzen und nicht vor Wut. Tja, selber Schuld.

Denn bevor sich der Clown, dem die Frauen vertrauen, im Finale kurioso für Mimi entscheidet, wird er zum doppelten Herzensbrecher. Finalistin Stephie bekommt statt Gold oder Silber eine verbale Teilnehmer-Urkunde. Der Bachelor fühlt sich natürlich „miserabel“, findet die Sache aber „eigentlich nur fair“. Sieht die Abservierte anders, Tränenkanal RTL hält voll drauf.

Kerzen, Kuschelfelle und Phrasen

Spätestens jetzt ist klar, warum die impulsive Linda schon früher hatte gehen müssen. Hätte der Bachelor die Nummer mit ihr abgezogen, wäre die letzte Rose wohl für immer in der Vase geblieben.

Um Michèle zurück in die Sendung zu holen, braucht es nicht viel. Erstens: Einen Jahresvorrat Kerzen, ganz kuschelige Kuschelfelle und vier beleuchtete Riesenbuchstaben (kein Scherz: LOVE). Zweitens: Einen inneren Mark Forster, der Phrasen aus „wohlfühlen“, „einfach schön“ und „angekommen sein“ richtig deep verschwurbelt. Drittens: Irgendwas von Bon Iver zur Untermalung.

Geschafft! Jetzt muss der Weichspüler nur noch ganz tief in sein Herzchen hineinhören und entscheiden, wer die letzte Rose bekommt. Doch mit der Orientierung im Eindimensionalen hat Herr Wankelmut ja bekanntlich so seine Probleme.

Mimi ist des Bachelors „Zuhause“

Da helfen auch die ewig langen Rückschau-Filmchen nicht weiter. Für den Zuschauer hält RTL einen tollen Service bereit. Um die innere Zerrissenheit des Gezwickmühlten auch vor der Mattscheibe nachempfinden zu können, wird jede noch so banale Gefühlsregung pathetisch bis in den 11. Monat der Bedeutungsschwangerschaft aufgebläht.

Wer jetzt noch wach ist, erfährt, dass Mimi des Bachelors „Lieblingsgedanke“ und sein „Zuhause“ ist. Wer auch das noch unbeschadet übersteht, sieht wie Michèles Gefühlsachterbahn direkt vorm Gruselkabinett hält.

Endstation! Endstation? Eine große deutsche Tageszeitung mit vier Buchstaben (nicht LOVE) will erfahren haben, dass der Bachelor und Michèle nach Drehschluss doch ein Paar geworden sind. Was dran ist, weiß nur Amor.

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