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WN-Spendenaktion: Ghana

Hilfe für zupackende Frauen in Gushegu

Münster

Außer Landwirtschaft gibt es im Norden Ghanas nicht viel. Und gerade die muss in Zeiten großer Trockenheit nachhaltig betrieben werden. Das Farming-Projekts der Ghana-Partner aus Münster und Gushegu setzt genau darauf.

Von Lukas Speckmann

Es sind oft Frauen, die in Ghana die Verantwortung für ihre Familien übernehmen und tatkräftig anpacken – deshalb werden die Farming-Mikrokredite an Frauen vergeben. Diese Frauen gehören zur „Christian Mothers Association“ in der Gemeinde „Christ the King“. Foto: Ghana-Team

Eine Gemeindepartnerschaft ist keine Einbahnstraße. Als Liebfrauen-Überwasser in Münster und „Christ the King“ in Gushegu vor zehn Jahren Kontakt aufnahmen, wurden gegenseitige Besuche vereinbart. Eine Delegation aus Ghana kam nach Münster und besichtigte hier auch einen Bauernhof. Carola Möllemann-Appelhoff begleitete die Gruppe: „Alle waren sehr fasziniert“, berichtet sie. Die Ställe, der Maschinenpark, die üppigen Felder – all das übertrifft die Möglichkeiten der ghanaischen Landwirtschaft bei Weitem. Der größte Unterschied: Wasser.

In Deutschland ist es seit 2018 zu trocken. Aber was ist das schon im Vergleich zu Ghana, wo es immer mehr Trockenzeit und immer weniger Regenzeit gibt? Das hat in einer Gegend, deren Wirtschaft völlig von der Landwirtschaft abhängt, üble Folgen. Zum Beispiel die, dass ausländische Lebensmittel als Hilfsgüter so billig importiert werden, dass die örtlichen Bauern gleich einpacken können. Und dass dann traditionelle Pflanzen und Anbaumethoden in Vergessenheit geraten, die mit der Wasserknappheit noch ganz gut klarkommen.

Heimische Produkte für den heimischen Markt

Carola Möllemann-Appelhoff vom münsterischen Ghana-Team hat deshalb ein klares Ziel vor Augen: „Die Bevölkerung muss auf dem heimischen Markt heimische Produkte kaufen können.“ Und genau darum geht es beim „Farming“-Projekt, um das sich die Gievenbeckerin kümmert: Frauen aus Gushegu, die von „Christ the King“ ihrer Bedürftigkeit wegen vorgeschlagen werden, erhalten 35 Euro Startkapital. Von diesem Mikrokredit können sie ein Stück Land pachten und darauf anbauen, was in Ghana üblich ist: Yams, Hirse, Soja, Erdnüsse. Damit können sie die eigene Familie ernähren und Überschüsse auf dem Markt verkaufen. Noch besser: Wenn alles gut läuft, sollen sie Saatgut abgeben, damit noch mehr Frauen profitieren.

Frauen tragen die Verantwortung

90 Frauen werden derzeit vom Ghana-Team aus Münster unterstützt. Warum Frauen? Carola Möllemann-Appelhoff mag Geschlechter­klischees gar nicht, wie sie sagt. Doch sie kennt sich mit Eine-Welt-Projekten aus: „Gerade in ärmeren Familien übernehmen oft Frauen die Verantwortung.“ Frauen gelten deshalb bei Geldgebern als zuverlässiger. Immerhin: Es sei absehbar, dass sich in Zukunft auch mehr gut ausgebildete junge Männer, für die es in Handel und Handwerk kaum Jobs gibt, in der Landwirtschaft engagieren. Darauf setzt Carola Möllemann-Appelhoff große Hoffnung: „Nachhaltige Landwirtschaftspolitik könnte der Weg aus der Krise sein. Die Fehler der Europäer und Amerikaner muss dort niemand mehr machen . . .“

Landwirtschaft im Norden Ghanas: Maria Buchwitz vom Ghana-Team der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser und Father Keeke von der Gemeinde "Christ the King" stehen auf einem typischen Acker. Foto: Ghana-Team

Das Farming-Projekt begann 2015. „Wir sind sehr optimistisch“, sagt Carola Möllemann-Appelhoff, „denn wir haben es mit Partnern vor Ort zu tun, die uns dieses Projekt empfohlen haben.“ In den Gottesdiensten der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser wurde mit Flyern erfolgreich um Unterstützung gebeten. Die Farming-Frauen leisten seitdem einen Beitrag zur Versorgung ihrer Familien, manche erwirtschaften Überschüsse, von denen beispielsweise das Schulgeld der Kinder bezahlt wird. Nur das große Ziel: den ursprünglichen Mikrokredit an die Gemeinde „Christ the King“ zurückzuzahlen, ist bislang an der ungewöhnlichen Trockenheit gescheitert.

Jennifer Atinbil gehört zu den Frauen, die am Farming-Projekt teilnehmen. Die Mutter von drei Kindern kocht außerdem für die Missionsstation in Gushegu und bekommt dafür ein geringes Entgelt - hier besorgt sie Trockenfisch auf dem Wochenmarkt. Foto: Ghana-Team

Landwirtschaft in Ghana ist mühsame Handarbeit. Der Anblick eines mannshohen münsterischen Maisfeldes habe die Besucher aus Gushegu deshalb schwer beeindruckt, berichtet Maria Buchwitz, die Sprecherin des Ghana-Teams. Dass der Mais hierzulande nicht gegessen, sondern zu Viehfutter verarbeitet wird, habe ungläubiges Staunen ausgelöst: „Danach mochte ich nichts mehr von Biogas erzählen . . .“

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