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20 Jahre Drogenkonsumraum des Vereins „Indro“

Hilfeleistung ohne die befürchteten Nebenwirkungen

Münster

Der Konsumraum des Drogenhilfevereins „Indro“ an der Ostseite des Bahnhofs am Bremer Platz besteht seit 20 Jahren. Die Bilanz der Verantwortlichen fällt nach zwei Jahrzehnten durchaus positiv aus. Verbunden mit einer klaren Forderung an die Politik.

wn

Indro-Leiter Ralf Gerlach im Konsumraum des Vereins Foto: pd

Vor 20 Jahren, am 10. April 2001, nahm der Drogenkonsumraum des Drogenhilfevereins Indro auf Grundlage einer Rechtsverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen seinen Betrieb auf, wie es in einer Pressemitteilung des Vereins zum 20-jährigen Bestehen heißt.

Trotz mancher Bedenken, wie etwa die Befürchtung einer möglichen Sogwirkung auf nicht in der Stadt ansässige Drogenabhängige, vermehrten Drogenhandel oder Förderung und Anerkennung des Drogenkonsums, befürwortete der Rat der Stadt parteiübergreifend die Eröffnung eines Drogenkonsumraums im Drogenhilfezentrum des Indro. Es wurde eine Kooperationsvereinbarung auf kommunaler Ebene unter Einbezug der Ordnungspartnerschaften Drogen und Bahnhof getroffen.

Befürchtete Nebenwirkungen nie eingetreten

Die befürchteten Nebenwirkungen, so Indro-Leiter Ralf Gerlach, seien allerdings nie eingetreten. Zudem würde allzu oft vergessen, dass die Drogenszene am Bremer Platz bereits lange existiert hatte, bevor Indro seinen Betrieb in Szenenähe aufnahm.

Ralf Gerlach fasst die wesentlichen Ergebnisse aus 20 Jahren Konsumraumbetrieb zusammen: Es gab gut 600 lebensbedrohliche Drogennotfälle, die erfolgreich durch lebensrettende Erstversorgung gemanagt werden konnten, über 20 000 Mal wurde medizinische Hilfe geleistet, 15 000 Wundversorgungen wurden durchgeführt sowie 10 000 Safer-Use-Beratungen, darüber hinaus auch viele HIV- und Hepatitis-C-Schnelltestungen. Ferner wurden über 18 000 Vermittlungen in weiterführende soziale Hilfen, 15 000 in ärztliche Behandlung, 1500 in Entgiftungsbehandlung und 700 Vermittlungen an die Städtische Drogenhilfe registriert.

250 000 Konsumvorgänge weniger im öffentlichen Raum

Der öffentliche Raum wurde von 250 000 Konsumvorgängen entlastet sowie von fast 2,5 Millionen gebrauchten Spritzen. „Unsere Zielvorgaben haben wir damit voll erreicht“, so Gerlach. Allerdings sei der Drogenkonsumraum zu klein und zu beengt, um dem aktuellen und zukünftigen Bedarf noch gerecht werden zu können. Der Ratsbeschluss vom Dezember 2018 zur räumlichen Erweiterung der Indro-Angebote müsse daher dringend Umsetzung finden.

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