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Massenimpfung

Hunderte holen sich in Coerde ihren Piks gegen Corona

Münster-Coerde

Die erste Massenimpfung gegen Corona in Münsters Stadtgeschichte entwickelt sich schon am frühen Samstagmorgen zu einem Erfolgsmodell. Bereits um 8 Uhr reihen sich Impfwillige auf dem Hamannplatz mitten in Coerde in die immer länger werdende Menschenschlange ein. Am Ende sind es fast 600, die sich mit einem „Moderna“-Piks vor Corona schützen lassen wollen.

Helmut Etzkorn

Bereits um 8 Uhr reihten sich Impfwillige auf dem Hamannplatz in die immer länger werdende Menschenschlange ein. Foto: Helmut Etzkorn

Luis Manrique (39) stammt aus Peru und ist einer der ersten, die pünktlich um 10 Uhr an einem Infostand vor der Stadtbücherei den Aufklärungsbogen in die Hand bekommen. Scouts, unterstützt von Dolmetschern, weisen dann den Weg zu den nur wenige Meter entfernten Hausarztpraxen direkt am Platz. „Ich habe Kinder, die sollen gesund bleiben. Und im Herbst möchte ich gern zu Freunden nach Miami fliegen. Dafür brauchen wir alle mehr Freiheiten, darum bin ich heute gerne hier“, meint Manrique.

Hinter ihm wartet mit Abstand und Geduld Marcelo Castillo. Der 34-Jährige ist mit der Familie vor einigen Jahren aus Brasilien nach Coerde gezogen und fühlt sich dort sehr wohl. Aus dem Internetportal unserer Zeitung hat er von dem Impftermin erfahren. Weil er seine Eltern pflegt und Zwillinge hat, ist für ihn der Schutz vor schweren Pandemie-Folgen „ungeheuer wichtig“. Und weil „alles ohne Bürokratie und Termin funktioniert“, braucht Castillo auch nicht bei seinem Arbeitgeber um Freistellung zu bitten. „Der Samstag ist ideal für uns“, meint er.

Scouts bieten Dolmetscher-Service an

Vorsorglich hat sich Christina Geistkämper (39) einen Klappstuhl mitgebracht, um die Zeit bis zum Eintritt in die Arztpraxis besser überbrücken zu können. Hätte sie gar nicht gemusst, denn das zwölfköpfige Team des ehrenamtlichen Sonderarbeitskreises Coerde unter Leitung von Peter Griese hat an alles gedacht. Stühle stehen bereit, überall unterstützen Scouts in gelben Westen die Ratsuchenden und bieten den Dolmetscher-Service an.

„Impfen ist sehr sinnvoll, auch um meine Freunde und Nachbarn zu schützen“, meint Geistkämper. Und ist froh, direkt vor der Haustür sofort und nicht irgendwann viel später im weiter entfernten Impfzentrum am Albersloher Weg den Pandemieschutz bekommen zu können. Schon am Donnerstag hatte der Arbeitskreis auf dem Hamannplatz und in den Wohnsiedlungen Schutzmasken verteilt und auf die Aktion am Samstag hingewiesen. „Das ist der einfachste Weg und der kommt bei der Bevölkerung offenbar gut an“, so Griese. „Viele kennen sich untereinander, motivieren sich gegenseitig und kommen einfach“, sagt er.

Ein „Erfolgsmodell“ für weitere Stadtteile

Und die Stimmung in der Warteschlange ist auch am Mittag noch gut. Spontan bringt die Mitarbeiterin einer benachbarten Bäckerei Kuchen für die Helfer vorbei, derweil beruhigen die Scouts Menschen, die noch nicht dran sind. Es soll heute genügend Impfstoff geben, alle werden drankommen.

Vor Ort sind auch Krisenstabschef Wolfgang Heuer und Sozialdezernentin Cornelia Wilkens. Beide können sich vorstellen, schon bald das „Erfolgsmodell Coerde“ auch in Kinderhaus und Berg Fidel an den Start zu bringen. Zumal auch in diesen Hochinzidenzgebieten die Zahlen „erfreulich zurückgehen“.

Krisenstabschef Wolfgang Heuer

Heuer: „Ein niederschwelliges Angebot wird akzeptiert. Wer seinen Nachbarn in der Schlange sieht, geht auch eben schnell hin.“ Wenn Münsters Bevölkerung größtenteils durchgeimpft ist, kann sich Heuer eine ähnliche Aktion auch in der City für alle vorstellen, die bislang noch nicht im Impfzentrum, am Arbeitsplatz oder in Praxen geimpft geworden sind.

Weil die Inzidenzzahl sich inzwischen in Münster wieder in Richtung 50 bewegt, rechnet Heuer schon „sehr bald mit Lockerungen“. Dazu zähle wohl auch noch im Mai die Öffnung der Außengastronomie, so der Stadtrat.

Weitere Impfaktionen in Planung

Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer kann sich vorstellen, schon bald das „Erfolgsmodell Coerde“ auch in Kinderhaus-West und Berg Fidel an den Start zu bringen. Einen Termin gibt es allerdings noch nicht. Wenn Münsters Bevölkerung im Juli größtenteils durchgeimpft sei, plant Heuer eine ähnliche Aktion wie in Coerde, auch zentral in der City für alle, die dann noch nicht im Impfzentrum, am Arbeitsplatz oder in Praxen gepikst wurden. | Von Karin Völker

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