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Russland-Korrespondent Udo Lielischkies bei Adam Riese

„Ich bin in Rente – Putin ist noch da“

Münster

Adam Riese im Pumpenhaus mit einem prominenten Gast beim Festival der Demokratie. Es wurde ein vergnüglicher Abend, bei dem nicht zuletzt ein Staatschef im Mittelpunkt stand.

Von Arndt Zinkant

Foto: Zinkant

Adam Riese war zurück – nicht nur auf der Bühne, nach anderthalb Jahren coronabedingter Abstinenz. Er war auch zurück im Pumpenhaus, wo er über ein Jahrzehnt seine eigene Show moderiert hatte. An diesem Samstag war das Pumpenhaus Zentrum des „Festivals der Demokratie“, das über eine Woche lang mit Aufführungen und Workshops seinem Thema nachspüren wird: Demokratie.

Diese ist im Putin-Russland bekanntlich eine „gelenkte“, und Udo Lielischkies war der richtige Mann, darüber Auskunft zu geben, war er doch lange Jahre dort ARD-Korrespondent. Eine ebenso launige wie lehrreiche Talk-Stunde, bei der Anekdotisches, Abenteuerliches und Abgründiges sich die Waage hielten. Da passte es gut, dass Riese und sein Gast sich schon zuvor ganz gut kannten, was die Lockerheit erhöhte.

Lielischkies erinnert sich noch an jene Phase, als der „blasse Geheimdienst-Mann“ Wladimir Putin auf einmal nach der Macht griff, etwa zur Zeit des Millennium-Wechsels. „Ein Typ, den keiner auf dem Schirm hatte.“ Auch habe Putin der dort gängigen Vorstellung des bärigen russischen Machtpolitikers à la Jelzin gar nicht entsprochen. Aber, so der WDR-Fernsehmann lächelnd: „Ich bin in Rente – er ist noch da.“

Psychologisch raffinierte Ansprache der russischen Mentalität

Wie das geschehen konnte? Vor allem durch eine psychologisch raffinierte Ansprache der russischen Mentalität, die sich seit Jahrhunderten mit der Rolle des Underdogs, des belächelten Abgehängten plagt. Der Wunsch nach Anerkennung sei groß. „Jede Omma erzählt mir dort: Putin hat Russland von den Knien geholt!“ Das zweite Erfolgsgeheimnis sei wirtschaftlicher Art. Putin habe eine geschickte Steuer-Flatrate eingeführt und überdies vom seinerzeit rasant steigenden Ölpreis profitiert.

Auch die persönlichen Erlebnisse des Reporters waren spannend anzuhören: Etwa wie er eine junge Studentin und persönliche Übersetzerin geheiratet hatte. Wie dann sein Schwiegervater, obgleich Kriegsveteran, den fremden Deutschen herzlich aufnahm („die Verbrecher waren für ihn nur die Faschisten, nicht die Deutschen.“) Apropos herzlich: Am Klavier spielte Jakob Reinhard launige Lieder über russische Bären; das Publikum sang gerne mit.

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