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Vier Prozent ohne Fahrschein

„Ich hab was gegen Schwarzfahrer“

Münster

Sie schnorren sich durch Züge und Busse. Auf etwa vier Prozent schätzen Münsters Stadtwerke die Quote der Schwarzfahrer. Manchen gefällt das absolut nicht.

Günter Benning

Udo Lange in seiner Westfalenbahn hat was gegen Schwarzfahrer. In den Stadtbussen (r.) wir regelmäßig kontrolliert. Foto: bn / Stadtwerke

Manchmal erkennt Zugführer Udo Lange sie an ihrer Haltung. „Sie haben einen 20-Euro-Schein in der Hand und stehen am Ticketautomaten.“ Dann lassen sie seine Regionalbahn vorbeifahren und inspizieren, ob ein Zugbegleiter mitfährt. Wenn nicht, rutscht der 20-Euro-Schein in die Tasche – und die Schwarzfahrer steigen ohne Fahrschein ein.

Neulich in Sprakel platzte Lange der Kragen. Er riskierte zwei Minuten Verspätung, stürmte aus seiner Fahrerkabine und komplimentierte zwei „Lauschepper“ nach draußen. Nachher entschuldigte er sich per Durchsage: „Ich habe was gegen Schwarzfahrer. Schließlich muss ich hier auch hart für mein Geld arbeiten.“

Einige Fahrgäste traten nach dieser Aktion an Langes Lokfenster, um zu so viel Zivilcourage zu gratulieren.

Foto von der (nachgestellten) Kontrolle eines elektronischen Tickets. Die Dame auf dem Bild (eine Stadtwerke-Mitarbeiterin) ist hier der Fahrgast, der Kontrolleur liest das Ticket gerade aus. Foto: Stadtwerke Münster

„Den deutschen ÖPNV-Unternehmen gehen durch Schwarzfahrer jährlich im Durchschnitt rund 250 Millionen Euro an Fahrgeldeinnahmen verloren“, sagt Ra­hime Algan vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. „Hinzu kommen die Kosten für den Einsatz von Kontrollpersonal, die bei den Unternehmen insgesamt jährlich rund 100 Millionen Euro zusätzlich betragen.“

Und das trotz hoher Strafen: Seit 2015 beträgt das Erhöhte Beförderungsentgelt (EBE) 60 Euro. Bei den bis dahin geltenden 40 Euro blieb der Schrecken einigermaßen begrenzt.

Schwarzfahrer sind unterschiedlich, wie Beobachter leicht feststellen können. Da ist die seriöse Dame, die in der Bahn von Havixbeck nach Münster versucht, ein Ticket aus dem Automaten zu ziehen – bis das Ziel erreicht ist. Da sind die abgerissenen Punks, die in Rheine einsteigen. Automatisch geben sie dem Zugbegleiter zwei Pässe und eine Krankenkassenkarte, als er ihre Tickets sehen will.

„Da kommt eh nichts“, sagt er, während er Daten in sein Gerät einträgt, um jedem Schwarzfahrer ein „Strafmandat“ zu überreichen. „Viele glauben ja, Asylbewerber fahren schwarz“, sagt der Westfalenbahner, „aber die haben fast immer ordentlich ihre Karten dabei.“ Was auch damit zu tun hat, dass Flüchtlinge häufig verbilligte Fahrkarten nutzen dürfen.

Bei Münsters Stadtwerken hat sich dagegen die Lage verschärft, seitdem vor drei Jahren die strenge Eingangskontrolle beim Fahrer entfallen ist. Damit es schneller geht, können Fahrgäste teilweise durch vier Türen einsteigen. „Wir gehen von vier Prozent Schwarzfahrern aus“, sagt Pressesprecher Florian Adler. Regelmäßig touren Kontrolleure durch die Stadtbusse, um schwarze Schafe zu erwischen.

Mit ihren Prüfgeräten können sie auch feststellen, ob ein elektronisches Ticket rechtzeitig gebucht wurde.

Adler: „Einen bestimmten Typus gibt es nicht.“ Das reiche von der alten Dame, die glaube, zwei Stationen umsonst mitfahren zu können, bis zum Fernreisenden, dessen Ticket eben doch nicht im Bus gilt.

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