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Hamed Abdel-Samad kommt nach Münster

Im Fadenkreuz der Islamisten

Münster

Mit mehreren islamkritischen Büchern hat der deutsch-ägyptische Politologe Hamed Abdel-Samad den Zorn von Extremisten auf sich gezogen. 2013 wurde gar eine Fatwa, also eine Todesdrohung, gegen ihn ausgesprochen. Am Freitag stellt er sein neues Buch in Münster vor.

wn

Der Politologe Hamed Abdel-Samad ist in seiner ägyptischen Heimat heftig umstritten. Am Freitag stellt er sein neues Buch in Münster vor. Foto: dpa

Der deutsch-ägyptische Politologe Hamed Abdel-Samad stellt am morgigen Freitag sein neues Buch „Der islamische Faschismus“ in der ESG-Aula im Gespräch mit Linken-Politiker Rüdiger Sagel vor. Abdel-Samad sorgte 2013 für Schlagzeilen, als er in Kairo entführt wurde. Seine Thesen haben ihm Morddrohungen von islamischen Klerikern und eine Fatwa eingebracht. Im Fernsehen war er an der Seite des Publizisten Henrik M. Broder in der Reihe „Entweder Broder“ zu sehen. Mit Abdel-Samad sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke.

Herr Abdel-Samad, Ihr neues Buch „Der islamische Faschismus“ hat heftige Diskussion ausgelöst. Was ist Ihrer Ansicht nach am Islam faschistisch?

Abdel-Samad: Der islamische Faschismus entstand zeitgleich mit dem deutschen und dem italienischen Faschismus. Als sich 1928 die Muslimbruderschaft gründete, waren Hitler und Mussolini ihre großen Vorbilder. Die Teilung der Welt in Gut und Böse, der Glaube an die eigene Auserwähltheit, der höhere Auftrag, Feinde zu vernichten, der aggressive Antisemitismus, die Ideologie des Kampfes – all das macht den islamischen Faschismus aus, dessen Grundzüge übrigens bis auf den Ur-Islam zurückzuführen sind.

Inwiefern?

Abdel-Samad: Von Anfang an gab es im Islam Versuche, Gottes Gesetze mit Gewalt zu implementieren, wie aktuell auch bei der Isis im Irak und in Syrien. Schiiten und Christen nur deshalb zu köpfen, weil sie Schiiten und Christen sind, das ist für mich Faschismus.

Bereiten Ihnen die aktuellen Entwicklungen im Irak Sorgen?

Abdel-Samad: Ja. Wenn Menschen, die über ein mittelalterliches Weltbild verfügen, im Besitz modernster Waffen sind, dann wird es gefährlich.

Wie ist es bei dieser Gemengelage um die Zukunft des einzigen demokratischen Landes im Nahen Osten bestellt, um Israel?

Abdel-Samad: Israel ist eine kleine Insel in einem Ozean des Hasses. Wenn es sich wehrt, dann heißt es, es sei ein Aggressor. Wehrt es sich nicht, dann ist die eigene Sicherheit bedroht. Die letzte Grenze, die in Israel noch einigermaßen stabil ist, ist die Grenze zu Jordanien. Wenn es Isis gelingt, auch noch in Jordanien und Saudi-Arabien Fuß zu fassen, dann kann es für Israel extrem gefährlich werden.

Wie bewerten Sie den deutschen Islam?

Abdel-Samad: Das Zusammenleben zwischen Muslimen und anderen Deutschen funktioniert zurzeit gut. Doch das Chaos in der Welt geht nicht spurlos an uns vorbei. Die radikale islamische Ideologie fasziniert auch junge Muslime in Deutschland, einige haben mittlerweile Führungspositionen bei der Isis inne. Wenn die nach Deutschland zurückkehren, dann wird es auch hier zu einer Radikalisierung kommen, darauf können sie wetten.

2013 wurden Sie mit einer Fatwa, einer Todesdrohung, belegt. Trotzdem schreiben Sie weiter Bücher.

Abdel-Samad: Weil ich es nicht akzeptieren will, Ägypten verlassen zu haben, um dann in Deutschland zu schweigen. Viele Muslime denken wie ich, trauen sich jedoch nicht, ihre Meinung zu sagen. Aber irgendwann werden wir ganz viele sein, und Kritik am Islam wird ganz selbstverständlich – in Deutschland, aber auch in anderen Teilen der Welt.

Dennoch: Machen Ihnen die Todesdrohungen Angst?

Abdel-Samad: Gelegentlich habe ich solche Gedanken, wenn ich auf der Straße bin. Ich habe einen 360-Grad-Blick, um zu schauen, wer in der Nähe ist. Aber dann schüttele ich solche Gedanken wieder ab – und versuche, normal zu leben.

Zum Thema

Abdel-Samads Gespräch mit Rüdiger Sagel findet am Freitag (4. Juli) um 15 Uhr in der ESG, Breul 43, statt.

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