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Geschäftsbericht der Sparkasse Münsterland Ost

Immer mehr Geld auf den Konten und höhere Zinsen für Neukunden

Münster

Die Kunden der Sparkasse Münsterland Ost haben in der Corona-Pandemie viel Geld auf ihren Konten. Insgesamt ist die Krise im Geschäftsgebiet des Geldinstitus bislang handhabbar. Rücklagen werden dennoch gebildet - und für Neukunden wird es ab April teurer.

Ralf Repöhler

Die Sparkasse Münsterland Ost präsentiert ihren Geschäftsbericht für das erste Corona-Jahr 2020. Foto: Jürgen Peperhowe (Archivbild)

Die Sparkasse Münsterland Ost legt ihren Geschäftsbericht für das Corona-Jahr 2020 vor, der von einem gewachsenen Kundengeschäftsvolumen und einem erneut gesunkenen Zinsüberschuss geprägt ist. Die wichtigsten Zahlen des größten regionalen Geldinstituts: Die Bilanzsumme stieg im vergangenen Geschäftsjahr um 1,6 Milliarden Euro auf rund 11,4 Milliarden Euro (+ 16,8 Prozent). Das Kundengeschäftsvolumen wuchs auf 17,9 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss sank angesichts der anhaltenden Null- und Negativzinsphase um 10,7 Millionen Euro und verzeichnete einen Rückgang von 6,4 Prozent auf 157,6 Millionen Euro. Das teilte Vorstandsvorsitzender Markus Schabel mit.

Die Sparkasse vermied mit Einsparungen im Kostenbereich von 4,6 Millionen Euro ein noch stärker rückläufiges Ergebnis und erreichte ein Betriebsergebnis von 91,3 Millionen Euro, was 0,85 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme entspricht. Unter dem Strich erzielte die Sparkasse einen Jahresüberschuss von 15 Millionen Euro (Vorjahr: 17,1 Millionen Euro).

Rücklagen für den Ernstfall

Die Kundeneinlagen stiegen um rund 700 Millionen Euro auf 8,2 Milliarden Euro (+ 9,5 Prozent). Für das Geldinstitut ist das inzwischen ein deutlicher Kostenfaktor. Kredite werden nicht in gleicher Höhe nachgefragt und die Freibeträge für Einlagen bei der EZB sind ausgeschöpft. Die Folge: Auch für die Sparkasse werden Verwahrentgelte fällig. Sie gibt die Negativzinsen an vor allem Neukunden weiter.

Die Corona-Krise und der monatelange Lockdown haben bislang nicht zu Wertberichtigungen bei der Sparkasse Münsterland Ost geführt. Gleichwohl bildet sie Rücklagen für den Ernstfall. Die Sparkasse vergab bis Anfang des Jahres 2021 Corona-Förderkredite in einer Gesamthöhe von mehr als 80 Millionen Euro.

Neukunden zahlen höhere Zinsen

Die Corona-Krise schlägt sich bei vielen Münsteranern bislang nicht so negativ auf den Konten nieder. Das wird aus der Geschäftsbilanz 2020 des größten Geldinstitutes der Region, der Sparkasse Münsterland Ost, deutlich. In der Jahresbilanz mit einer Bilanzsumme von 11,4 Milliarden Euro, die der Vorstand um den Vorsitzenden Markus Schabel präsentierte, stieg der Bestand an Kundeneinlagen um 700 Millionen Euro auf 8,2 Milliarden Euro, was ein Plus von 9,5 Prozent ausmacht.

Die Freude darüber hält sich in Grenzen – aus zwei Gründen. „Für unsere Kundinnen und Kunden sind mit diesen zinslosen Einlagen allein schon inflationsbedingt Vermögensverluste programmiert. Und auch für die Sparkasse sind diese Gelder angesichts der von der EZB veranschlagten Negativzinsen längst keine Einnahmequelle mehr, sondern ein Kostenfaktor“, sagt Vorstandsmitglied Peter Scholz.

Kredite würden nicht in gleicher Höhe nachgefragt und die Freibeträge für Einlagen bei der EZB seien ausgeschöpft, sodass auch für die Sparkasse Verwahrentgelte fällig würden. „Wir machen mit jedem Euro Verlust“, verdeutlicht Schabel. Heißt: Für Neukunden werden ab April schneller Verwahrentgelte fällig.

Kommentar: Vielleicht vergraben

Natürlich sind Großmutters Sparstrumpf unterm Kopfkissen oder die vergrabene Schatzkiste keine ernsthafte Alternative als sichere Anlageform. Oder? Die Zeiten jedenfalls, in denen liquide Mittel auf den Girokonten für Schulterklopfen beim Bankbesuch sorgten, sind passé. Und Sparbücher sind für die Banken nicht nur lästig geworden – sie kosten Geld.

Kohle auf den Konten ist also keine Einnahmequelle mehr, sie ist Kostenfaktor. Die EZB veranschlagt dafür Negativzinsen. Nicht nur für die Sparkasse Münsterland Ost werden deshalb Verwahrentgelte fällig. Und das nicht zu knapp, weil die Münsteraner in der Krise ihr Geld zusammenhalten. Der Bestand der Kundeneinlagen stieg im ersten Corona-Jahr um 700 Millionen auf 8,2 Milliarden Euro. Das schlägt sich in der Bilanz nieder.

Der Bankberatende wirbt brav für Anlageformen wie Wertpapiere oder Fonds. Die Geldinstitute erhöhen die Kontoführungsgebühren und geben die Negativzinsen an die Sparer weiter. Denn mit Geld auf dem Konto lässt sich in Zeiten teurer Regulatorik aus Brüssel und anhaltender Null- und Negativzinsen nichts mehr verdienen.

Wer seine gesamte Bankverbindung zur Sparkasse verlagert, erhält Freibeträge ab 25.000 Euro, die je nach Art der gewünschten Anlageformen auch erweitert werden können. Wer indes sein Geld auf einem Tagesgeldkonto liegen lässt, bei dem berechnet die Sparkasse ab dem ersten Euro den Zinssatz, den die Bank auch bei der EZB für ihre Einlagen bezahlen muss: aktuell 0,5 Prozent. „Mit einem kleinen Teil unserer Bestandskundschaft, der über liquide Mittel im hohen sechsstelligen Bereich verfügt, werden wir über Verwahrentgelte mit einem Freibetrag von 100.000 Euro sprechen“, kündigt Scholz an.

Vorstandsmitglied Peter Scholz

Auch für Kontoneueröffnungen der Bestandskunden gelte künftig dieser hohe Freibetrag. „Damit bleiben rund 99 Prozent unserer Privatkunden weiterhin von Negativzinsen verschont. Das ist uns mit Blick auf das Gros der Normalsparerinnen und -sparer wichtig“, so Scholz. Das gelinge nur, „wenn wir dem steigenden Zufluss von Neugeldern aus Kreditinstituten in der Region entgegenwirken, die Verwahrentgelte berechnen“, so der Vorstand.

Corona-Kredite über 80 Mio. Euro

Die Corona-Krise ist lange da, aber sie ist zumindest vor Ort finanziell noch handhabbar. Wertberichtigungen aufgrund des monatelangen Lockdowns hat es in der Geschäftsbilanz 2020 der Sparkasse Münsterland Ost nicht gegeben. Vorstandsvorsitzender Markus Schabel sieht derzeit „keine große Insolvenzwelle vor der Bundestagswahl auf uns zurollen“. Die Situation sei im Geschäftsgebiet nicht existenziell, Kunden allerdings hätten ihr Eigenkapital angeknabbert. Das größte Geldinstitut der Region bildet Rücklagen für den Ernstfall.

Die Sparkasse vergab Corona-Förderkredite bis Anfang des Jahres 2021 in einer Gesamthöhe von mehr als 80 Millionen Euro. „Vor allem in den vom Lockdown am stärksten betroffenen Bereichen Gastronomie, Einzelhandel, Hotel-, Reise- und Veranstaltungsgewerbe konnten wir viele Kunden schnell und unkompliziert mit liquiden Mitteln versorgen“, erklärt Sparkassen-Vorstand Klaus Richter. Aufgrund der Unsicherheiten wegen der noch nicht absehbaren Folgen der Pandemie sei der Bedarf an Investitionen wie Fahrzeugen, Maschinen oder Inventar aktuell auf einem deutlich verhaltenen Niveau. „Wann sich das wieder normalisieren wird, lässt sich im Moment schwer einschätzen“, sagt Richter.

Die Sparkasse Münsterland Ost präsentiert ihren Geschäftsbericht für das erste Corona-Jahr 2020. Foto: Grafik: Jürgen Christ

Kredite waren im Jahr 2020 vor allem für private Immobilienfinanzierungen gefragt. Die Sparkasse konnte hier rund 3000 Finanzierungen von Wohneigentum ermöglichen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet das Kreditgeschäft ein Plus von 4,5 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Der Firmenkundenbereich war neben einem weiterhin lebhaften Immobiliengeschäft insbesondere von der Unterstützung kleinerer und mittelständischer Unternehmen in der Corona-Krise geprägt.

Sparkasse beobachtet Kundenverhalten

Die Sparkasse Münsterland Ost kündigt keine Filialschließungen an. Das Coronajahr habe allerdings die Aufgeschlossenheit der Kunden gegenüber den digitalen Angeboten weiter beschleunigt, berichtet Vorstandsmitglied Klaus Richter. Kleinere Filialen würden perspektivisch überwiegend zu Selbstbedienungsstandorten. Das Geldinstitut überprüft derzeit das gesamte Standortnetz und beobachtet auch, wie sich die Pandemie auf das Kundenverhalten auswirke.

Der kostenfreie Telefonservice zählte rund 500 000 Anrufe, darunter immer häufiger aus der Altersgruppe 50-plus. Das Interesse am Videoberatungsangebot hat sich seit Ausbruch der Pandemie versechsfacht. 70 Prozent der Girokunden nutzen Online-Banking am PC und via App mit 18 Millionen Aufrufen.

Mit Einsparungen im Kostenbereich von 4,6 Millionen Euro konnte die Sparkasse ein noch stärker rückläufiges Ergebnis vermeiden und erreichte ein Betriebsergebnis von 91,3 Millionen Euro, was 0,85 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme entspricht (Vorjahr: 1,01 Prozent). Unter dem Strich erzielte die Sparkasse einen Jahresüberschuss von 15 Millionen Euro (Vorjahr: 17,1 Millionen Euro).

Wachsende Nachfrage nach Wertpapieren

Mit Blick auf die schwierige Zinslage rät die Sparkasse ihren Kunden zu neuen Anlageformen. Das Sparbuch reiche für Vermögenszuwachs nicht mehr aus. Immer mehr Kunden würden sich für Wertpapiere oder Fonds-Sparpläne entscheiden. Die zunehmende Bereitschaft zu alternativen Sparformen habe sich im Geschäftsjahr 2020 gezeigt. Der Bestand im Wertpapiergeschäft wuchs um 8,1 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.

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