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Seniorenhilfe Lichtblick schlägt Alarm

Immer mehr Rentner in Not

Münster

Die steigenden Lebenshaltungskosten und Energiepreise stürzen immer mehr Rentner in finanzielle Not. Einigen Betroffenen hat der Verein Lichtblick Seniorenhilfe jetzt geholfen.

Rentnerin Hildegard N. (l.) muss deutlich mehr Nebenkosten zahlen als früher. Der Verein Lichtblick Seniorenhilfe hat ihr geholfen. Foto: Lichtblick Seniorenhilfe

Die Telefone bei der Lichtblick Seniorenhilfe e.V. stehen laut Pressemitteilung nicht mehr still. „Unsere armen Rentner sind verzweifelt, weil sie die ständig steigenden Kosten für Lebensmittel, Strom und Heizung nicht mehr zahlen können“, sagt Lichtblick-Gründerin Lydia Staltner.

Ihr gemeinnütziger Verein setzt sich seit 19 Jahren gegen Altersarmut ein. Die Not werde immer größer: 2021 habe der Verein für Lebensmittel 460.000 Euro ausgegeben – in diesem Jahr seien es allein bis Ende August 1,2 Millionen Euro gewesen. Deutschlandweit unterstützt Lichtblick rund 23.000 bedürftige Rentnerinnen und Rentner.

Angst vor dem Winter

Ein Beispiel: Rentnerin Hildegard N. (85) hat kürzlich ihre Nebenkostenabrechnung bekommen. 402,28 Euro soll sie bezahlen – Geld, das sie nicht habe. „Ich habe nur eine kleine Rente von etwas über 1000 Euro und zahle schon 590 Euro Miete. Wie soll ich das stemmen?“, sagt die Seniorin verzweifelt.

Die Angst vor dem Winter ist groß. „Ich werde erst heizen, wenn es gar nicht mehr anders geht.“ Sie bräuchte dringend neue Winterschuhe: „Auch dafür habe ich kein Geld übrig.“ Um Strom zu sparen, strickt und liest Hildegard N. nur tagsüber: „Dann brauche ich kein zusätzliches Licht, lasse abends sowieso nur eine kleine Lampe über dem Herd brennen.“ Ihr graut vor der kommenden Zeit: „Wenn es noch schlimmer wird, kann ich meine Miete nicht mehr bezahlen und stehe auf der Straße.“ Lichtblick habe Hildegard N. geholfen, übernahm nach eigenen Angaben die Nebenkostenrechnung und wird sie auch beim Kauf von Winterschuhen unterstützen. „Ich bin so dankbar um diese Hilfe“, sagt Hildegard N. gerührt.

Öl-Preis hat sich verdoppelt

Rentnerin Ullrike W. (71) heizt ihre kleine Wohnung nur mit einem Öl-Ofen. Doch die bestellte Menge Öl, um über den Winter zu kommen, kann sie nicht mehr zahlen. „Der Preis hat sich mehr als verdoppelt – vor einem Jahr habe ich 1000 Euro bezahlt, jetzt kostet das Öl 2100 Euro“, sagt sie. Da helfen ihr auch die 300 Euro Energiepauschale vom Staat nichts, die alle Rentner ab 1. Dezember (übrigens steuerpflichtig) erhalten. „Ich muss die Ölrechnung jetzt zahlen, nicht erst im Dezember.“

Sie spart wo sie kann: „Ich heize nur die Küche.“ Schlaf- und Wohnzimmer bleiben kalt. Ullrike W. wäscht sich jetzt auch nur noch am Waschbecken, verzichtet auf die Dusche – „so kann ich Strom sparen“. Deshalb knipst sie auch die Lampen nicht an, nimmt Teelichter. Einen Teil der Öl-Kosten hat nun die Lichtblick Seniorenhilfe übernommen, heißt es in der Mitteilung der Seniorenhilfe weiter.

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