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Zählung

Immer mehr Störche in Münster

Münster

Jahr für Jahr zählt der Münsteraner Michael Tillmann, wie viele Storchenpaare in Münster brüten und wie viele Jungvögel sie aufziehen. 2022 waren es außergewöhnlich viele – trotz des trockenen Sommers.

Auf einigen Nestern der Großvoliere im Zoo gab es besonders viel Storchen-Nachwuchs. Foto: Michael Tillmann

Immer, wenn die Störche im Herbst Münster verlassen haben, heißt es für Michael Tillmann, langjähriger Chronist des Storchengeschehens in Münster, Bilanz zu ziehen. „71 Paare haben sich in diesem Jahr in Münster angesiedelt, sieben mehr als im vergangenen Jahr. Allerdings geht der Zuwachs allein auf das Konto des Allwetterzoos, wo der Bestand von 45 auf 53 Paare angestiegen ist. Im Stadtgebiet außerhalb des Zoos war es sogar ein Paar weniger.“

Münster liege im Trend westdeutscher Bundesländer, so Tillmann. Seit die westwärts ziehenden Störche überwiegend nicht mehr über die Straße von Gibraltar nach Afrika fliegen, sondern in Spanien und Portugal überwintern, steigen die Bestände seit Jahren jährlich mit mindestens zehn Prozent, weiß Tillmann.

Verletzter Jungstorch mit Plastik im Magen

Ausgerechnet auf Münsters bekanntestem Storchenhorst auf dem Heidekrug am Rande der Rieselfelder gab es in diesem Jahr einen Ausfall. Zwar war ein Paar noch bis Mitte April auf dem Nest, blieb dann aber aus unbekannten Gründen fern.

Von dem zweiten in diesem Jahr nicht mehr besetzten Storchenhorst in Nienberge-Häger hat sich ein Storch in einem Horst am Rande der Rieselfelder niedergelassen. Das Exemplar war dadurch auffällig, dass ihm ein Fuß fehlte.

Unter diesem Horst am Messingweg fand Marion Schauerte einen offenkundig verletzten Jungstorch. Er hatte einen Mageninhalt voller Plastikteile ausgewürgt und war nach langer Odyssee schließlich in einer Pflegestation im ostniedersächsischen Leiferde gelandet. Inzwischen ist der Storch gesundet, berichtet Marion Schauerte, die Kontakt zur Pflegestation hält.

„Kritische Größe der Population“

Die Störche sind nach Beobachtung von Michael Tillmann „mit dem trockenen Sommer erstaunlich gut klargekommen“. Mit 37 ausfliegenden Jungstörchen hätten die Paare außerhalb des Zoos einen der besten Bruterfolge der letzten Jahre erzielt. Aber auch im Zoo sei es um den Nachwuchs gut bestellt gewesen. „Wenn man bedenkt, dass die Altstörche für die Nahrungsbeschaffung in die freie Landschaft fliegen müssen, um dort für ihre Jungen Regenwürmer, Mäuse und Großinsekten zu suchen, sind 80 flügge gewordene Jungstörche ein tolles Ergebnis“, so Michael Tillmann.

In Münsters Allwetterzoo sieht man die Zunahme skeptisch. „Fast alle Neuansiedlungen der letzten Jahre erfolgten auf Bäumen. Uns wäre es lieber, die Störche hätten mehr von den bereitgestellten Nisthilfen Gebrauch gemacht. Das erleichtert uns die Wegesicherung“, so Zookurator Dr. Philipp Wagner. „Die Population im Zoo erreicht eine kritische Größe.“

Für die kommenden Jahre rechnet Michael Tillmann mit einer weiteren Zunahme der Storchenpopulation in Münster.

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