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Protest gegen Autokorso

„In Münster ist kein Platz für Coronaleugner“

Münster

Gegner der Coronamaßnahmen sind am Sonntag mit einem Autokorso durch Münster gezogen. Mit Fahrrädern stellten sich ihnen Menschen entgegen, die sich eine öffentliche Verharmlosung des Coronavirus nicht gefallen lassen wollten.

Klaus Möllers

Vor dem Schloss trafen sich die rund 180 Gegendemonstranten des Auto-Korsos. Foto: klm

Getrennt voneinander bahnten sich am Sonntagnachmittag zwei Demonstrationen ihren Weg durch die Innenstadt: Kritiker der Corona-Beschränkungen fuhren in Autos eine knappe Stunde lang in einem Korso vom Schlossplatz aus. Menschen, die diese Veranstaltung kritisch sahen, waren auf Fahrrädern vom Schloss aus auf der Promenade unterwegs. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hatte zu der Gegendemonstration aufgerufen.

Wie schon bei den ersten beiden Autokorso-Fahrten waren laut Veranstalter Frank Fraune aus Nordwalde hauptsächlich Personen aus dem Kreis Steinfurt beteiligt. Nach Angaben der Polizei nahmen 24 Fahrzeuge teil. Fraune hatte eine Lautstärkeranlage auf seinem Wagen angebracht, durch die Beiträge der „Ärzte für Aufklärung“ abgespielt wurden. Die von einigen Hamburger Medizinern gegründete Stiftung hält das Corona-Virus, wie zu hören war, für ungefährlich und Beschränkungen des Alltagslebens für unnötig.

Von großem Polizeiaufgebot abgesichert

Beide Veranstaltungen waren mit einem großen Polizeiaufgebot gesichert – durch Bereitschaftspolizei in Bullis sowie Beamte auf Motorrädern und auf Fahrrädern. Letztere begleiteten die auf der Promenade laut Zählung der Polizei rund 180 Gegendemonstranten. Dieser Tross war – auch altersmäßig – ebenso gemischt, wie bei den Fahrern und Beifahrern des Korso. „Beide Demonstrationen sind störungsfrei verlaufen“, hieß es am Abend von der Polizeileitstelle.

Dennoch: Auf dem Weg vom Schlossplatz in Höhe Tibusplatz stellten sich etwa zehn junge Radfahrer, die unabhängig von den Gegendemonstranten unterwegs und überwiegend mit schwarzer Kleidung und teils mit Kapuzen bekleidet waren, dem Korso auf der Fahrbahn in den Weg, um ihn aufzuhalten. Bei der ersten Demonstration Anfang März war dies einer Gruppe Radfahrern mehrmals auf der Strecke gelungen. Sie hatten sich selbst als „Antifaschisten“ bezeichnet. Diesmal drängte die Polizei die Blockierer direkt auf den Gehweg und setzte sie fest, damit der Autokorso passieren konnte und der übrige Verkehr nicht gestört wurde.

„In Münster ist kein Platz für rechte Hetze und kein Platz für Coronaleugner“

Am Schloss hatte Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ erklärt: „In Münster ist kein Platz für rechte Hetze und kein Platz für Coronaleugner.“ Für die „Leugner“ der Corona-Pandemie werde von der Polizei „die Straße frei gemacht“. Die Gegendemonstranten hingegen müssten über die Promenade fahren. Dies sei eine „falsche Prioritätensetzung“.

Am Ende des Autokorsos erklärte dessen Organisator Fraune auf Nachfrage, dass er die Annahme von Gegendemonstranten, in Reihen der Corona-Kritiker befänden sich Rechtsradikale, als „schlechten Witz“ ansehe. Er wisse von keinem im Korso, der eine nationalistische Gesinnung habe. Teilnehmerin Nina Engberding aus Nordwalde erklärte: „Wir sind alles Demokraten. Ich habe Herrn Peters über Facebook einen Dialog angeboten, damit man sich austauscht. Den hat er abgelehnt.“

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