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Inobhutnahme

212 Minderjährige unter städtischen Schutz gestellt

Münster

Auch im vergangenen Jahr hat das Jugendamt in Münster Kinder in Obhut genommen. 212 Kinder und Jugendliche wurden 2021 unter den Schutz des Jugendamtes gestellt. Die Gründe sind vielfältig.

Von Martin Kalitschke

Wenn Eltern ihr Kind vernachlässigen, dann kann das Anlass für eine Inobhutnahme durch das Jugendamt sein. Foto: dpa

212 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr in Münster unter den Schutz des Jugendamtes gestellt – davon 28 auf eigenen Wunsch und 184 aufgrund einer Gefährdung. Dies hat am Montag das statistische Landesamt IT NRW mitgeteilt.

Die größte Gruppe bei den Inobhutnahmen bildeten – wie schon in den Jahren 2014 bis 2018 – unbegleitete Minderjährige aus dem Ausland (73 Jungen und Mädchen). In 67 Fällen lag eine Überforderung aufseiten der Eltern oder zumindest eines Elternteiles vor, in 18 Fällen Beziehungsprobleme der Eltern, in 15 Fällen wurden Kinder oder Jugendliche vernachlässigt. Von den insgesamt 212 betroffenen Minderjährigen hatten laut IT NRW 149 einen Migrationshintergrund.

Alleine im Zug unterwegs

Bei mehreren Dutzend Inobhutnahmen gab es zugleich einen eher unspektakulären Hintergrund, berichtet das städtische Jugendamt. Dabei habe es sich um Minderjährige gehandelt, die alleine im Hauptbahnhof oder in Zügen in der Umgebung Münsters aufgegriffen wurden. Diese Jungen und Mädchen seien in der Regel nach kurzer Zeit ihren Erziehungsberechtigten übergeben worden.

Anders sehe die Hilfe bei jungen Menschen aus, die sich aus eigenen Stücken beim Jugendamt melden – weil daheim häusliche Gewalt zum Alltag gehört, weil sie geschlagen werden oder die Mutter ständig betrunken ist, um nur einige Beispiele zu nennen. Stimmen die Eltern einer Inobhutnahme nicht zu, liege die Entscheidung binnen 24 Stunden bei einem Familiengericht – schließlich, so die Stadt, handele es sich um einen starken Eingriff in das Familienrecht.

Lehrer und Freunde melden sich

Meldungen über Kinder und Jugendliche, die unter gravierenden familiären Problemen leiden, erreichten die Stadt auch regelmäßig von Lehrern, Freunden oder Angehörigen, berichtet die Stadt.

Spricht sich das Gericht für eine Inobhutnahme aus, dauere diese in der Regel nur einige Tage. Danach kehre ein Teil der Jugendlichen in die Familien zurück, und die Eltern erhalten Erziehungshilfe. Ist eine solche Rückkehr nicht auf Anhieb möglich, ziehen die betroffenen Minderjährigen erst einmal in eine Einrichtung der Jugendhilfe.

Unbegleitete Minderjährige

Vor allem während der Flüchtlingskrise zwischen 2015 und 2017 kamen viele unbegleitete Minderjährige nach Münster – 317 allein im Jahr 2017. Für diese wurden damals laut Stadt eigene Betreuungsgruppen durch die freien Träger ins Leben gerufen.

Jungen und Mädchen wurden übrigens 2021 laut der aktuellen Statistik in etwa gleicher Zahl in Obhut genommen.

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