1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Interaktiv gegen den Pflegenotstand

  6. >

Theaterensemble „Kollektiv.für.sorge“ tritt am Gasometer auf

Interaktiv gegen den Pflegenotstand

Münster

Ein Theaterstück mit ernstem Hintergrund: Das Ensemble „Kollektiv.für.sorge“ trat am Gasometer auf und thematisierte den Pflegenotstand.

Von Julian Alexander Fischer

Mit viel Bewegung auf die Problem im Pflegewesen aufmerksam machen – das war das Ziel vom „Kollektiv.für.sorge“ (v.l.): Jule Kriesel, Nina Nitzsche, Felix Giesler, Katharina Dittrich und Steffi Günther. Foto: Fischer

Vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie wurde der Gesellschaft die Bedeutung von Pflegekräften immer wieder vor Augen geführt. Ihre Arbeitsbedingungen sind allerdings nach wie vor kritisch. Darauf wollte das fünfköpfige Theaterensemble „Kollektiv.für.sorge“ nun mit der Aufführung von „Kurzer Wechsel“ aufmerksam machen und dabei auch nach Lösungen suchen.

So war das Stück vor allem an Pflegekräfte adressiert, die interaktiv an der Gestaltung der Aufführung mitwirken sollten. Bei der Erstaufführung am Sonntag vor dem Gasometer wurden daher zahlreiche Probleme angesprochen und Lösungen diskutiert. Dies geschah immer nah am Publikum und mit einer gewissen Lockerheit, ohne erhobenen Zeigefinger.

Auszüge aus Pflegelehrbüchern

In verschiedenen Trainingsstufen wollte das Kollektiv die Zuschauer auf verschiedene Arten an das Thema heranführen. Dabei gab es kleine, kurzweilige Aktionen wie das Tanzen einer typischen Pflegebewegung durch das Publikum oder das Vorlesen von skurrilen Textauszügen aus Pflegelehrbüchern der Vergangenheit und Gegenwart.

Das Herzstück der Aufführung waren aber die kurzen szenischen Darstellungen von typischen Situationen des Pflegealltags. So wurden verschiedene Probleme aufgezeigt, mit denen das Pflegepersonal beinahe täglich konfrontiert wird: sexistische Patienten, herablassende Ärzte, Überlastung an Aufgaben oder fehlende Pausen.

Das Publikum konnte im Anschluss Vorschläge einbringen, was die Pflegekräfte anders machen könnten, um diesen Situationen besser zu begegnen. Schließlich wurden diese Optionen diskutiert und in einer erneuten Aufführung der Szene umgesetzt – mit unterschiedlichem Erfolg. Mal trat eine Verbesserung ein, in anderen Fällen eskalierte die Situation komplett.

„Aus Fehlern lernen“

Genau das war die Stärke des Stücks. Trotz des Anliegens nahm es sich nicht zu ernst. Es mussten nicht alle Vorschläge gelingen, wie im realen Alltag. Dort passieren auch Fehler. Zudem ergab sich das Stück nicht der Illusion, dass die Probleme rasch behoben werden könnten.

Startseite