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Lubliner Stadtpräsident kämpft um ein liberales Polen

Internationalität in schweren Zeiten

Münster

Münster und Lublin feiern derzeit das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft. Stadtpräsident Dr. Krzystof Zuk ist derzeit in Münster und berichtete am Donnerstag von seinem Bemühen um mehr Internationalität in seiner Stadt.

Von Klaus Baumeister

Der Lubliner Stadtpräsident Dr. Krzysztof Zuk (2.v.r.) stellte in der Rüstkammer des Rathauses seine Internationalisierungsstrategie vor. Die nationalkonservative Regierung Polens macht ihm das Leben schwer. Foto: Klaus Baumeister

Münster und die polnische Partnerstadt Lublin sind sich – vordergründig – sehr ähnlich: Regionalzentrum mit jeweils über 300.000 Einwohnern, Bischofssitz, große Universitätsstadt. Nimmt man aber die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, so könnten die Unterschiede kaum größer sein. Das jedenfalls wurde am Donnerstagmorgen bei einem Meinungsaustausch in der Rüstkammer des Rathauses deutlich. Anlass war das Jubiläum 30 Jahre Städtepartnerschaft Münster – Lublin.

Dabei bot der Lubliner Stadtpräsident Dr. Krzysztof Zuk einen tiefen Einblick in die ehrgeizige Internationalisierungsstrategie der Lubliner Stadtführung, die im klaren Widerspruch zu den nationalkonservativen Bestrebungen der Staatsführung steht. Gelegentliche Nebenbemerkungen („Wir sind alle in der Opposition“) ließen erahnen, wie hart die Auseinandersetzung ist. Kein Vergleich jedenfalls zu Münster, wo man allenfalls mal mit Berlin hadert, wenn es zu wenig Geld gibt.

7300 ausländische Studierende

Mit wenigen Zahlen skizzierte Zuk den Wandel: Lebten in Lublin im Jahr 2011 „nur“ 1500 ausländische Studierende aus 40 Nationen, sind es zehn Jahre später 7300 aus 106 Ländern. Selbst in Taiwan, den USA, Saudi-Arabien, Thailand und Simbabwe habe der Hochschulstandort Lublin inzwischen einen guten Ruf, so der Stadtpräsident.

Dazu trägt nach seiner Meinung nicht zuletzt der Umstand bei, dass es an den neun Hochschulen inzwischen 67 komplett englischer Studienangebote gebe. Und das wichtigste Versprechen, das Lublin den Ausländern aus aller Welt mache: „Sie sind sicher.“

Münsterland-S-Bahn vorgestellt

Dem „Leuchtturm“ der Lubliner Internationalisierung wurde bei der Tagung ein münsterischer zur Seite gestellt, und zwar das Konzept „Münsterland-S-Bahn“, vorgestellt von Joachim Künzel vom Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe. Das Konzept beinhaltet eine Verbesserung des Zugangebots auf den Regionallinien von und nach Münster. In etwa zehn Jahren, so Künzels Prognose, seien wesentliche Eckpfeiler des Konzeptes umgesetzt. Vorausgesetzt, der Bund stelle deutlich mehr Geld bereit.

Auch in Lublin ist die Verkehrswende ein Thema – und der Mangel an Geld der entscheidende Hemmschuh. Doch auch die gesellschaftlichen Konflikte sind vorprogrammiert. Vor fünf Jahren, berichtete Zuk, habe er unter heftigen Protesten damit begonnen, Radwege zu bauen. „In diesem Punkt können wir von Münster lernen.“

Die Aussprache am Donnerstag, zu der Bürgermeister Klaus Rosenau die Begrüßung sprach, gehörte zu den Feierlichkeiten aus Anlass des Jubiläums. Am Abend gab es ein Konzert im LWL-Museum am Domplatz.

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