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Chinesischer Nationalcircus

Irrwitzige Akrobatik raubt den Atem

Münster

Der Chinesische Nationalcircus gastiert im Theater Pumpenhaus. Das Programm führt mit irrwitziger Akrobatik in das alte Shanghai zwischen Teehaustradition und Opiumhölle.

Katrin Hartz

Ein Balanceakt mit acht Stühlen ließ den Zuschauern den Atem stocken. Auch lustige Einlagen (kl. Bild) standen auf dem Programm. Foto: hka

In eine Bar Shanghais der 30er- und 40er-Jahre, zwischen Teehaustradition, Opiumhölle und Aufbruch in die Neuzeit, ließen sich rund 180 Zuschauer vom Chinesischen Nationalcircus im Theater Pumpenhaus entführen. Das Programm „Shanghai Nights unplugged – der Zauber Chinas zwischen gestern und heute“ präsentierte irrwitzige Akrobatik auf höchstem Niveau und ließ manchen Atem auf der Publikumsseite stocken.

„Streben in die große Stadt der Lichter, in der die ganze Welt zu Gast ist. Im Gepäck die Sicherheit der Tradition…“ Eingebettet in diese Geschichte verwandelten zehn Ausnahmeakrobaten des Chinesischen Nationalcircus‘ die kleine Pumpenhausbühne in eine turbulente Bar der asiatischen Hafenmetropole, Schmelztiegel der Kulturen und Nationen.

Körperbeherrschung chinesischer Kampfkunst trifft dort auf die tänzerische Unbeschwertheit zugereister Leichtmatrosen. Da fliegen mit verbundenen Augen Säbel und junge Männer übers Teehaus-Mobiliar. Es drehen sich Teller und surreal biegsame Frauen in schwindelnder Höhe, verknoten sich Akrobaten auf Tischen und Stühlen. Strohhüte, Diabolos und samtene Decken werden mit anmutiger Körperbeherrschung geworfen, gefangen und balanciert. Selbst verrückteste Jonglagen mit kiloschwerer Keramikware präsentieren die Körperkünstler mit Eleganz. „Das ist der absolute Wahnsinn“, beurteilt am Ende ein Besucher die Show.

Bisher haben sich in über 125 europäischen Städten mehr als 100 000 Menschen von den außergewöhnlichen Akrobaten bezaubern lassen. Bis Mitte 2016 sei die Show nahezu ausgebucht. „Dabei ist es für das Publikum sicherlich ein ganz besonderer Genuss, bei der unplugged-Version von Shanghai Nights den Akteuren so nahe zu sein“, räumt der künstlerische Leiter, Raoul Schoregge, ein. Doch für die Artisten selbst seien kleine Bühnen wesentlich komplizierter zu bespielen, und die zwangsläufige Nähe zum Zuschauer bedeute eine große Herausforderung für die Konzentration.

Davon bekam das Pumpenhaus-Publikum am Dienstagabend wenig mit und honorierte die scheinbare Leichtigkeit der spektakulären Darbietung mit tosender Forderung nach Zugabe.

Zum Thema

Der Chinesische Nationalcircus gastiert noch bis Freitag (6. März) im Pumpenhaus-Theater an der Gartenstraße.

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