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„Aschendorff Award“

Jovel und Schovel sind ganz nah dran

Münster

Die Siegergruppe ist „Jovel und Schovel“ zugleich: Mit ihrer Vision einer multiperspektivischen Berichterstattung gewinnen Neele Brümmer, Lucia Emily Schmidt und Louisa Thoma den ersten „Aschendorff-Award“.

Lukas Speckmann

Die Finalisten des „Aschendorff Awards“ mit den Geschäftsführern Dr. Benedikt Hüffer (M.) und Dr. Eduard Hüffer (l.) Foto: Jürgen Peperhowe

Wie sieht die Zukunft des Lokaljournalismus aus? Jung, digital – und so lokal wie möglich. So lautet das Fazit der zahlreichen Beiträge zum ersten Aschendorff-Award. Die jungen Leute, die an der Universität Münster Kommunikation studieren, sind einhellig der Meinung, dass selbst erfolgreicher Lokaljournalismus derzeit von all dem immer noch zu wenig bietet. Was sie vorschlagen: Konzepte, um junge Leute für lokale Themen und Berichte zu interessieren – und bei der Stange zu halten.

Im Foyer des LWL-Museums stellten die drei Finalisten des Aschendorff-Awards, der am Montagabend im Rahmen der Jubiläumsfeier verliehen wurde, ihre Konzepte vor. Die Präsentationen waren aufgezeichnet worden, die Abstimmung fand während des Festakts digital statt – und für die abschließende Preisverleihung kamen alle Beteiligten auf die große Bühne. Abstimmungsberechtigt waren die Online-Gäste des Festakts. Und die entschieden sich mit deutlicher, fast absoluter Mehrheit von 47,5 Prozent für „Jovel und Schovel“: Der erste Preis und damit ein Preisgeld von 3000 Euro gehen an Neele Brümmer, Lucia Emily Schmidt und Louisa Thoma.

Das Yin und Yang des Münsterlands

Warum der deutliche Erfolg? Es liegt vielleicht am Markennamen: „Jovel und Schovel“ sind „das Yin und Yang des Münsterlandes“, wie die stellvertretende Chefredakteurin Anne Eckrodt, die das Programm gemeinsam mit Kristina Sehr moderiert, zur Begrüßung sagt. Jovel und Schovel sind zwei fiktive Charaktere, die über alle möglichen Themen auf vielen Plattformen diskutieren. „Ein hochinteressantes Konzept“, meint Aschendorff-Geschäftsführer Dr. Benedikt Hüffer.

Zweiter und dritter Platz: Das ist fast gemein. Denn die Beiträge „Schnack“ (27,1 Prozent) und „Couch Pota­toes“ (25,4 Prozent) sind annähernd gleichauf. Marie ­Jakob, Annabell Klein-Heßling und Lars Robin Thier liegen mit ihrem Konzept leicht vorn: „Schnack“, die Vision einer lokalen Online-Community, holt den zweiten Preis und damit 1500 Euro. Für das mobile Sofa, mit dem die „Couch Pota­toes“ Markus Aust, Robin Hofstetter, André Kloß und Lennart Alexander Rettler durch die Stadt ziehen und zum ­Gespräch einladen wollen, bleiben der dritte Preis und immerhin 750 Euro.

Lokaljournalismus spielt die erste Geige

Alle drei Ideen haben die Jury nachhaltig beeindruckt, wie Jurymitglied und Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann betont. Der Lokaljournalismus spiele nach wie vor die erste Geige, könne aber wegen der völlig ­veränderten Mediennutzung „nicht einfach so weiter­machen“. Das haben offenbar alle Beiträge des Wett­bewerbs nachdrücklich hervorgehoben: „Es sind sehr spannende Arbeiten, die meine Erwartungen deutlich übertroffen haben.“

Wie stehen die Chancen zur Umsetzung des Siegerkonzepts? Offenbar nicht schlecht. „Schauen wir mal, wie wir das auf die Straße bringen“, sagt Geschäfts­führer Dr. Eduard Hüffer bei der Preisübergabe.

Die Projekte 2021

Lokaljournalismus hat Zukunft – darin ist sich die Medienbranche einig. Aber wie sieht diese Zukunft aus? Das ist eine spannende Frage an diejenigen, die vielleicht in Zukunft selbst Lokaljournalismus betreiben: die Studierenden des Instituts für Kommunikationswissenschaft (IfK) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Die Unternehmensgruppe Aschendorff hat im Jahr ihrer drei Jubiläen erstmals einen Wettbewerb, den „Aschendorff Award“, aus­gerichtet, der sich gezielt an Bachelor- und Master-Studierende des Faches Kommunikationswissenschaft und Strategische Kommunikation richtet.

Herausforderung: Ein neuartiges und zukunftsweisendes Konzept zum Thema „Qualitätsjournalismus auf Lokalebene“ entwickeln und damit eine hochkarätig besetzte Jury zu überzeugen. Die Bearbeitungszeit für eine Ideen-Skizze und ein Exposé begann am 1. April, am 30. April war Abgabeschluss. In den vier Wochen dazwischen wurden die teilnehmenden Gruppen von einem Coach der Unternehmensgruppe Aschendorff begleitet. Drei Teams schafften es schließlich in die Endrunde im LWL-Museum:

Schnack: Lokaljournalismus braucht junges Publikum. Aber gerade junge Leute sind nicht leicht zu bekommen, weil sie sich gerne in ihren gewohnten Formaten bewegen. Also bietet „Schnack“ ein solches Format: eine Webseite, einen Feed und Auftritte auf gängigen Plattformen. Ein journalistisches Team spürt Themen aus der unmittelbaren Nachbarschaft auf, sammelt An­regungen, lässt alle Meinungen zu Wort kommen. Über Themen schnacken und Themen snacken – daraus wird ein Schnack.

Couch Potatoes: Wir reden zu wenig miteinander, in der Pandemie erst recht. Wer mag schon gern sein Milieu verlassen und sich mit fremden Meinungen ­herumschla­gen? Lokaljournalisten! Und darum brauchen sie einen Ort, wo die Leute einfach mal ins Quatschen kommen. „Couch Potatoes“ stellt – an bestimmten Orten, zu bestimmten Themen – ein Sofa auf und bittet Passanten zum Gespräch. Was sich daraus entwickelt, wird aufgezeichnet und einmal pro Woche bei YouTube veröffentlicht.

Jovel und Schovel: Oder heißt es „Good guy, bad guy“? Zwei ganz unterschiedliche Charaktere jedenfalls, die es schaffen, ein Thema aus mehreren Perspektiven zu beleuchten: mal leidenschaftlich und mitfühlend, mal nüchtern und abwägend. „Jovel und Schovel“ stehen vor allem für freche und kritische Themen und die Bereitschaft zur Kontroverse – die je nach Kanal ganz unterschiedlich ausfallen kann. Die Leserschaft soll sich mit den ­Attributen der beiden Charaktere identifizieren.

Training: Die Kommunikationsexpertin Dr. Wiebke Borgers (TEDx Münster) hat die Mitglieder der drei Finalteams mit einem TEDx-Speaker-Training fit gemacht: Schließlich entscheidet das Publikum über die endgültige Platzierung, da dürfte nicht zuletzt die schlüssige Präsentation den Ausschlag geben. Beim Finale im LWL-Museum treten die drei Gruppen gegeneinander an. Die Finalisten wurden von der Jury – Prof. Dr. Bernd Blöbaum und Prof. Dr. Armin Scholl (IfK), Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann, Marc Zahlmann (Aschendorff), Shahrzad Golab (Chefredakteurin Radio Q) und Dr. Wiebke Borgers – einstimmig nominiert.

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