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50. Tennengericht im Paohlbürgerhof

Jubiläum der jecken Superlative

Münster

Die Angeklagten hatten mal Glück. Am Ende wurden sie freigesprochen. Das närrische Tennengericht im Paohlbürgerhof tagte zum 50. Mal und schoss zum Jubiläum ein närrisches Feuerwerk ab.

Wolfram Linke

Voller Einsatz beim Tennengericht im Paohlbürgerhof. Auch der Karnevalsprinz mischte kräftig mit. Foto: Wolfram Linke

Wortwitz hat eine Heimat, und der Begriff „Rampensau“ hat dank des 50. Tennengerichts nun auch ein Gesicht: Kabarettist Andreas Breiing räumte richtig ab – vor ausverkauftem Haus begeisterte der „Buschtrommler“ das hohe Gericht und die Gäste als waschechter Westfale, rotierende Reverend aus den USA und lügender Lobbyist gegen Drogen und für das deutsche Bier. Zum Goldenen Jubiläum hatte die Karnevalsgesellschaft Paohlbürger wieder einmal in die Vollen der Promikiste gegriffen: Wer schaffte es schon außer Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals, sämtliche närrischen Gäste von Olaf Malolepski von den Tischen zu holen, um gemeinsam in einer Polonaise durch den Saal zu swingen?

Genau – da flogen nicht nur die Löcher aus dem Käse. Mit allerlei kleinen und größeren Aufmerksamkeiten versuchte Andrea Benstein, Leiterin des WDR-Studios in Münster, das hohe Gericht zu bestechen. Neben einer Knuddelmaus gab´s unter anderem einen knackigen Kuchen zum runden Geburtstag und die Zusage von Staatsanwalt Harry Wijn­voord, im Sommer in Senden den Kuchen gemeinsam nachzubacken.

Plattdeutscher Strand am Aasee

Als Zeugen der Anklage traten Klaus & Klaus auf. Benstein hatte laut Anklageschrift behauptet, den einzigen plattdeutschen Strand gäbe es nur am Aasee. Zu ihrer Entlastung sang sie gemeinsam mit dem Duo den Klassiker „An der Nordseeküste“ und löste anschließend das Rätsel um die Titel von sechs deutschen Schlagerhits.

Es war ein Jubiläum der jecken Superlative: Der Angeklagte Olaf Malolepski, Frontmann der Flippers, trat erstmals gemeinsam mit Tochter Mia auf und begeisterte das Publikum mit dem Hit „Lotusblume“ – da fehlten eigentlich nur die Feuerzeuge. Da dem Delinquenten („Flipper, gleich wird er kommen…“) „Fremdküssen“ vorgeworfen wurde, fürchtete Verteidiger Hermann Beckfeld, sonst Chefredakteur, gar um seine Frau: „Die ist so sexy, dass sogar die Heizung anspringt, wenn sie an ihr vorbeiläuft.“ Auch der Angeklagte Helmut Etzkorn, seit cirka 100 Jahren Redakteur in Sachen närrischer Berichterstattung, versuchte, das Gericht zu beeinflussen und brachte eine Rutsche Pokale für alle mit – schoss sich dann aber aus der Bahn: „Ich habe an das Niveau des Gerichts gedacht, und deshalb sind die Pokale so klein.“

Nächstes Tennengericht in Feuerwehruniform

Da konnten auch seine Zeugen, NZA-Präsident Mortimer Berendt und Stadtprinz Thorsten II. Brendel nicht mehr viel ausrichten – am Ende stand zwar ein Freispruch, aber auch die Auflage, beim nächsten Tennengericht in Feuerwehruniform zu erscheinen. Verteidiger Beckfeld blieb nur der Hinweis: „Die Hürde des Menschen ist untastbar.“ Er ist der „Raketen-Ulli“ von Münster. Pfarrer Ulrich Messing blieb angesichts des Vorwurfs von Richter Bernd Tepe – Ämteranhäufung – nur die Chance, einen probaten Zeugen aufzurufen. CCC-Präsident Robert Erpenstein hielt denn auch eine flammende Rede für den Angeklagten und versuchte geschickt, Gericht und Zuhörer vom eigentlichen Geschehen abzulenken: „Wenn sie hier rausgehen – was da so stinkt, ist frische Luft.“ Am Ende wurden die sechs Sünderlein mit Auflagen freigesprochen und durften die Jubiläumswürden als Ehrensenatoren aus der Hand des Paohlbürgerpräsidenten Rüdiger Holtmann in Empfang nehmen. Der Rest war Party.

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