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Haltung des CDU-Ehrenvorsitzenden zu Israel

Jüdisches Magazin greift Ruprecht Polenz an

Münster

Der frühere münsterische Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz (CDU) tummelt sich auf politischen Feldern, auf denen man nicht zart besaitet sein darf: Sei es nun die Kopftuchdebatte, die von ihm befürwortete EU-Mitgliedschaft der Türkei oder die Auseinandersetzung mit religiös motiviertem Terror – die von Polenz angestoßenen Debatten in den sozialen Netzwerken sind meist sehr heftig.

Klaus Baumeister

Ruprecht Polenz (l.) steht oft in der ersten Reihe, wenn es darum geht, Ängste gegen Muslime abzubauen, hier bei einer Aktion mit dem früheren Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma. Jetzt kritisiert ihn eine jüdische Zeitschrift. Foto: AFP, Montage-Screenshot

Jetzt sieht sich Polenz mit einer Kritik konfrontiert, von der er sagt: „Das tut schon weh!“ Konkret startete die Monatszeitung Jüdische Rundschau unter dem Titel „Gott schütze uns vor solchen ,Experten´“ einen Frontalangriff gegen den Außenpolitiker.

Der Tenor: Polenz fehle jedes Verständnis für den „israelischen Staat, der um seine Existenz kämpfen muss“. Er verharmlose die Gewalt der Palästinenser und die Entwicklung in der Türkei und sei „in jeder Hinsicht ignorant gegenüber der Realität“.

Kurz und gut, so die Autorin Nikoline Hansen: „Es gibt Menschen, die sind so gut und moralisch so korrekt, dass ich mich vor ihnen fürchte.“

Als Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist für Polenz diese Kritik nur schwer erträglich, zumal sie aus seiner Sicht nicht stimme. Das Existenzrecht des Staates Israel stehe für ihn außer Zweifel. Was er indes kritisiere, sei die Siedlungspolitik der Israelis – „und das tue ich in Übereinstimmung mit der Bundesregierung“.

Angesichts der Konfrontation im Nahen Osten und der aufgeheizten Stimmung beim Thema Islam ist sich Polenz dessen bewusst, „dass man sich vor bewussten Fehlinterpretationen der eigenen Worte“ kaum schützen könne. Es sei aber grundlegend falsch, jede Beschäftigung mit der islamischen Welt gleich als Affront gegenüber dem Judentum zu bewerten.

Ganz abgesehen davon ist der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern für Polenz „ein Territorialkonflikt, der auch territorial gelöst“ werden müsse. Jeder, der den Konflikt zu einem religiösen Konflikt hoch stilisiere, mache ihn damit „unlösbar“.

Das Thema Türkei lässt Polenz derzeit keine Ruhe. Allen Scharfmachern, die jetzt eine radikale Zäsur im Verhältnis zwischen Europa und der Türkei fordern, hält Polenz entgegen, dass sich die Türkei „seit 150 Jahren in Richtung Westen entwickelt“.

Sollte sich die Türkei von Europa abwenden und sich künftig als Teil des Nahen Ostens verstehen, hätte dies dramatische Folgen. Vor dem Hintergrund von vier Millionen türkisch-stämmigen Menschen, die in Deutschland leben, könne man dieser Frage nicht gleichgültig gegenüber stehen. „Es gibt die Tendenz in unserem Land, mit der hässlichen Welt um uns herum nichts zu tun haben zu wollen. Aber das ist eine Illusion.“

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