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Einsatz im Mittelmeer

Junge Retter auf hoher See

Münster

Junge Leute aus Münster wollen Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken retten. Im Juni soll die Aktion starten.

Sebastian Stachorra

Jana Foschepoth ist Botschafterin von „Jugend rettet“ in Münster. Foto: Sebastian Stachorra

Jeden Tag ertrinken Menschen im Mittelmeer. Doch die Meldungen schaffen es nicht mehr jeden Tag in die Tagesschau – und wenn, dann hat man sich inzwischen an die Bilder gewöhnt. Kleine überfüllte Schlauchboote, Berge von Rettungswesten derjenigen, die die Überfahrt überstanden haben.

Die Initiative „Jugend rettet“ will erreichen, dass es künftig weniger solcher Bilder gibt. „Jugend Rettet“, das sind junge Leute Anfang 20, die ein Boot kaufen und damit private Seenotrettung betreiben wollen.

Von Juni bis November wollen sie auf der Mittelmeerroute kreuzen. Das Geld dafür kommt nach ihren Angaben aus Spendengeldern. 80 000 brauche „Jugend rettet“ bis Ende März – für den Umbau eines geeigneten Schiffs und den ersten Monat auf See. Inzwischen sei das Finanzierungsziel erreicht; jeder weitere Euro helfe, das Schiff so lange wie möglich auf See fahren zu lassen, betonen die Mitstreiter der Initiative.

Acht Leute arbeiten im Kernteam in Berlin. Sie recherchieren zum Seerecht, begeistern prominente Unterstützer wie Schauspieler Jan Josef Liefers vom Münster-Tatort für die Idee – und wickeln in diesen Tagen den Kaufvertrag für das Schiff ab. 30 Meter lang ist es, rund 80 Menschen finden an Deck Platz.

Jana Foschepoth ist „Jugend Rettet“-Botschafterin in Münster. In 29 Städten helfen Botschafter, die Idee bekannt zu machen und Spenden zu sammeln. Neben kleineren, spontanen Spendenaktionen organisiert die 24-jährige Studentin zurzeit einen Poetry-Slam und eine Filmvorführung.

Jana macht das, weil sie etwas ändern will. „An den Fluchtursachen können wir nicht viel ändern“, sagt sie, „aber gegen das Sterben auf dem Mittelmeer können wir etwas tun.“ Die Aktion habe natürlich auch eine politische Seite: „Wir wollen zeigen, dass Seenotrettung möglich ist. Wenn wir das schaffen, dann sollte die deutsche Regierung, dann sollte Europa das erst recht schaffen.“

Doch was passiert mit den Geretteten?

„Wir bringen sie nach Italien“, erklärt Jana. „Dort sind die Menschen in Sicherheit und werden gut versorgt.“

Dass „Jugend rettet“ nicht auch noch Unterbringung und Asylverfahren kontrollieren kann, ist klar. Schließlich wird auch auf politischer Ebene immer von einer gemeinsamen Verantwortung gesprochen. Und so will sich der Verein auf sein Ziel konzentrieren: Menschen in Seenot retten.

Nach einem Auftritt des Vorsitzenden im ZDF-Morgenmagazin hagelte es in Facebook-Kommentaren Kritik: Wer Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa bringe, mache sich zum Schlepper. Jana widerspricht: „Das sind Leute, die sich nicht informiert haben, was wir machen.“ Das Seerecht verpflichte im Gegenteil jedes Schiff dazu, Menschen in Not zu retten.

Ist es nicht leichtsinnig, ohne Erfahrung monatelang auf dem Mittelmeer zu fahren und Menschen zu retten? Vermutlich schon. Daher kooperiert „Jugend Rettet“ mit Sea-Watch, die schon seit längerer Zeit Seenotrettung betreiben. Die Crew des Schiffs soll außerdem aus erfahrenen Seeleuten, Ärzten und Psychologen bestehen. Momentan werden diese gesucht. Ein Münsteraner ist bereits dabei – Wilko Beinlich hat Nautik studiert und berät „Jugend rettet“. Mitte April fährt er wahrscheinlich das Schiff von Holland nach Laer, wo es umgebaut wird.

Zum Thema

Das Team von „Jugend rettet“ in Münster ist noch klein. „Kleine Retter“ werden die lokalen Helfer genannt. Mit der münsterischen Botschafterin Jana Foschepoth können sie per Mail in Kontakt kommen: jana@jugendrettet.org.

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