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Scharfe Kritik bei Facebook

Junge Union präsentiert sich erneut unter schwarz-weiß-roter Fahne

Münster

Mit einem Foto von der Weihnachtsfeier sorgt Münsters Junge Union für Aufregung im Netz. Auf dem bei Facebook veröffentlichtem Bild posiert der neu gewählte Vorstand unter einer schwarz-weiß-roten Flagge, den Reichsfarben des Deutschen Kaiserreichs und der Nationalsozialisten. In den Kommentaren werden die Nachwuchspolitiker dafür heftig angegangen.

Jan Hullmann

Der neu gewählte Vorstand der Jungen Union Münster unter zwei deutschen Fahnen, doch nur eine trägt die Farben der Bundesrepublik. Foto: Screenshot Facebook

Allein in den ersten sechs Stunden wurde das Foto über 400 Mal kommentiert. Die Bemerkungen reichen dabei von "Das Kaiserreich lebt in Münster weiter" über "Bande von Vollidioten" bis hin zu "Heil, mein Vorstand".

Flagge des Gastgebers

Mit den scharfen Protesten hat die Junge Union offenbar gerechnet. In der Beschreibung des Fotos steht: "Um Missverständnissen vorzubeugen: Die JU Münster hat in den Räumlichkeiten des VDSt Münster [Verein Deutscher Studenten zu Münster; die Redaktion] getagt, der wiederrum (sic!) schwarz-weiss-rot als Verbindungsfarben führt." Tatsächlich übernahm die 1902 gegründete Studentenverbindung auf ihrer Flagge die damaligen Reichsfarben.

Die Vorwürfe, am rechten Rand nach Sympathien zu fischen, konnten durch diese Erklärung jedoch nicht zum Verstummen gebracht werden, da auch die Verbindung von vielen Kommentatoren sehr kritisch gesehen wird. So sei der VDSt "der Antisemitenverband schlechthin gewesen". Auf ihrer Website rühmt sich die Verbindung damit, sich 2006 "von seiner besten Seite" präsentiert zu haben, als die "Ringkneipe der norddeutschen Bünde zu Ehren der Reichsgründung von 1871" in Münster ausgerichtet wurden.

"Shitstorm" bewusst herbeigeführt?

Ein Grund für die anhaltende Kritik ist offenbar, dass die christdemokratischen Nachwuchsleute sich nicht das erste Mal mit Vorwürfen auseinandersetzen müssen. Auch bei der letzten Weihnachtsfeier ließ sich die Gruppe unter einer schwarz-weiß-roten Flagge im Verbindungshaus ablichten. Im Kontext der hitzigen Debatte um die Umbenennung des Hindenburgplatzes hatten Schlossplatz-Befürworter das Bild als Beleg für eine rechtskonservative, nationalistische Haltung der Jungen Union angeführt.

Damals sprach die JU in einer Pressemitteilung von einer "Hetzjagd" gegen ihre Organisation. Durch die erneute Veröffentlichung eines "Flaggenfotos" ist ein "Shitstorm" daher anscheinend zumindest in Kauf genommen worden.

Die Kritik an der schwarz-weiß-roten Flagge kontert die Junge Union bei Facebook jetzt übrigens mit einem etwas schiefen Vergleich: "Die NPD spricht auch deutsch. Und nun? Wollen wir eine andere Sprache erfinden?"

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