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Der Landschaftsverband sichert Archivgut für die Zukunft

Kampf gegen Papierfischchen

Münster

Das Leibgericht von Papierfischchen ist Papier – sehr zum Ärger von Archivaren. Der LWL intensiviert daher den Kampf gegen Papierfischchen sowie Säurefraß, um das Kulturgut in den Archiven für künftige Generationen zu retten.

Von Martin Kalitschkeund

In der LWL-Werkstatt wird Archivgut vorsichtig mit Latexschwämmen gereinigt. Risse und Knicke werden mit Mini-Bügeleisen regelrecht ausgebügelt. Foto: kal

Papierfischchen sehen so ähnlich aus wie Silberfische und sind etwa so groß wie Ohrenkneifer. Sie haben lange Fühler – und einen Riesenappetit auf Papier. In den heimischen Bücherwänden, aber auch in Archiven fühlen sie sich neuerdings besonders wohl. „Papierfischchen stammen aus Südostasien und sind in den letzten Jahren zunehmend in unsere Breiten eingewandert“, berichtet Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamtes für Westfalen an der Jahnstraße. Zum Beispiel als blinde Passagiere in Amazon-Päckchen. Diese sollte man daher nicht allzu lang in seiner Wohnung aufbewahren, rät er.

Nicht nur Papierfischchen, auch die im Papier enthaltene Säure setzt Archivgut zunehmend zu. Daher hat das Land nun dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zugesagt, die Kosten für den Kampf gegen Säurefraß und Schädlinge in den kommunalen Archiven zu übernehmen: 1,8 Millionen Euro bis 2023 mit Option auf Verlängerung. Gefördert wird damit ein Verfahren, das der LWL 2006 eingeführt hat und das heute bundesweit Nachahmer findet, wie Stumpf berichtet.

40 Meter Archivgut behandelt

Seitdem seien bereits 40 Meter Archivgut aus mehr als 100 kommunalen Archiven behandelt worden, weitere 120 folgen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Am Montag besuchte Landesdirektor Matthias Löb das Archivamt und ließ sich die Archivgutrettung erklären.

In solchen Behältern wird Archivgut im großen Stil entsäuert. Foto: ZFB

„Nur ein Entsäuerungsbad kann die alten Archivalien retten oder ihre Lebenszeit verlängern. Als ‚Badezusatz‘ dienen alkalische Mittel, die die Säure im Papier neutralisieren“, so Stumpf. Im Archivamt werden historische Akten für die Entsäuerung durch externe Dienstleister vorbereitet. „Wir kon­trollieren den pH-Wert, schicken das Material ins Bad, reinigen danach das Archivgut vorsichtig mit Latexschwämmen. Risse und Knicke bügeln wir mit Mini-Bügeleisen regelrecht aus.“

Die Zeit drängt

Entscheidend sei, dass das Archivmaterial rechtzeitig in die Werkstatt komme. „Wenn das Papier seine Festigkeit weitgehend verloren hat, ist der Zerfall nicht mehr zu stoppen“, so Stumpf.

Der zweite große Gegner sind neben dem Säurefraß die Papierfischchen. Sämtliche Kartons, die Archiven nach Münster zugeschickt werden, werden bei minus 18 Grad Celsius in einer Kühlkammer gefroren – und mit ihnen die Tiere.

LWL-Mitarbeiterin Sabrina Heumüller vor Akten, die derzeit behandelt werden. Foto: kal

„Wenn unsere Fachleute wichtige Akten und Handschriften aus Archiven wieder haltbar machen, dann retten sie Kulturgut“, lobt Landesdirektor Löb.

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