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Kindervorlesung zur Kernphysik

Kein Knall beim Urknall im Labor

Münster

Bei der Kinderuni ging es am Freitag ums Ganze: Die Entstehung des Universums. Kernphysiker wie Prof. Christian Klein Bösing wissen darüber schon einen Menge – längst noch nicht alles

Von Karin Völker

Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf Foto: dpa/KEYSTONE FILE

Bei der Kinderuni ging es am Freitagnachmittag um die Fragen aller Fragen: Wie entstand das Universum? Kernphysiker haben es inzwischen geschafft, den Urknall, mit dem vermutlich alles los ging, zu simulieren – und Prof. Dr. Christian Klein-Bösing von der Uni Münster weiß, wie das geht. Er entführte die 182 bei der digitalen Kindervorlesung zugeschalteten Kinder zum Teilchenbeschleuniger, dem „Large-Hadron-Collider“, kurz LHC, in Genf, wo Wissenschaftler aus aller Welt seit 2008 Messungen vornehmen, um der Entstehung des Universums auf die Spur zu kommen.

Die Kernphysiker an der Universität Münster haben für den sogenannten „Alice-Detektor“ der Anlage 18 Module gebaut – und sie sind häufig vor Ort, wenn die Bleikerne, also die Atome, durch den 27 Kilometer langen unterirdischen Tunnel geschossen werden. Die Geschwindigkeit dabei ist kaum vorstellbar: In einer Sekunde fliegen die Teilchen 11.000 Mal durch den kreisförmigen Tunnel. Gemessen wird im 16 Meter hohen und Eiffelturm-schweren Alice-Detektor die Wärmestrahlung, die entsteht, wenn die Teilchen aufeinanderprallen.

Modell des Alice-Detektors aus 16.000 Legoteilchen

Im Institut bei Prof. Klein- Bösing hatten Jugendliche kürzlich aus 16.000 Lego-Teilchen den Alice-Detektor maßstabsgetreu nachgebaut – und dieses Modell faszinierte die jungen Studierenden fast noch mehr als die eigentliche „Materie“ der Vorlesung.

Prof. Dr. Christian Klein-Bösing ist Kernphysiker. Foto: WWU

Ein Legostein eignet sich aber immer ideal, wenn es darum geht, Größenverhältnisse zu verdeutlichen. Im Vergleich zu einem Atom ist er fast unvorstellbar groß. „Male eine Eins mit 22 Nullen“, so Klein-Bösing – „dann weiß man, wie viele Atome in einen kleinen Legostein passen.“

Eine weitere wichtige Fragen, die der Professor beantwortete: „Knallt es im Labor, wenn man dort einen Urknall macht?“ Nein, denn die Kerne, die aufeinanderprallen, sind einfach zu klein.

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