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Neues aus der Partnergemeinde der Uganda-Hilfe St. Mauritz

Keine Mutter bleibt in Obiya Palaro allein

Münster/Obiya Palaro

Krankenstation, Geburtshaus, Hospital: Die medizinische Infrastruktur in dem Dorf Obiya Palaro im Norden Ugandas wurde maßgeblich durch Spenden aus Münster finanziert. Hier ein Bericht über die Arbeit dort.

Klaus Baumeister

Lydia Toyle (l.) untersucht den kleinen Joly, dessen Mutter ihn mit Verdacht auf Malaria zur Krankenstation gebracht hat. Foto: kb

Etwa 80 bis 100 Patienten pro Woche kommen mit Verdacht auf Malaria zu Lydia Toyle in die Krankenstation von Obiya Palaro. Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, Schweißausbrüche – all das deutet darauf hin, dass die kleinen und großen Patienten von einem Moskito gestochen wurden.

So richtig Aufschluss indes bietet der Schnelltest, den die 28-jährige Lydia durchführt. Meist bestätigt sich der Verdacht, für die weitere Behandlung indes ist es wichtig, ob ein leichter oder ein schwerer Befund vorliegt.

50 Prozent der Fälle ordnet Lydia Toyle in die Kategorie „leicht“ ein, da genügt es, Medikamente auszuhändigen und die Patienten wieder nach Hause zu schicken. Bei den anderen 50 Prozent ist es erforderlich, dass die Patienten für zwölf Stunden eine Infusion erhalten und eine Nacht zur Beobachtung im Hospital bleiben. Ist am nächsten Morgen eine Besserung zu erkennen, geht es ab nach Hause. Wenn nicht, geht es ins Lacor-Krankenhaus im benachbarten Gulu, der größten Stadt im Norden Ugandas.

Die Behandlung der Malaria, in Uganda eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt, zeigt anschaulich, wie segensreich die WN-Spendenaktionen von 1995 und 2015 in der Gemeinde St. Mauritz in Obiya Palaro wirken. Die ugandische Pfarrei ist die Partnergemeinde von St. Mauritz in Münster. Mit dem Erlös der Spendenaktion 1995 wurde die Krankenstation gebaut, mit dem Erlös der Spendenaktion 2015 wurde das kleine Krankenhaus nebenan gebaut. Gemeinsam mit dem ebenfalls auf dem Campus befindlichen Geburtshaus, errichtet von einer amerikanischen Ordensgemeinschaft, bilden sie die Eckpfeiler eines Gesundheitssystems, das – gemessen am sonst üblichen Standard – für ein ugandisches Dorf schon recht imposant ist. „Unser Einzugsgebiet reicht 20 Kilometer ins Umland“, berichtet die Leiterin, deren medizinische Ausbildung irgendwo zwischen Krankenschwester und Hausärztin angesiedelt ist.

Apropos Arzt: Er kommt zwei Mal in der Woche in die Krankenstation und schaut sich die Fälle an, bei denen Lydia Toyle nicht weiterweiß.

Ansonsten behandeln die insgesamt rund 20 Mitarbeiter in dem medizinischen Komplex jene Krankheiten, die in dem Entwicklungsland buchstäblich alltäglich sind: Typhus, Erkältungskrankheiten aller Art, Verbrennungen und Verletzungen, zuweilen auch Verletzungen nach häuslicher Gewalt.

„Ja, die gibt es“, bestätigt Pfarrer Cyprian Odongo diese traurige Nachricht. Aber es gibt auch positive Nachrichten: Rund 500 Kinder pro Jahr kommen in dem Geburtshaus zur Welt. Dank verbesserter Hygiene ist die Kindersterblichkeit deutlich zurückgegangen.

Für die Krankenschwester Grace Christine Acam hat die Geburtsstation einen weiteren positiven Aspekt: Die Mütter, die hier entbunden haben, nutzen später mit ihren Kindern auch alle Vorsorge- und Kontrolltermine in der Krankenstation. Dabei werden die Kleinen untersucht und gewogen, um einer möglichen Mangelernährung auf die Spur zu kommen, bei den Terminen werden sie mit Vitamin-Präparaten versorgt.

Die Mütter eilen erfahrungsgemäß auch unverzüglich zur Krankenstation, wenn sie bei ihren Kindern den Verdacht einer Malaria-Erkrankung haben. „Das ist vorbildlich“, freut sich die Hospitalleiterin Toyle.

Sie lässt in diesem Zusammenhang auch nicht unerwähnt, wer ihre Problemkinder sind: erwachsene Männer. „Sie kennen keine Vorsorge, und kommen im Falle einer Erkrankung erst dann, wenn es nicht mehr anders geht.“ Zumindest in dem Punkt unterscheiden sich Uganda und Deutschland kaum.

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