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Spendenaufkommen für gemeinnützige Vereine eingebrochen

Kinder brauchen weiterhin Hilfe

Münster

Fatal für kleine Patienten: Das Spendenaufkommen für gemeinnützige Vereine, die schwer kranke Kinder und deren Familien unterstützen, ist in der Corona-Krise eingebrochen. Gleichzeitig sind die Aufgaben gewachsen.

Von Karin Höller

Während die Kinder vier bis fünf Stunden an der Dialyse sind, werden sie von psychosozialen Mitarbeitern betreut. Eine wichtige Arbeit, die auch der Förderverein „Hilfe für das nierenkranke Kind“ finanziell unterstützt. Foto: „Hilfe für das nierenkranke Kind“

Für die kleinen Patienten ist es fatal. Im Laufe der Corona-Pandemie sind die Spenden für gemeinnützige Vereine, die sich die Unterstützung schwer kranker Kinder und ihrer Familien zur Aufgabe gemacht haben, stark eingebrochen.

Der Förderverein „Hilfe für das nierenkranke Kind“, der dafür sorgt, dass Kinder, die mehrmals in der Woche für viele Stunden an der Dialyse hängen, den Mut nicht verlieren, ist aber gerade jetzt in der Pandemie gefragt. „So wurde im vergangenen Jahr der Stundenumfang einer Heilpädagogin für die psychosoziale Betreuung der Kinder im KfH-Nierenzentrum aufgestockt“, berichtet Fördervereinsvorsitzender Dr. Stefan Fründ. „Die Spendeneingänge sind im vergangenen Jahr um 20 000 Euro geschrumpft.“

Spenden um 70 Prozent eingebrochen

Dramatisch sind auch die Spenden für bekannte große Vereine wie die Kinderneurologiehilfe zurückgegangen. „Mit Beginn von Covid-19 sind uns mehr als 70 Prozent der freien Spenden weggebrochen. Auch das sonst übliche wohlwollende weihnachtliche Spendenaufkommen war in diesem Jahr fast nicht abbildbar“, beklagt die Vereinsvorsitzende Gertrud Wietholt. Das Problem: „Die Aufgaben und der Bedarf unserer Arbeit sind in der gleichen Zeit enorm gewachsen.“

Die Vorsitzende der Kinderneurologiehilfe nennt ein Beispiel: Bei vielen Kindern, die beispielsweise nach einem schweren Unfall mit Schädelhirntrauma unter Funktionsstörungen des Hirns leiden, werde es im Distanzunterricht in der Schule noch schwieriger, mitzukommen. Pandemiebedingt seien vielen Familien indes Helferketten weggebrochen und der Zugang zu therapeutischen Maßnahmen verwehrt. Bei Widersprüchen gegen verwehrte Bewilligungen durch Krankenkassen gehe wertvolle Zeit verloren, weil keine Präsenzbesichtigungen stattfinden. Und nicht „zuletzt stellen coronabedingte Ausfälle in ambulanten Pflegeteams Familien vor Herausforderungen, denen viele nicht gewachsen sind“, so Wietholt.

Leuchtturmprojekte finanzieren

So sieht es auch Stefan Fründ von den „Nieren­kindern“, wie sich der Verein in Kurzform nennt. Der Mediziner sieht eine Hauptursache der wegbrechenden Spenden darin, dass alle Präsenzveranstaltungen ausfallen mussten. Fründ: „Und per Telefon lassen sich neue Spendenkontakte schlecht herstellen.“

Dabei sei der Bedarf der Nierenkinder an psychosozialer Begleitung während der Pandemie noch höher als sonst. „Eine Familie mit einem Kind, das nach Jahren des Wartens an der Dialyse eine Organtransplantation erhält, wird nie wieder vollkommen gesund, und die Lebensdauer eines Spenderorgans ist begrenzt“, erklärt der Mediziner. Der Förderverein unterstützt die betroffenen Kinder daher oft über viele Jahre, sorgt dafür, dass Schulabschlüsse trotz Krankheit gemacht und Geschwisterkinder nicht vernachlässigt werden, weil sich alles um das schwerkranke Familienmitglied dreht. Wichtige Zeit zum Auftanken und zum Austausch untereinander finanziert der Verein zudem alle zwei Jahre mit einer Fahrt nach Norderney mit medizinischer Betreuung. „Ein Leuchtturmprojekt“, wie Fründ es nennt. Aber auch das lässt sich ohne Spenden auf Dauer nicht finanzieren.

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