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Deutschlandtag der Jungen Union

„Klares Signal Richtung Aufbruch“ aus Münster

Münster

Kandidat am Wählerwunsch vorbei, falsche Themenschwerpunkte: Die Junge Union übt auf ihrem Deutschlandtag in der Halle Münsterland Selbstkritik nach der Wahlschlappe. Kritik setzt es auch für einen, der nicht nach Münster gekommen ist. 

Von Joel Hunold

Tilman Kuban (l), Vorsitzender der Jungen Union (JU), und Johannes Winkel, NRW-Landesvorsitzender der Jungen Union, klatschen sich auf der Bühne ab. Foto: Bernd Thissen/dpa

Ein historisch schlechtes Wahlergebnis bei der Bundestagswahl – in der Halle Münsterland in Münster herrscht trotzdem großer Jubel und Partystimmung. Redner und Vertreter der Jungen Union – die hier am Wochenende ihren dreitägigen Deutschlandtag durchführen – werden mit lautem Applaus begrüßt.

Von Verdruss über das schlechte Ergebnis ist zumindest beim Auftakt wenig zu spüren. „Wir werden mit dem Deutschlandtag ein klares Signal des Aufbruchs setzen. Wir werden dafür Sorgen, dass von diesem Wochenende der Neuanfang ausgeht“, verspricht JU-Vorsitzender Tilman Kuban.

JU fordert Mitgliederbefragung

Für diesen Neuanfang sei eine Mitgliederbefragung über den zukünftigen Vorsitzenden der CDU nötig, sagte Kuban. Der Bundesvorstand habe sich einstimmig dafür ausgesprochen. Eine Mitgliederbefragung, die auch bei den 1000 Anwesenden großen Jubel auslöste, könne sowohl digital als auch als Urnenwahl in den Kreisbüros stattfinden und sei daher schnell durchführbar.

Wie schon im Interview mit dieser Zeitung betonte Kuban erneut, dass er eine Doppelspitze für die CDU zum aktuellen Zeitpunkt nicht für angebracht hält. „Ich will das nicht auf alle Ewigkeit ausschließen, aber die CDU braucht grade einen starken Vorsitzenden.“ Zudem erklärte Kuban, er würde es begrüßen, wenn auch Frauen ihren Hut in den Ring werfen würden.

Thematisch dürfe sich die Union in Zukunft nicht zu sehr von Themen wie Migration leiten lassen. Eine von der Jungen Union in Auftrag gegebene Insa-Umfrage habe gezeigt, dass das Thema gerade bei unter 35-jährigen keine entscheidende Rolle spiele. Bei der Bundestagswahl seien vielmehr die Themen Wohnen, Bildung und Klima wichtig gewesen. „Wir müssen in Zukunft deutlicher Position beziehen und sie laut in die Mutterparteien einbringen.“ Zudem wies Kuban Vorwürfe von sich, die Junge Union trage für das schlechte Abschneiden unter jungen Wählern Verantwortung. Lediglich 20 Prozent hätten die Jugendorganisationen als wahlentscheidenden Faktor angegeben.

Kritik an Markus Söder

Kritik äußerte er an Markus Söder und seinen Sticheleien während des Wahlkampfes gegen Armin Laschet. Die Junge Union sei zwar für Markus Söder gewesen, doch nach der Entscheidung für Laschet habe man loyal zu ihm gestanden. „Das kann nicht jeder von sich behaupten“, sagte Kuban in Richtung Söder. Er bedaure, dass dieser seine Teilnahme am Deutschlandtag kurzfristig abgesagt habe, um in Bayern an einer Basiskonferenz teilzunehmen. Johannes Winkel, Chef der Jungen Union NRW, ergänzte: „Man muss nach so einem Ergebnis auch mal Klartext reden.“ Umso mehr sei es Laschet anzurechnen, dass er sich der Diskussion mit den JU-Mitgliedern stelle.

Spitzenpersonal der CDU in Münster

Am Freitagabend tritt Friedrich Merz in Münster auf. Samstag kommt mit Jens Spahn ein weiterer eher konservativer CDU-Politiker, dem zudem Ambitionen auf den CDU-Vorsitz nachgesagt werden.

Neben einem strukturellen und personellen Neuanfang der CDU beschäftigt sich die Junge Union am Wochenende besonders mit der Zukunft der Mobilität. So will die JU etwa landesweite Versuche zum autonomen Fahren fördern.

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