1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Applaus ist Pflegekräften zu wenig

  6. >

Warnstreik im öffentlichen Dienst

Applaus ist Pflegekräften zu wenig

Münster

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes im Tarifvertrag der Länder waren am Mittwoch von der Gewerkschaft „Verdi“ zum Warnstreik aufgerufen. Auch am Universitätsklinikum Münster legten viele die Arbeit nieder - mit erheblichen Auswirkungen.

Von Karin Völker

Am UKM traten Beschäftigte in den Warnstreik. Vor allem Pflegekräfte fordern bessere Entlohnung und Arbeitsbedingungen. Foto: Karin Völker

Philipp Pasternak hat sein Protestschild an Krücken befestigt. Die reckt der Pfleger auf der Station 18 A, Herz- und Thorax-Chirurgie des Uniklinikums Münster (UKM), am Mittwochmorgen auf der Domagkstraße in die Höhe. „Profite töten Patienten“, klingt darauf Systemkritik an. Viele vom Team der auf der 18 A sind beim Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat, dabei. Die Station 18 A ist für den Tag geschlossen – die schwer kranken Patienten sind auf andere Bereiche verlegt worden. Station 18 B ist ohnehin schon seit längerem mangels Personal nicht mehr geöffnet.

Unter einem Partyzelt machen die Musiker Heiko Fänger und Rafael Landauer Stimmung bei den Warnstreikenden. Rund 160 sind sind versammelt, schätzt Susanne Scharmann, für das UKM zuständige Verdi-Sekretärin, die den Warnstreik organisiert hat. „Rund 300 Mitarbeitende haben signalisiert, mitstreiken zu wollen, 140 sind aber zurück in die Notdienstbesetzung gegangen“, sagt Scharmann – und nimmt bei den Teilnehmern der Protestkundgebung viel Entschlossenheit wahr.

Nur acht von 42 OP-Sälen geöffnet

Entschlossenheit, einen Punkt zu setzen unter die stetig steigende Arbeitsbelastung. „Es geht allein um Quantität, darum, möglichst viele Behandlungen durchzuführen und abrechnen zu können“, sagt eine OP-Schwester aus der Augenklinik. „Die Löcher in der Personaldecke werden immer größer“, ergänzt eine ihrer Kolleginnen. Auch Philipp Pasternak, seit drei Jahren im Pflegeberuf, kann sich nicht vorstellen, auf lange Sicht voll in diesem aufzehrenden Job zu arbeiten. Er und seine Kollegen unterstützen die Gewerkschaftsforderungen von fünf Prozent mehr Gehalt oder mindestens 300 Euro monatlich.

Am UKM hatte der Warnstreik der Beschäftigten im Tarifvertrag der Länder erhebliche Auswirkungen. Fünf Stationen mussten geschlossen werden, nur acht von 42 OP-Sälen waren geöffnet, sämtliche planbaren Operationen abgesagt worden, so eine UKM-Sprecherin. „Notfälle konnten jederzeit versorgt werden“, ergänzt sie. Auch an der FH und an der Universität traten einzelne Beschäftigte in den Warnstreik – ohne nennenswerte Auswirkungen auf den Betrieb.

Startseite
ANZEIGE