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Frauennotruf startet Kampagne

K.o.-Tropfen: Zahl der Fälle steigt

Münster

Die Zahl der Fälle, in denen sich Betroffene an den Frauennotruf wenden, steigt gerade spürbar an. Deshalb startet die Beratungsstelle eine große Plakat- und Info-Aktion. Sogenannte Spikeys für den Flaschenhals machen es Tätern schwieriger.

Von Karin Höller

Das Team des Frauennotrufs gibt Verhaltenstipps zum Schutz vor K.o-Tropfen (v.l.): Beratungsstellen-Leiterin Gerlinde Gröger, Daniela Stöveken und Lina Lippke, die bunte Spikeys für den Flaschenhals präsentiert. Foto:

Das Problem mit K.o.-Tropfen ist angesichts der zunehmenden Zahl der Feiern an lauen Sommerabenden wieder virulent. Während der Hauptphase der Pandemie sei die Zahl der Ratsuchenden, die sich nach der Verabreichung von K.o-Tropfen an den Frauennotruf gewandt hatten, von zehn bis elf auf drei bis vier Prozent zurückgegangen, erklärt die Leiterin der Beratungsstelle Gerlinde Gröger. „Aber jetzt gibt es wieder sehr viel mehr Anfragen.“

Aus diesem Grund macht die Beratungsstelle bei ihrer derzeitigen Kampagne „Keine Schuld“ mit einem Sondermotiv auf über 200 Litfaßsäulen in Münster darauf aufmerksam, dass eine Frau niemals die Schuld trifft, wenn ihr K.o.-Tropfen verabreicht wurden. Zusätzlich liegen in zahlreichen Kneipen, Clubs und Cafés insgesamt rund 1500 Postkarten mit dem gleichen Motiv und Verhaltenstipps aus. Geplant sei zudem, Handzettel in Kneipen und gezielt auch an Studierende zu verteilen, erläuterte Gröger am Freitag mit ihren Teamkolleginnen Daniela Stöveken und Lina Lippke bei der Vorstellung der Aktion.

In vielen Lokalen und in der Beratungsstelle des Frauen-Notrufs an der Heisstraße liegen zudem kostenlos die bunten „Spikeys“ aus, die auf den Flaschenhals gesetzt werden, um die Verabreichung von K.o-Tropfen zu erschweren.

Unter Freunden auf Anzeichen achten

Das Team des Frauennotrufs kann es Frauen nur immer wieder ans Herz legen: „Achte auf dein Glas. Passt unter Freunden gegenseitig auf eure Getränke auf.“ Und nur Getränke nehmen, deren Weg man von der Theke verfolgt hat. Unter K.-o.-Tropfen, die man weder riechen noch schmecken kann, sind Betroffene mitunter für mehrere Stunden manipulierbar und willenlos. Bei vielen weisen schon kurz nach der Einnahme Übelkeit oder Benommenheit darauf hin. „Bei solchen Anzeichen sollten mitfeiernde Freunde aufmerksam werden und Hilfe anbieten“, raten die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann in Zweifelsfällen vor dem Verzehr von Getränken über Nachweisbändchen, die im Handel erhältlich sind, K.o.-Tropfen aufspüren. Laut Gröger gilt dies aber nur für den am häufigsten verwendeten Wirkstoff GHB.

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