1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Kontaktnachverfolgung: Gesundheitsamt überschreitet "kritischen Punkt"

  6. >

Corona in Münster

Kontaktnachverfolgung: Gesundheitsamt überschreitet "kritischen Punkt"

Münster

Steigende Infektionszahlen überfordern mittlerweile das Gesundheitsamt in Münster bei der Kontaktnachverfolgung. Das hat auch mit der Virusvariante Omikron zu tun, die sich vermehrt ausbreitet - aber nicht nur.

Von Karin Völker/pd

Corona-Scouts im Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung. Inzwischen können nicht mehr alle Fälle bearbeitet werden. Foto: Matthias Ahlke (Archivbild)

Die Corona-Inzidenz in Münster ist am Dienstag zwar endlich wieder einmal auf jetzt 275 gesunken. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass auch in Münster das Infektionsgeschehen weiter intensiv und angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante nicht eindeutig einzuschätzen ist, wie es am Dienstagnachmittag aus der Stadtverwaltung heißt.

652 Ansteckungen mit der Omikron-Virusvariante wurden bereits seit Anfang Dezember 2021 in Münster nachgewiesen. Die tatsächliche Zahl der münsterischen Omikron-Fälle wird laut einer städtischen Pressemitteilung hingegen deutlich höher geschätzt und lasse sich aus verschiedenen Gründen nicht seriös bestimmen.

"Nicht alle Labore, die positive PCR-Tests auswerten, verfügten in den zurückliegenden Wochen über die entsprechenden Voraussetzungen zur Bestimmung dieser Virusvariante", teilt die Stadt mit. Zudem werde nicht jede nachweisbare Infektion auch auf ihren Virustyp hin geprüft. Sprich: Zahlreiche weitere Ansteckungen dieses Typs sind wahrscheinlich erfolgt, können jedoch nicht als solche ausgewiesen werden. "Diese Problematik besteht bundesweit", sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Norbert Schulze Kalthoff in der Mitteilung.

Corona-Infektionen über die Feiertage

Allerdings ist diese Variante auch nicht alleinige Begründung für die beständig steigenden Infektionszahlen in Münster. Viele Bürgerinnen und Bürger sind laut der Mitteilung der Stadt im Austausch mit anderen Personen unvorsichtiger geworden, auch die Feiertage haben wahrscheinlich ihren Teil zur aktuellen Lage beigetragen. Auch ein Corona-Ausbruch nach einer Ski-Freizeit des Hochschulsports in der Schweiz beschäftigt aktuell das Gesundheitsamt.

Infektionen in Krankenhäusern und nach Kneipen-Besuch

Der Corona-Ausbruch in der Raphaelsklinik hat sich nach Auskunft der Alexianer bis Dienstagnachmittag nicht ausgeweitet. Die Stadt spricht von neun infizierten Mitarbeitern und Patienten. Auch am Clemenshospital, das ebenfalls von den Alexianern betrieben wird, gebe es Ansteckungsfälle, bestätigt eine Sprecherin. Hier gehe es aber nur um vereinzelte Infektionen von Mitarbeitern im privaten Umfeld.

Die Stadt bestätigt auf Nachfrage auch Berichte in den sozialen Medien über vermehrte Infektionsfälle unter Kneipengästen im Kuhviertel kurz vor Weihnachten. „Ja, es gab Ausbruchsgeschehnisse““, heißt es im Presseamt. Daraufhin habe das Ordnungsamt vor Ort kontrolliert, das Gesundheitsamt habe Hygiene- und Lüftungskonzepte geprüft. Die 2G-Regel sei nach vorliegenden Erkenntnissen beachtet worden.

Nicht alle Kontaktpersonen können kontaktiert werden

Die Kontaktpersonennachverfolgung im Gesundheitsamt hat nach Angaben der Stadt "inzwischen einen kritischen Punkt überschritten". Trotz personeller Verstärkung, weiterer Optimierung von Verfahren und Priorisierung von Aufgaben können nicht mehr alle engen Kontaktpersonen von Infizierten kontaktiert werden. Hier liegt daher der Schwerpunkt der Bearbeitung bei den vulnerablen Personengruppen und Einrichtungen, um erwartungsgemäß schwere Krankheitsverläufe zu verhindern.

Das Gesundheitsamt wiederholt in diesem Zusammenhang den Appell, bestehende Regelungen der Corona-Test- und Quarantäneverordnung eigenverantwortlich und umgehend umzusetzen.

Gesundheitsamtsleiter Dr. Norbert Schulze Kalthoff

Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass sich die Empfehlungen zum Ende der Woche wieder ändern, da die Omikron-Variante inzwischen dominiert. "Wir erwarten eine Verkürzung der Quarantäne- und Isolationszeiten, verbunden mit erweiterten Testpflichten sowie eine stärkere Berücksichtigung des Geboostertenstatus", so Dr. Schulze Kalthoff, "die vorsorgliche Selbstisolation hat angesichts der massiven Infektionslage absolute Priorität."

Startseite