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Reaktivierungspläne

Kontroverse über WLE-Debatte

Münster-Südost

Viel Gegenwind gab es in Gremmendorf gegen die Reaktivierungspläne der WLE-Strecke.

Andreas Hasenkamp

Thema WLE: Die Strecke gibt es, wird aber nur von Güterverkehr benutzt. Foto: Günter Benning

Das Thema „Reaktivierung der WLE (Westfälische Landes-Eisenbahn) für den Personenverkehr“ aktiviert massiv: Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Bus und Rad – gegen die Bahn“ hatte zur Diskussion in die Gaststätte „Strandhof“ eingeladen. Politiker von CDU, FDP, Piraten und SPD sowie etwa 120 Gäste waren gekommen, die Hälfte davon nahm zwei Stunden Stehplatz in Kauf.

Einen aktuellen Sachstandsbericht zu bieten und zugleich für die Position seiner BI zu sprechen – dieser Gratwanderung setzt sich deren Sprecher Michael Eßer aus. Erstes Thema: die Bus-Linie 8. Am Rumoren im Saal spürt man die große Bedeutung dieser Frage. Eßer zeigt, wie weit die Wege zu den WLE-Haltepunkten wären. Die Linie 8 ist die Soll-Bruchstelle – keiner will ohne sie, sie sei unverzichtbar. Wobei die BI deren Wegfall als eingeplant verkündet („So werden weite Teile Wolbecks, Angelmoddes und Gremmendorfs von einer akzeptablen Anbindung an den ÖPNV abgeschnitten.“).

Dies wird von anderen bestritten: Jörn Möltgen, Ratsmitglied der Grünen, sagte, die Stadtwerke gingen davon eben nicht aus. Das sei auch der Landesregierung so signalisiert worden. Dies bestätigten die Piratin Birgit Hemecker und die Ratsherren Horst-Karl Beitelhoff (CDU) und Mathias Kersting (SPD). Die CDU der Bezirksvertretung Südost verteilte zum Abschied einen Beschluss vom Vortag: Die Reaktivierung komme „nur infrage, wenn der Münster-Standard bezüglich des Zugangs zum Bus-System bei angemessenen Taktzeiten gewährleistet bleibt“. Dazu gehöre der „Standard eines 300-Meter- Erschließungsradius“.

Dissens beim Lärm und Lärmschutz: Eßer führt das rechtliche Gebot der Gleichbehandlung ins Feld, für ein Baugebiet in Wolbeck sei eine Lärmschutzwand vorgesehen, das müsse auch an anderen Stellen gelten. Die Piratin Hemecker weist darauf hin, dort sei die Fahr-Geschwindigkeit eben höher – Eßer kommt nicht darauf zurück.

Noch einmal der Lärmschutz: Eßer zieht einen Vergleich mit einer Strecke in Hiltrup – dort allerdings fahren andere Züge mit höherer Geschwindigkeit, so die Piratin: Vergleichbar sei die Strecke Münster – Telgte. Die Belastung sei im rechtlichen Rahmen. Eßer „zerpflückt“ die Zahlen des Gutachtens von 2010, beziehungsweise 2015. Willi Schriek von der FDP der Bezirksvertretung verweist darauf, dass die dezent positive Kosten-Nutzen-Relation dem Gutachten nach nur um 200 000 Euro im grünen Bereich liege. Und ein Bussystem sei immer flexibler. Andere bringen später den Zuwachs der Bevölkerung in Südost ins Spiel – was für mehr Nutzer der WLE spreche.

Kostenpunkte gibt es zuhauf – etwa für den Erhalt von Bahnübergängen, bei Angelmoddes Rad- und Fußwegen. Wie weit dafür Signalanlagen eingeplant (und eingepreist) sind, bleibt unklar. Und der Raum für Park-and-Ride? Kersting hält dagegen: Man sei noch in einem frühen Stadium der Planung.

Zum Thema

Am Dienstag (6. September) wird das Thema in der BV Südost behandelt. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr in der Eichendorffschule (Eichendorffstraße 36) in Angelmodde.

Um Sachlichkeit hatte Moderator Carsten Höfer gebeten, ums Ausreden lassen – das gelang mit Ausnahmen vorbildlich. Kontrovers war es, man widersprach sich deutlich, mitunter hart. Zwischenrufe blieben die Ausnahme.

Alternativen werden genannt: Radschnellweg, durchgängig überdachter Radweg, auch mehr Dauerparkplätze und Parkhäuser in Münster. Viele Fragen und Positionen hat die Diskussion offenkundig gemacht, da fragt Höfer, ob die Parteien denn bereit seien, zukünftig enger mit der Bürgerinitiative zusammenzuarbeiten: „Sicher“, heißt die Antwort. Zum Jahreswechsel gibt es Neues von Gutachterseite, auch zum Lärm.

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