Wegen Corona-Pandemie

Kramermahl in Münster fällt 2021 erstmals aus

Münster

Das hat es seit 1956 noch nicht gegeben: Das Kramermahl, die wichtigste Traditionsveranstaltung der münsterischen Kaufmannschaft, fällt im Februar 2021 aus.

Karin Höller

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung des Vereins der Kaufmannschaft von 1835 (v.l.): Thomas Zumnorde (zweiter stellvertretender Vorsitzender), Referent Prof. Dr. Martin Winter (Batterieforschungszentrum Meet) und Vorsitzender Dr. Benedikt Hüffer. Foto: Matthias Ahlke

Die Corona-Pandemie hat die münsterische Wirtschaft weiterhin im Griff. Das für den 26. Februar 2021 geplante Kramermahl wurde jetzt abgesagt. „Ein Fall, den es seit 1956 noch nicht gegeben hat“, bedauerte Dr. Benedikt Hüffer, Vorsitzender des Vereins der Kaufmannschaft von 1835, am Donnerstagabend bei der Mitgliederversammlung in den Räumen des Wirtschaftsclubs Westfalen. Nach eingehenden Beratungen im Vorstand und Beirat sei man der einhelligen Meinung, die Traditionsveranstaltung nicht stattfinden lassen zu können. Im Februar gebe es ohnehin viele Influenza-Ausfälle. „Wir dürfen nicht riskieren, dass das Kramermahl zu einem Corona-Hotspot wird“, so Hüffer.

Hygieneregeln hätten "Charakter des Festes zerstört"

Wegen der Abstandsvorschriften hätte man auf die Hälfte der Mitglieder verzichten müssen. Zudem hätten nur Besitzer der sogenannten Erstkarten präsent sein können. Beim Kramermahl ist es Tradition, dass für jeweils eine Begleitung Zweitkarten verkauft werden.

Die Abstands- und Hygieneregeln hätten die Choreographie des Fests ganz erheblich durcheinander gewirbelt, erklärte Hüffer und nannte als Beispiele den Empfang in der Bürgerhalle des Rathauses, „der wegen des ständigen Kreuzens der Gäste hätte ausfallen müssen“. Das gleiche gelte für den anschließenden gemeinsamen Umtrunk. Faktoren, so Hüffer, „mit denen man letztendlich den Charakter des Festes zerstört hätte“.

Nächstes Kramermahl erst 2022

Deshalb sei der vorgesehene Festredner René Benko, Gründer der Signa-Gruppe und Miteigentümer des Warenhauskonzerns Galeria Kaufhof Karstadt, bereits für das nächste Kramermahl 2022 eingeladen.

Batterieforschung

Neue Technologien sind von immenser Bedeutung für die Wirtschaft. Deshalb richteten die Kaufleute während der Mitgliederversammlung des Vereins der Kaufmannschaft von 1835 viele Fragen an Gastreferent Prof. Dr. Martin Winter, wissenschaftlicher Leiter des Batterieforschungszentrums Meet. „Lithium-Ionen-Batterien sind die Kerntechnologie für die Mobilität auf absehbare Zeit“, erklärte Winter. Gefragt nach seiner Prognose für die nächsten fünf Jahre stellte der Experte im Jahr 2025 fast doppelt so hohe Reichweiten für Elektrofahrzeuge in Aussicht – „rund 750 Kilometer und 650 Kilometer Winterreichweite“. 30 bis 45 Minuten betrage derzeit die Schnellladezeit. Winter: „Wir hoffen, das zu halten.“ Der Erfolg der Batterieforschung in Münster liege in der engen Zusammenarbeit mit den Ingenieurwissenschaften. Es gebe einen gigantischen Weltmarkt für Hochenergiebatteriezellen. Im kommenden Jahr sei Baubeginn für die industrielle Forschungsfertigung von Batteriezellen (FFB) im Hansa-Business-Park in Amelsbüren.

Wie mit den Beiträgen für das Kramermahl verfahren werden soll, ist indes noch nicht abschließend geklärt. Viel Anklang fand bei der Mitgliederversammlung die Idee, das gastronomische Paket des Kramermahls jeweils nach Hause liefern zu lassen. Eine charmante Idee und als kleiner Beitrag, um die von der Pandemie so gebeutelte Gastronomie zu unterstützen, fanden die Kaufleute.

Kritisch sah Hüffer die Lage vieler münsterischer Unternehmen nach dem Auslaufen der staatlichen Förderprogramme zur Abmilderung der Corona-Krise. Das Investitionsvolumen seit März liege rund 80 Prozent unter dem Vorjahreswert. In der Industrie sehe es noch schlechter aus. Mit Blick auf den Einzelhandel gebe es bereits Leerstände auch in sehr guten Lagen. Anspielend auf die Grünen-Forderung zur autofreien Innenstadt mahnte Hüffer: „Wir genießen das Fahrradfahren, aber es braucht offene Konzepte und offene Dialoge mit der Wirtschaft“, um die Mobilitätsanforderungen zu bewältigen.

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