1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Kriegsdienstverweigerer zündet sich selbst an

  6. >

Münsters Partnerstadt Rjasan

Kriegsdienstverweigerer zündet sich selbst an 

Münster/Rjasan

Putins Teilmobilisierung löst unter vielen Bürgern in Russland Panik aus. Ein schlimmer Fall ereignete sich in Münsters Partnerstadt Rjasan, wo sich ein Mann selbst in Brand gesetzt haben soll.

Russische Polizisten halten Demonstranten fest, die gegen die von Kremlchef Putin angeordnete Teilmobilmachung in Russland für den Krieg in der Ukraine protestieren. Foto: Uncredited/AP/dpa (Symbolfoto)

Ein junger Russe aus Münsters Partnerstadt Rjasan soll sich laut übereinstimmenden Medienberichten selbst angezündet haben. Grund war demnach der drohende Einzug an die Kriegsfront in der Ukraine in Folge der aktuell laufenden russischen Teilmobilmachung.  Die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ veröffentlichte ein Video einer Überwachungskamera, auf dem eine Person zu sehen war, die sich zuerst mit einer Flüssigkeit übergoss und danach am ganzen Körper brannte.

Der Vorfall soll sich am Sonntag an einem Bahnhof in Rjasan abgespielt haben, laut Informationen des „Spiegel“ soll der Mann „Ich will nicht an die Front!“ geschrien haben. Nachdem Polizisten eingeschritten waren und das Feuer gelöscht hatten, wurde der Mann ins Krankenhaus gefahren. Über den aktuellen Gesundheitszustand liegen unterschiedliche, nicht gesicherte Informationen vor.

Am vergangenen Mittwoch hatte Russlands Präsident Wladimir Putin eine Mobilmachung von Reservisten als Reaktion auf jüngste Niederlagen seiner Armee in der Ukraine angeordnet. Offiziell sollen insgesamt 300 .000 Russen eingezogen werden. Rjasan ist traditionell eine Garnisionsstadt und Heimat der russischen Fallschirmjägereinheiten. Viele Menschen in der Stadt sind mit dem Militär verbunden.

Stimmung hat sich schlagartig geändert

Die Stimmung in Russland habe sich seitdem schlagartig geändert, berichtet Birgit Lückemeyer vom Förderverein zur Förderung der Städtepartnerschaft Münster-Rjasan. Sie ist seit 20 Jahren im Vorstand, zuletzt habe sie den Kontakt in die russische Partnerstadt auf Whatsapp-Nachrichten begrenzt: „Westlicher Kontakt ist für die Menschen vor Ort sehr gefährlich, deswegen müssen wir mit Bedacht vorgehen.“ Unter anderem Schlagwörter wie „Krieg“ und „Mobilmachung“ habe sie stets vermieden.

Ein direkter Kontakt nach Rjasan konnte unserer Zeitung aus Sicherheitsgründen nicht vermittelt werden. Lückemeyer: „Wir haben aktuell engeren Kontakt zu zwei Familien, die beide Angst davor haben, dass ihre Männer eingezogen werden. Seit der Mobilmachung herrscht Angst. Der zuvor herrschende Optimismus ist begraben. Der Krieg kommt damit real im Alltag der Familien vor.“

Startseite